Pressestimmen zu Friedrich Merz: "Deutschland entdeckt die Machtpolitik für sich"

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Die Rede von Friedrich Merz bei der Münchener Sicherheitskonferenz ist international beachtet worden. Viele Medien loben die klaren Worte des Bundeskanzlers.

14. Februar 2026, 1:53 Uhr

 Alle Augen blicken auf Friedrich Merz, als dieser mit seiner Rede die Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet.
Alle Augen blicken auf Friedrich Merz, als dieser mit seiner Rede die Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet. © Michael Probst/​AP/​dpa

Die Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Münchner Sicherheitskonferenz ist international beachtet worden. Die New York Times schreibt, Merz bemühe sich normalerweise sehr um eine gute Beziehung zu US-Präsident Donald Trump und widerspreche ihm nur selten. Aber nun habe Merz deutlich gesagt, dass Trumps Politik die deutschen und europäischen Werte verletze, von denen man bisher geglaubt habe, dass man sie mit den USA teile. 

Merz' Rede sei "keine Lobeshymne auf die alte Weltordnung", schreibt die New York Times. Vielmehr sei sie eine doppelte Kritik: "an den USA, weil sie mit den gemeinsamen transatlantischen Werten gebrochen haben, und an Europa, weil es nicht genug unternimmt, um die eigene Sicherheit zu verteidigen und die Wirtschaft unabhängig von Amerika zu fördern." Merz' Rede sei eine "direkte, wenn auch verspätete Antwort" auf die Rede von US-Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr gewesen, in der dieser überraschend heftige Kritik an Europa geübt hatte. 

Der US-Fernsehsender CNN ordnet die Rede so ein: "Merz' Rede auf der süddeutschen Konferenz [...] verdeutlichte die wachsende Distanz zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. [...] Und er kritisierte offen die Politik der Regierung von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Zölle, Klimawandel und Kulturkriege – Äußerungen, die in Washington für Unmut sorgen könnten." 

Das Portal Politico bezeichnete Merz' Rede als  "bislang schonungsloseste Einschätzung" aus Berlin über eine Welt, die zunehmend durch die Rivalität von Weltmächten bestimmt werde.

"Merz strahlt eine große Portion Selbstbewusstsein aus"

Auch in Frankreich wurde die Rede wahrgenommen, so schreibt die französische Zeitung L'opinion, Merz strecke "Washington die Hand aus, um die transatlantischen Beziehungen zu reparieren und wiederzubeleben. Dabei stellte er jedoch auch seine Bedingungen und strahlte eine große Portion Selbstbewusstsein aus". Merz habe ganz klar formuliert, dass eine Annäherung an die USA unter Donald Trump nicht auf Kosten der Grundwerte gehen dürfe, die jenseits des Atlantiks mittlerweile bedroht seien, wie die Rechtsstaatlichkeit und Freiheitsrechte.

Der britische Sender Sky News bezeichnet die Rede als "Versuch, den Ton für die Sicherheitskonferenz in diesem Jahr zu setzen – im starken Kontrast zum vergangenen Jahr, die eher vom US-Vizepräsidenten überschattet wurde". Es sei eine "sehr starke Botschaft" gewesen, die Merz auch auf Englisch gegenüber den Amerikanern im Publikum vorgetragen habe.

"Direkte Diagnose" der neuen Weltordnung

Die spanische Zeitung El Mundo schreibt, Merz habe nicht in abstrakten oder diplomatischen Begriffen gesprochen, sondern eine "direkte Diagnose" über das Ende der bisherigen Weltordnung nach 1945 getroffen. Merz' Rede sei "keine Warnung vor der Zukunft, sondern eine Feststellung zur Gegenwart" gewesen. Der Bundeskanzler habe betont, dass Deutschland keine Hegemonie anstrebe, sondern eine Führungsrolle in Europa. Das spiegele das Bestreben der Bundesregierung wider, "ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen größerer strategischer Verantwortung und zugleich der Vermeidung jeglicher Wahrnehmung von Dominanz". 

Die Neue Zürcher Zeitung bilanziert: "Deutsche Kanzler hielten sich an der Sicherheitskonferenz in München gerne zurück. Die Eröffnungsrede überließen sie lieber Gästen aus dem Ausland." Doch mit diesem Zögern solle nun Schluss sein. Am Freitag habe der deutsche Kanzler Friedrich Merz die Konferenz auf eigenen Wunsch hin eröffnet. "So viel Forschheit hatte ihren Grund. Merz wollte die größtmögliche internationale Bühne nutzen, um einen Kurswechsel zu verkünden: Deutschland entdeckt die Machtpolitik für sich."

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