Sexistische Sprüche von CDU-Spitzenkandidat Hagel: Charakterfragen verjähren nicht

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Der CDU-Politiker Manuel Hagel möchte in Baden-Württemberg Ministerpräsident werden. Für ein solches Amt zählt nicht nur politische Kompetenz – sondern auch persönliche Integrität. Die Frage ist: Ist dem Kandidaten als Mensch zuzutrauen, ein Land zu führen?

Anstand braucht es dafür unbedingt. Und deshalb ist der Videoclip relevant, den die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer gerade aus den hinteren Ecken des Internets hervorgekramt hat.

Acht Jahre ist es her, dass der jetzige Spitzenkandidat Hagel zu Gast war beim Format „Auf ein Bier mit“ des regionalen Senders „Regio TV“. Hagel war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter, Generalsekretär seiner Landespartei. Ein Profi also schon damals, jemand, der wissen muss, dass es darauf ankommt, was er sagt.

Da sitzt also Hagel in Wirtshaus-Atmosphäre und berichtet: „Ich war vor wenigen Wochen in einer Realschule bei uns im Wahlkreis. Eine Klasse, 80 Prozent Mädchen.“ Nun setzt er ein breites Grinsen auf: „Also da gibt es für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“

Später berichtet er weiter: „Dann begann, und ich werde es nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva. Braune Haare, rehbraune Augen.“ Der Moderator entgegnet: „Die wird jetzt rot zu Hause, wenn die das sieht.“ Woraufhin Hagel noch einmal herzlich lacht.

Wie bitter. Natürlich wegen der komplett unangemessenen Anzüglichkeit, des widerwärtigen Taxierens eines Mädchens in einem Zusammenhang, in dem Sexualität schlicht gar nichts verloren hat. Obendrauf wird die Sache aber noch einmal ganz besonders verstörend dadurch, dass es eben nach Hagels eigenen Worten ein Mädchen war, damit mutmaßlich minderjährig – und keine erwachsene Frau.

Ein Berufspolitiker um die 30, den ganz offensichtlich sexuelle Sentiments umtreiben, wenn er sich minderjährigen Schülerinnen gegenübersieht: Das ist tatsächlich abstoßend.

Familienfotos in den sozialen Medien

Am Rande sei notiert, dass Hagel sich wie ein wandelndes CDU-Klischee in den sozialen Medien als liebender Ehemann und Vater inszeniert: Er mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Söhnen vor dem geschmückten Weihnachtsbaum, mit dem Sohnemann beim Fahrradfahren oder auch beim fröhlichen In-die-Luft-Werfen des Nachwuchses. 

Hagels Verteidigungslinie, die er im „Spiegel“ kundgetan hat, läuft darauf hinaus, seine Aussage sei zwar „Mist“ gewesen, die Sache aber schließlich auch schon eine ganze Weile her. Das ist ein absolut mauer Konter. Kein Wunder, dieser Clip ist schlicht nicht schönzureden – auch wenn das nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass er viele Wählerinnen und Wähler in ihrer Entscheidung beeinflussen wird.

Gut denkbar, dass die Grünen sich die Sache gezielt aufgespart haben, um sie kurz vor der Wahl zu lancieren. Das ist als Teil der politischen Kampagnenführung vertretbar. Charakterfragen verjähren nicht.

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