Russland auf der Biennale: „Dann werden wir wissen, wer gewonnen hat: Wladimir Putin“

vor 22 Stunden 3

Während Iran nun doch nicht an der Venedig-Biennale teilnehmen wird, hat Russland sich dort eingerichtet. Kurz vor Beginn der internationalen Kunstausstellung meldete sich das Moskauer Künstlerteam mit einem Video, das in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde, aus dem russischen Pavillon zu Wort. „Ich danke der Biennale dafür, dass sie die Idee unterstützt hat, dass alle Nationen hier vertreten sein können“, sagt darin die Kuratorin Anastasia Karneeva. Auch „unseren italienischen Freunden“ sei man überaus dankbar.

Hinsichtlich der Kontroverse um die Präsenz Russlands sagte der Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco am Montag in Venedig: „Wir sind hier in eine lebendige soziale Realität eingetaucht, und wir sind hier, um uns von Kunst zu nähren, denn die Kunst hat eine noch größere Kraft als jede Übermacht.“

Kulturminister Giuli kritisiert die Präsenz Russlands scharf

Am Wochenende hatte Italiens Kulturminister Alessandro Giuli ihn in einem Interview in der Zeitung „La Repubblica“ scharf kritisiert: „Pietrangelo ist ein falscher Bruder, aber ein falscher Bruder bleibt ein Bruder. Er war Opfer einer versöhnlichen Phantasie, er wollte die UNO der Kunst, am Ende gab er sich der Illusion hin, Außenpolitik betreiben zu können. Doch diese obliegt der Regierung und dem Parlament. “ Buttafuoco sei „der untröstliche Ausdruck eines isolationistischen und bourbonischen Ancien Régime, das die Einheit Italiens nicht anerkennt“, so Giuli.

Bezüglich der Entscheidung, anstelle von Löwen Publikumspreise zu vergeben, sagte er: „Ich lehne das Schema von Gewinnern und Verlierern ab. Wenn jedoch Tausende von tschetschenischen Besuchern, die von Ramsan Kadyrow geschickt wurden, für den russischen Pavillon stimmen, werden wir wissen, wer gewonnen hat: Wladimir Putin.“

Der Kulturminister hatte am 29. und 30. April Inspektoren in die Biennale-Stiftung entsandt, um die Umstände der Wiedereröffnung des russischen Pavillons zu untersuchen. In dem Protokoll, das von der Zeitung „Corriere della Sera“ eingesehen wurde, stellt die Stiftung klar, dass „die Russische Föderation nicht offiziell eingeladen wurde“. Beschrieben werden auch die Umstände, die zum Rücktritt der Jury führten. Sie hatte beabsichtigt, Länder von der Preisvergabe auszuschließen, deren Staatschefs derzeit vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind.

Die Anwälte des Künstlers Belu-Simion Fainaru, der Israel auf der 61. Biennale vertritt, hatten der Jury deshalb eine Abmahnung wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten geschickt. Gegenüber den Inspektoren erklärte die Stiftung, sie habe die Jury „nicht nur über die mediale Reichweite zum Nachteil der Biennale, sondern auch über ihr persönliches Risiko, Schadenersatzansprüchen ausgesetzt zu sein, informiert, und zwar nicht nur seitens des Klägers, sondern auch seitens der Stiftung.“ Am selben Nachmittag trat die Jury zurück.

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