News: Deutschland auf dem Sprung in die K.o.-Runde, Unberechenbare Linke, Einladung ins Kanzleramt

vor 16 Stunden 2

Die Lage am Morgen Kann Jesus beim Sprung in die K.o.-Runde helfen?

Heute geht es um die Frage, ob Gebete der deutschen Nationalmannschaft im zweiten WM-Spiel helfen können, um kontroverse Debatten auf dem Linken-Parteitag und um einen Blick hinter die Kulissen der Macht in Berlin.

20.06.2026, 06.42 Uhr

Ach Gottchen, die K.o.-Runde winkt

Die deutsche Nationalmannschaft kann heute in Toronto schaffen, was sie seit zwölf Jahren nicht mehr geschafft hat. Sie kann in die K.o.-Phase einer Fußball-Weltmeisterschaft einziehen. Verrückt, oder?

 »Jesus wird verherrlicht«

Felix Nmecha beim Torjubel gegen Curaçao: »Jesus wird verherrlicht«

Foto: Maria Lysaker / IMAGN IMAGES / Reuters

Um 22 Uhr unserer Zeit spielt Deutschland gegen das Team der Elfenbeinküste. Ein Sieg, und das Sechzehntelfinale ist nach zwei Spielen sicher. Zugegeben, es führen auch andere Wege dorthin, aber diese Rechnungen (die 31 besten Gruppendritten oder so …) erspare ich Ihnen.

So einfach wie beim 7:1 gegen Curaçao  wird es allerdings nicht: Der heutige Gegner ist ein anderes Kaliber. Können vielleicht höhere Kräfte ein wenig helfen?

Wir haben schließlich Felix Nmecha im Team. Der sieht im Fußball eine Lobpreisung des Herrn. Bei der Ankunft zum Auftaktmatch hatte der Mittelfeldspieler eine Bibel unterm Arm, sein Tor bejubelte er mit einer religiösen Geste. Nach Abpfiff lud er Mitspieler und Gegner auf dem Feld zum Gebetskreis. Das Ergebnis sei schön für ihn und das Team, ließ er uns wissen (mehr hier ). »Aber im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel.«

Ich halte Felix Nmecha für einen tollen Fußballer, kann ihm da aber nicht folgen. Und ich finde auch seine früheren Social-Media-Posts zum Pride-Monat oder zum Tod des MAGA-Aktivisten Charlie Kirk mindestens fragwürdig.

Vielleicht halten wir es doch lieber mit einem früheren, sehr irdischen Fußballgott: Geht’s raus und spielt’s Fußball. Und wer vorher, mittendrin und anschließend beten möchte, kann das auch gerne tun.

Stark, aber unberechenbar

Die Linke geht in Potsdam in den zweiten Tag ihres Bundestreffens. Eigentlich könnte die Partei ihren Höhenflug genießen. Seit der überraschenden Wiederauferstehung bei der Bundestagswahl liegt man in den Umfragen stabil zweistellig.

Doch die Linke wäre nicht die Linke, wenn sie sich das Leben nicht immerzu selbst schwer machen würde. Die Partei hat ihre Mitgliederzahl binnen kurzer Zeit nahezu verdoppelt – das schlägt sich nun auch auf die Zusammensetzung des Parteitages nieder. Etliche Delegierte sind neu dabei; ihr Abstimmungsverhalten ist unberechenbar.

Schon der Auftaktabend gestern war entsprechend aufwühlend, die leidige Nahost-Debatte spaltet die Partei. Am Ende rang man sich eine Erklärung ab, die das in dieser Frage gemäßigte Lager und radikale Israel-Kritiker gleichermaßen zu umarmen versucht. Darin wird Israels Vorgehen im Gazakrieg erstmals offiziell als »Völkermord« bezeichnet. Ein radikalerer Antrag fand keine Mehrheit.

Eine Fortsetzung der Kontroverse ist garantiert, womöglich schon heute, wenn die Vorstandswahlen anstehen. Dabei streben auch Kandidaten in den Führungskreis, die zuletzt mit antiamerikanischen oder antisemitischen Aussagen aufgefallen sind. An der Parteispitze wird nach Jan van Akens Rückzug (mehr dazu hier) ein neuer Mann fürs Duo mit Ines Schwerdtner gesucht. Luigi Pantisano, 46-jähriger Bundestagsabgeordneter, will den Job. Auch hier ist ungewiss, wie stark der Rückhalt sein wird. Dazu stehen bis Sonntag weitere konfliktbeladene Diskussionen auf der Tagesordnung, etwa zum Diätendeckel (mehr dazu hier ) oder zu künftigen Regierungsbeteiligungen.

»Der Ausgang des Parteitags wird auch einen Hinweis darauf liefern, ob die Linke nur die Wut der Menschen verstärken will und wohin sie diese Wut lenken will«, sagen meine Kollegin Anna Reimann und mein Kollege Marc Röhlig, die den Parteitag für uns beobachten. »Ob sie anschlussfähig bleibt, ob sie wirklich ihre Wählerschaft verbreitern kann und auch wieder die kleinen Leute erreicht, wird sich bei den kommenden Landtagswahlen zeigen.«

Vor den Reformen kommen die Bürger

»Das Programm ist breit gefächert und bietet etwas für jede Altersgruppe«, verspricht die Bundesregierung. Ja, ist denn etwa der Sommer der Reformen  gekommen?

 Hinter den Kulissen der Macht

Besucher bei einem früheren Tag der offenen Tür im Garten des Kanzleramts: Hinter den Kulissen der Macht

Foto: Paul Zinken/ dpa

Gemach, Gemach, der Kanzler und sein Kabinett laden nur zum Tag der offenen Tür. An diesem Wochenende können die Bürgerinnen und Bürger in Berlin mal wieder hinter die Kulissen der Macht blicken und »sich aus erster Hand über die Regierungsarbeit« informieren, wie Friedrich Merz in seinem Grußwort verspricht. Vielleicht hilft es ja, die Popularität im Wahlvolk ein wenig zu steigern.

Der Kanzler tritt am Sonntagnachmittag in seiner Regierungszentrale auf. Eine halbe Stunde nimmt sich der CDU-Politiker laut offiziellem Programm für die Besucher Zeit. Viele andere Ministerinnen und Minister stellen sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürger in ihren Häusern oder der Bundespressekonferenz. Mit dabei sind etwa SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas, CDU-Digitalminister Karsten Wildberger oder CSU-Forschungsministerin Dorothee Bär.

Wer selbst einmal in die Rolle einer Ministerin oder eines Ministers schlüpfen will, kann im Kanzleramt eine Kabinettssitzung nachspielen. Im Raumfahrtministerium gibt es eine virtuelle Mission ins All zu erleben, das Auswärtige Amt weiht Gäste in die Geheimnisse der Diplomatie ein, und der Zoll versteigert beschlagnahmte Waren.

Am Sonntagabend schließen sich die Türen der Regierung dann wieder. Dann soll wirklich der Sommer der Reformen beginnen, breit gefächert und für alle Altersgruppen. Echt jetzt.

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Verlierer des Tages…

… ist Florencia Peña. Die Moderatorin verkündete im argentinischen Streamingdienst Luzu TV, dass der Vater von Superstar Lionel Messi verstorben sei. Die vermeintliche News diente als Erklärung dafür, dass Messi nach dem 3:0-Auftaktsieg gegen Algerien mit Tränen in den Augen von persönlich »schwierigen Tagen« gesprochen hatte.

 »Schwierige Tage«

Lionel Messi beim Auftaktspiel gegen Algerien: »Schwierige Tage«

Foto: Christian Brunskill / UPI Photo / IMAGO

Tatsächlich geht es Messis Vater Jorge offenbar gesundheitlich gerade nicht gut. Aber er lebt und macht laut Familie »unter den gegebenen Umständen gute Fortschritte«. Florencia Peña musste voller Scham um Entschuldigung bitten. Ihren Job ist sie los.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Heute bei SPIEGEL Extra: So stoppen Sie Abzocke bei der Währungsumrechnung im Urlaub

Foto: Tessy Morelli / Stocksy

Ein unachtsamer Klick reicht: Mit der Sofortumrechnung in Euro verlieren Reisende oft viel Geld. Mit welchen Tricks Automatenbetreiber und Händler Sie übers Ohr hauen – und worauf Sie achten sollten .

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende.

Herzlich,

Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

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