In den vergangenen Tagen haben mehrere ARD-Sender ihre Jahresabschlüsse für 2025 vorgestellt. Das überraschende Ergebnis: Die meisten Sender sind mit einem Überschuss in das laufende Jahr gegangen. Der Norddeutsche Rundfunk hat ein Plus von fast 60 Millionen Euro, der Hessische Rundfunk eines von 52 Millionen Euro und der Südwestrundfunk von 44 Millionen Euro. Auch der Westdeutsche Rundfunk und Radio Bremen rechnen mit einem positiven Saldo. Im Minus liegen der Bayerische Rundfunk und der Mitteldeutsche Rundfunk.
Die Überschüsse erstaunen, da die Verantwortlichen der ARD nicht müde werden, darauf zu verweisen, dass sie ohne die von der Gebührenkommission KEF ursprünglich vorgesehene Beitragserhöhung von 58 Cent in den Jahren von 2025 bis 2028 ihren Programmauftrag nicht erfüllen könnten. Im vergangenen Jahr hat die Kommission ihre Prognose dann selbst revidiert und sah für die nächsten beiden Jahre nur noch ein Beitragsplus von 28 Cent pro Jahr für erforderlich. Dennoch zeigen die harten Fakten, dass auch ein solcher Anstieg unnötig ist: Die ARD kann mit Gesamteinnahmen von rund 7,57 Milliarden Euro ihren Programmauftrag sehr wohl erfüllen. Auf das beträchtliche Einsparpotential verweisen die Beitragskommission KEF und auch die Landesregierungen ohne Unterlass.
0,5 Prozent Bevölkerungsrückgang in östlichen Bundesländern
Ungeachtet dessen gibt es im öffentlich-rechtlichen Senderverbund jedoch eine Schieflage, die sich in den vergangenen Jahren verstärkt hat und sich vor allem aus der unterschiedlichen demographischen Entwicklung der deutschen Bevölkerung ergibt. So fiel der Bevölkerungsrückgang in den östlichen Bundesländern 2025 mit minus 0,5 Prozent stärker aus als in den westdeutschen Bundesländern mit minus 0,1 Prozent. Im bundesweiten Vergleich verzeichnete Thüringen, nach Angaben des Statistischen Bundesamts, den stärksten Bevölkerungsrückgang mit rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Sachsen-Anhalt nahm die Einwohnerzahl um 0,7 Prozent ab, in Sachsen um knapp 0,4 Prozent.
Da der Rundfunkbeitrag auf Basis der Haushalte berechnet wird, hat diese Entwicklung zur Folge, dass die Einnahmen beim MDR weniger angestiegen sind als bei anderen ARD-Sendern, bei vergleichbaren Kosten. Verzeichnete die der MDR Erträge von 761 Millionen Euro, waren es 2025 776 Millionen Euro. Beim NDR wuchsen die Einnahmen von 1,17 auf 1,27 Milliarden Euro. Die Vierländeranstalt im Norden hatte im vergangenen Jahr einen Überschuss, die Dreiländeranstalt MDR ein Defizit von 13,2 Millionen Euro.
Verantwortlich gemacht werden soll die Politik
Der Intendant und der Programmdirektor des Senders entschieden, aus Kostengründen drei Jahresproduktionen des „Tatorts“ und des „Polizeirufs 110“ zu streichen und sich vom „Mittagsmagazin“ wieder zu trennen, weil der Rundfunkbeitrag nicht zum 1. Januar 2025 wie von der Gebührenkommission KEF empfohlen anstieg, sagte der MDR-Intendant Ralf Ludwig. Auf diese Weise die „Politik“ für die Absetzung beliebter Filme verantwortlich zu machen, als im eigenen Haus an anderer Stelle konsequenter zu sparen, ist allerdings mehr als fragwürdig.
Den Schaden haben nicht nur die Zuschauer, sondern auch die klein- und mittelständische Filmwirtschaft der Region hat ihn. Es geht aber auch um einen politischen Verlust: „Tatorte“ und „Polizeirufe“ sind regional identitätsstiftend, zeigen Städte und Landschaften oft sehr werbewirksam, und das „Mittagsmagazin“ enthielt einen großen Teil von Filmberichten aus den drei MDR-Ländern. Beim NDR, der das Magazin wahrscheinlich weiterführt, wird das sicher nicht mehr der Fall sein. Den Anteil ostdeutscher Themen und Berichte zu erhöhen und angemessen zu präsentieren, ist vor allem eine Aufgabe des MDR, gehört aber weiterhin auch zum Auftrag der ARD.
Und was „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ angeht, gäbe es eine recht einfache Lösung: Einen Teil der „Tatorte“ könnte die gemeinsame ARD-Filmtochter Degeto finanzieren. Ein „Tatort“ pro Anstalt, lautet ein Vorschlag. Die ARD gibt die durchschnittlichen Kosten für eine Folge mit 1,7 bis 1,9 Millionen Euro an. Beim MDR ist ein „Tatort“ laut Produktionsbericht übrigens mit 2,1 Millionen Euro spürbar teurer (man fragt sich, warum). Die Degeto verfügt über ein jährliches Budget von 400 Millionen Euro und finanziert damit Serien wie „Babylon Berlin“, Fernsehfilme und Spielfilme. Die „Tatorte“ werden bisher aus den Budgets der Landesanstalten bestritten. Beim WDR und BR waren es im vergangenen Jahr beispielsweise sechs, beim SWR und NDR fünf. Kein „Tatort“ kam vom Saarländischen Rundfunk. Pro Jahr einen „Tatort“ für alle neun Anstalten würde das Degeto-Budget mit 4,3 Prozent kaum belasten. Neben dem Senderfinanzausgleich, der Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk zugutekommt, könnten die großen ARD-Anstalten so auch Solidarität mit den kleineren Partnern üben.
Diese programmliche Unterstützung ändert aber nichts an der Verantwortung jeder einzelnen öffentlich-rechtlichen Anstalt, noch vernünftiger mit dem Finanzierungsbeitrag der Bevölkerung zu rechnen. Das sollte auch vor der schier übermäßigen Zahl von Krimis nicht haltmachen. Doch der „Tatort“ erscheint ungeeignet, den scheinbaren Spareifer der ARD publikumswirksam zu demonstrieren.

vor 1 Stunde
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