In Russland haben weitere Internetdienste begonnen, Nutzer und Nutzerinnen auszusperren, die aus dem Inland per VPN-Tunnel (Virtual Private Network) darauf zugreifen wollen. Das berichten die Nachrichtenseiten Moscow Times und Meduza übereinstimmend. Betroffen ist demnach auch das staatliche Informationsportal Gosuslugi. Die Maßnahme soll womöglich dazu dienen, noch stärker gegen die VPN-Nutzung vorzugehen, weil sie die gesperrten Internetangebote aus dem Ausland weiter erreichbar macht. Parallel dazu gibt es auch Berichte, dass inzwischen sogar der Kurznachrichtendienst Bluesky blockiert wird, obwohl der in dem Land kaum verbreitet ist. Derweil hat sich der Kreml gezwungen gesehen, auf eine kritische Videobotschaft einer prominenten Bloggerin zu reagieren.
Kreml muss auf Kritik reagieren
Die Verschärfung der Maßnahmen gegen VPN-Dienste folgt nur wenige Tage auf eine Welle von Problemen, die durch vorangegangene Maßnahmen entstanden sind. Neue Mechanismen gegen die VPN-Nutzung sollen am Karfreitag für einen großflächigen Ausfall digitaler Zahlungsmöglichkeiten gesorgt haben. Die Probleme wurden dann offenbar behoben. Zu den neuen Internetangeboten, die jetzt gegen VPN-Dienste vorgehen, gehören laut der Moscow Times der große russische Internethändler Ozon und der Streaming-Dienst Kinopoisk. Wer per VPN darauf zugreift, bekommt demnach lediglich einen Hinweis zu sehen, dass der Zugang untersagt sei. Der Tunnel müsse deaktiviert werden.
Parallel zu dieser jüngsten Verschärfung der Internetsperren hat die prominente Bloggerin Viktorija Bonja mit Kritik daran Gehör im Kreml gefunden. „Tatsächlich hat sie sehr viele Aufrufe und die Aufmerksamkeit des Publikums in den sozialen Netzwerken auf sich gezogen. Das ist wirklich so“, zitiert die dpa den Kremlsprecher Dmitri Peskow. Sie hätten das Video im Kreml selbst gesehen: „Darin werden viele Themen angesprochen, an denen [...] tatsächlich gearbeitet wird.“ Bonja, der auf Instagram rund 13 Millionen Accounts folgen, kritisiert nicht nur die Beschränkungen des Internets, sondern beklagt zudem, dass Menschen in Notlagen allein gelassen würden. Dabei verweist sie auf die Flutkatastrophe in der russischen Teilrepublik Dagestan. Sie selbst lebt nicht in Russland.
Niemand traue sich, Putin über die wahre Lage zu informieren, meint Bonja, die durch eine Reality-Show im Fernsehen bekannt geworden ist: „Wladimir Wladimirowitsch, man hat Angst vor Ihnen“, betont sie in ihrer Videobotschaft, die mehr als eine Million Likes bei Instagram und viele zustimmende Kommentare erhielt. „Das Volk hat Angst vor Ihnen. Blogger, Künstler haben Angst, Gouverneure haben Angst vor Ihnen. Und Sie sind der Präsident unseres Landes. Mir scheint, wir sollten keine Angst haben“, sagt sie. Sie selbst nennt das aber nicht Kritik, sondern möchte klar als Unterstützerin Putins verstanden werden. Peskow erklärte, dass die Internetsperren der Sicherheit in Russland dienten. Eine Normalisierung könne es erst nach dem Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine geben.
(mho)










English (US) ·