Sarah Engels: Warum die ESC-Sängerin Feminismus mit Männerhass verwechselt

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 Wer Männer liebt, kann keine Feministin sein
 Wer Männer liebt, kann keine Feministin sein

Sarah Engels beim ESC: Wer Männer liebt, kann keine Feministin sein

Foto: Hannibal Hanschke / EPA

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Den diesjährigen ESC zu ignorieren, habe ich erfolgreich geschafft. Dennoch bin ich nicht an Sarah Engels vorbeigekommen, die dieses Jahr für Deutschland angetreten ist. Das lag nicht an ihrer Musik, sondern an anderen Dingen. Unter anderem liegt es daran, was Sarah Engels so sagt. Anfang der Woche wurde sie gefragt, wie feministisch sie denn sei. Darauf antwortete sie: »Feministisch würde ich jetzt nicht sagen, weil ich habe einen ganz, ganz tollen Mann, und ich mag auch Männer.« Daraufhin gab es einiges an Kritik und die ersten Forderungen, Sarah Engels vom Kölner CSD auszuladen.

Foto: Stefanie Loos / re:publica

Alice Hasters ist Autorin und Publizistin. Sie veröffentlichte 2019 bei hanserblau »Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten«. Ihr drittes Buch »Anti Opfer« (288 Seiten; 22,99 Euro) ist jüngst bei Ullstein erschienen.

Von einer Frau, die ihr Album »Strong Girls Club« genannt und beim ESC darüber gesungen hat, dass sie sich von einem lügenden Typen nicht unterkriegen lässt, hätte man nicht unbedingt erwartet, dass sie Feminismus mit Männerhass gleichsetzt. Es klingt fast so, als hätte sie zu viele Bro-Podcasts gehört, in denen sich gerne darüber beschwert wird, dass Männer heute gar nichts mehr dürfen, weil sie ständig von Feministinnen gecancelt werden, oder Christfluencerinnen etwas von freiwilliger Unterordnung der Frauen ihren Ehemännern gegenüber erzählen.

Dazu kommt, dass wir in Zeiten leben, in denen die Errungenschaften, die feministische Bewegungen für Frauen erkämpft haben – wie wählen gehen, ohne Erlaubnis vom Ehemann arbeiten und sein eigenes Geld verwalten –, natürlich selbstverständlich geworden sind, straffreier Schwangerschaftsabbruch, lange Öffnungszeiten in den Kindertagesstätten oder offen lesbisch oder queer zu sein mehr oder weniger toleriert werden, zunehmend aber die Rolle und die Rechte von Frauen in der Gesellschaft durch das Erstarken der Rechten eine neue Verunsicherung erfahren. Auch deshalb trifft Engels Aussage auf dünne Haut. Schließlich gibt es Menschen, die den Anschein erwecken, uns wieder zurück in die Fünfzigerjahre zurückkatapultieren zu wollen, wenn es um Geschlechterverhältnisse geht. Ist Engels also eine von ihnen? Für mich klingt Engels jedoch nicht wie 1950, sondern eher wie 2008.

Es ist wirklich nicht so lange her, dass eine Aussage wie die von Sarah Engels völlig normal war. Vor den Zehnerjahren haben sich die wenigsten Frauen als Feministinnen identifiziert, insbesondere nicht die Stars dieser Zeit. Lady Gaga sagte 2009, dass sie keine Feministin sei, weil sie Männer feiere. Die »Sex and the City«-Schauspielerin Sarah Jessica Parker wies das Label Feministin zurück und nannte sich stattdessen Humanistin. Taylor Swift sagte 2012 in einem Interview, dass Feminismus für sie wie ein »Jungs-gegen-Mädchen-Ding« klinge. Damals hatte Feminismus einen schlechten Ruf, auch wenn es in der Popkultur viel darum ging, dass Frauen sich nicht unterkriegen lassen sollten, dass sie keinen Mann brauchten, um ihre Ziele zu erreichen, und Freundschaften oftmals die zuverlässigeren Beziehungen waren.

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