In Kolumbien geht die entscheidende Runde der Präsidentenwahl äußerst knapp zu Ende. Der rechte Kandidat de la Espriella liegt kurz vor Ende der Auszählung knapp vorn.
Quelle: DIE ZEIT, AFP, Reuters, ut Aktualisiert am 22. Juni 2026, 1:52 Uhr
Der rechte Hardliner Abelardo de la Espriella steht bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien vor einem Sieg. Der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Politikneuling kommt nach der Auszählung von fast 95 Prozent der Stimmen auf knapp 50 Prozent, wie die Wahlbehörde mitteilte. Sein linker Rivale Iván Cepeda lag rund 368.000 Stimmen zurück. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, de la Espriella komme auf 49,7 Prozent, Cepeda auf 48,7 Prozent.
Damit vollzieht das von Gewalt geplagte südamerikanische Land einen Rechtsruck. Der linke Amtsinhaber Gustavo Petro konnte nicht erneut antreten. Rund 400.000 Wählerinnen und Wähler sollen leere Stimmzettel abgegeben haben – das wird für gewöhnlich als Protestwahl gewertet.
Der 47-jährige Anwalt de la Espriella will bewaffnete Gruppen mit militärischer Gewalt bekämpfen und setzt in der Wirtschaftspolitik auf Deregulierungen. Zudem will er den Öl- und Gassektor fördern, Steuern senken und den Staatsapparat verkleinern.
Der Rechtsaußenkandidat, der sich selbst »Der Tiger« nennt, will ins Drogengeschäft verwickelte Guerillagruppen auch mit Luftangriffen bekämpfen. Er kündigte den Bau von Großgefängnissen an sowie ein Ende der Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte de la Espriella vor der Wahl, er werde das Militär eine 90-tägige Offensive mit Bombardierungen und Ausräucherung von Koka-Plantagen führen lassen. Dafür wolle er sich die Unterstützung der USA und Israels holen. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt.
Wahlkampf war geprägt von Gewalt
De la Espriella, der auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, war in der ersten Wahlrunde vor drei Wochen mit 44 Prozent überraschend auf dem ersten Platz gelandet. Der linke Senator Cepeda kam auf 41 Prozent der Stimmen. Der künftige Präsident muss eine hohe Staatsverschuldung bewältigen und trifft auf einen gespaltenen Kongress, der Reformvorhaben blockieren könnte.
Zehn Jahre nach dem historischen Friedensschluss zwischen der Regierung und der vormals mächtigen Guerillaorganisation Farc sind in Kolumbien weiterhin viele bewaffnete Gruppen aktiv. Das Spektrum reicht von Abspaltungen der früheren Farc über rechte paramilitärische Gruppierungen bis hin zu Drogenbanden.
Petro hatte sich in seiner auslaufenden vierjährigen Amtszeit durch Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen um eine weitere Befriedung des seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten leidenden Landes bemüht. Doch gelang ihm kein größeres weiteres Friedensabkommen. Stattdessen wurde auch der Wahlkampf von heftiger Gewalt überschattet: Es gab mehrere Anschläge mit Autobomben und Drohnen. Im Juni 2025 war der rechtsgerichtete Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe ermordet worden.

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