Robert Koch-Institut (RKI): Viele Deutsche sind zugänglich für Impfmythen

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Es ist eine Erhebung mit zwiespältigem Ergebnis: Einerseits vertraut die Mehrheit der Bundesbürger den Entscheidungen und Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zu Impfungen. Gleichzeitig ist aber ein beträchtlicher Teil der Menschen auch für längst widerlegte Impfmythen zugänglich– etwa zum Zusammenhang zwischen Impfungen und der Entstehung von Autismus. Das geht aus einer Onlinebefragung im sogenannten Impress-Projekt  des Robert Koch-Instituts (RKI) von mehr als 5000 Erwachsenen hervor.

Demnach halten rund 80 Prozent der Befragten Impfungen für eine sinnvolle Maßnahme zur Krankheitsvorbeugung. Nur gut 7,3 Prozent gaben an, Impfungen seien für sie selbst völlig oder eher überflüssig.

Mehr als 60 Prozent der Befragten glauben, dass Behörden nur sichere und wirksame Impfstoffe zulassen. Und grob zwei Drittel der Menschen lassen sich impfen, um auch andere Menschen zu schützen. Gleichzeitig ist eine deutliche Mehrheit gegen eine Stigmatisierung von ungeimpften Menschen. Nur 20 Prozent der Befragten halten einen Ausschluss dieser Gruppe von öffentlichen Veranstaltungen für vertretbar. Generell sind Onlinebefragungen weniger repräsentativ, weil nur Menschen mit Internetzugang teilnehmen können. Zudem können die Ergebnisse verzerrt werden, wenn tendenziell mehr Menschen teilnehmen, die sich für das entsprechende Thema interessieren.

Neben Vertrauen gibt es auch Misstrauen

Die Befragung zeigt auch ein gewisses Misstrauen in die Behörden: Knapp 20 Prozent glauben, dass Gesundheitsbehörden dem Einfluss der Pharmakonzerne folgen, ein weiteres Drittel stimmt dieser Aussage immerhin teilweise zu. Knapp acht Prozent glauben völlig oder eher, Impfungen seien schlimmer als die Krankheiten, vor denen sie schützen. Weitere 20 Prozent stimmen dem teilweise zu.

Auffällig viele Menschen sind der Befragung zufolge zugänglich für Impfmythen: So sind etwa fünf von zehn Personen unsicher, ob Impfungen Allergien fördern oder Autismus auslösen. Diese Fehleinschätzung könne das Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen beeinträchtigen, betonen die Autoren.

»Erste Auffälligkeiten, die auf Autismus hinweisen, zeigen sich meist bereits vor dem dritten Lebensjahr – also genau in der Zeit, in der Kinder viele Impfungen erhalten«, erläutert das RKI. »Diese zeitliche Nähe kann den Eindruck erwecken, die Impfung habe die Erkrankung ausgelöst. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch eindeutig, dass dies ein Trugschluss ist.« Autismus trete bei geimpften und ungeimpften Kindern gleich häufig auf. »Als Hauptursache gelten genetische Faktoren.« Wissenschaftliche Studien konnten laut RKI auch keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien nachweisen.

Und etwa die Hälfte der Befragten ist zumindest unsicher, ob Kinder nicht zu früh zu viele Impfungen erhalten. »Viele Impfungen erfolgen in den ersten Lebensjahren – das kann den Eindruck erwecken, es werde ›zu viel, zu früh‹ geimpft«, schreibt das RKI dazu. »Der frühe Zeitpunkt ist jedoch medizinisch begründet: Säuglinge und Kleinkinder haben bei einigen Infektionen das höchste Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen.« Es werde so viel wie nötig zum besten Zeitpunkt geimpft.

Die tatsächliche Impfbereitschaft hängt jedoch stark von der jeweiligen Erkrankung ab: So gaben sechs von zehn Personen, für die die Impfempfehlung gilt, an, die Grippeimpfung in der vorherigen Saison bekommen zu haben. Bei Covid dagegen war es sogar nur eine von zehn. Die Grippeimpfung und die Covid-19-Impfung würden laut RKI nicht gut angenommen, obwohl die Erkrankungen jährlich für eine hohe Krankheitslast in der Bevölkerung sorgten.

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