Nun ist es offiziell: Auf Joyn, der Streamingplattform von Pro Sieben Sat.1, sollen künftig Inhalte des ZDF direkt abrufbar sein. Das teilte der Sender aus Mainz am Dienstag mit. Dokus, Filme und Serien sollen nicht etwa verlinkt, sondern eingebettet und damit auf Joyn selbst unentgeltlich und werbefrei zu sehen sein. Zur Verfügung stehen sollen die ZDF-Inhalte vom vierten Quartal dieses Jahres an.
Zu Beginn des Jahres 2025 war über dieses sogenannte Embedding noch gestritten worden. Pro Sieben Sat.1 hatte die Mediatheken von ARD und ZDF ungefragt eingebunden, die öffentlich-rechtlichen Sender wehrten sich juristisch. Schließlich entfernte Joyn die Mediatheken aus dem eigenen Angebot. Das „vorläufige Beta-Testing auf der Streamingplattform“ werde abgeschaltet, hieß es damals. Man nehme mit den öffentlich-rechtlichen Sendern „konkrete Gespräche über eine zukünftige Zusammenarbeit auf“. Die ARD war bislang nicht einverstanden, sich auf einen Deal einzulassen, das ZDF geht für die Öffentlich-Rechtlichen nun voran.
ZDF und Pro Sieben Sat.1 loben neue Vereinbarung
Von früheren Verwerfungen ist in der Pressemitteilung vom Dienstag nichts mehr zu erahnen. Die Unternehmen hätten eine „wegweisende Vereinbarung“ geschlossen, mit der Zusammenarbeit leiste man einen „Beitrag zu einer vielfältigen und zukunftsfähigen Medienlandschaft in Deutschland“.
„Unser Auftrag ist es, möglichst viele Menschen mit unseren hochwertigen Angeboten zu erreichen“, wird der Direktor Audience des ZDF, Florian Kumb, zitiert. „Wenn ZDF-Streaming-Inhalte künftig auch auf Joyn auffindbar sind, stärken wir die Sichtbarkeit öffentlich-rechtlicher journalistischer Angebote im digitalen Raum.“ Pro Sieben Sat.1 hebt hervor, dass die Nutzer von Joyn profitierten. Sie könnten „künftig noch mehr erstklassigen Content auf Abruf entdecken“, sagte die Geschäftsführerin und Chief Distribution & Partnerships Officer bei Pro Sieben Sat.1, Nicole Agudo Berbel. „Diese Kooperation zeigt, wie öffentlich-rechtliche und private Medien gemeinsam innovative Antworten auf den digitalen Wettbewerb geben. Damit setzen wir ein starkes, zukunftsweisendes Signal für das duale System und die Medienbranche insgesamt.“
Was hat das ZDF von der Kooperation?
Das ZDF entspricht mit der Vereinbarung auch dem Reformstaatsvertrag, der solche Kooperationen zwischen dem ÖRR und Privatsendern ausdrücklich vorsieht. Die Vereinbarung stehe „für einen partnerschaftlichen Ansatz in der digitalen Medienwelt“, heißt es vom Mainzer Sender.
Zwar bleiben die Nutzer von Joyn auf der Plattform, wenn sie ZDF-Inhalte konsumieren, doch die Zugriffszahlen verbucht das ZDF. Der Mainzer Sender gibt keine Rechte ab. Die Nutzer von Joyn, so die Kalkulation von Pro Sieben Sat.1, stoßen derweil auch auf andere, eigene Angebote der Plattform.
Das ZDF und Pro Sieben Sat.1 berufen sich darauf, ein Signal „für die Stärkung des Medienstandorts Deutschland“ zu setzen – sowie „für mehr Sichtbarkeit hochwertiger journalistischer Inhalte in einem zunehmend globalen Wettbewerbsumfeld“. Die On-Demand-Inhalte ergänzen bei Joyn die schon verfügbaren Live-Sender des ZDF.

vor 4 Stunden
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