Bei manchen Menschen mit starker Adipositas zeigen sich anhaltende genetische Veränderungen im Fettgewebe. Auch nach Magenverkleinerungen nehmen diese Menschen wieder zu. Forscher entdeckten nun eine Ursache im Stoffwechsel.
Prädiabetes könnte einen dauerhaften molekularen „Fingerabdruck“ im Fettgewebe hinterlassen, der es schwerer macht, den Gewichtsverlust nach einer bariatrischen Operation langfristig aufrechtzuerhalten. Das zeigt eine neue Studie, die auf dem diesjährigen Europäischen Kongress für Adipositas in Istanbul, vom 12. bis 15. Mai, vorgestellt wird.
Eine bariatrische Operation ist ein chirurgischer Eingriff, der dabei hilft, dauerhaft Gewicht zu verlieren. Dabei werden der Magen oder der Verdauungstrakt derart verändert, dass man entweder weniger essen kann oder der Körper weniger Kalorien aufnimmt. Häufig wird dies durch Verkleinerungen des Magens oder Mageneingangs erreicht. Die Operation kann bei Menschen genutzt werden, die stark übergewichtig sind und mit Diäten oder Sport allein keine ausreichenden Erfolge aufweisen.
Die neue Studie könnte jetzt zu einer Erklärung beitragen, weshalb manche Patienten nach einem solchen Eingriff trotz anfänglicher Erfolge stärker zu einer erneuten Gewichtszunahme neigen. Der Grund könnte in dauerhaften Veränderungen im Stoffwechsel des Fettgewebes liegen.
„Wir stellten fest, dass das Fettgewebe von Frauen mit schwerer Adipositas und Prädiabetes seine normale Funktion nach dem Gewichtsverlust nicht vollständig wiederherstellt“, sagte Autorin Camila Milad vom Hospital Clínic de Barcelona. „Es könnte daher Schwierigkeiten haben, Fette effizient zu verarbeiten, was die langfristigen Vorteile der bariatrischen Chirurgie beeinträchtigen kann.“
Bariatrische Operationen führen bei Menschen mit schwerer Adipositas zu einem deutlichen Gewichtsverlust und einer metabolischen Verbesserung – in vielen Fällen auch zur Rückbildung eines Prädiabetes. Das ist ein Zustand, bei dem der Blutzuckerspiegel von Betroffenen bereits dauerhaft erhöht ist, aber noch kein voller Typ-2-Diabetes vorliegt.
Die Langzeitergebnisse sind jedoch unterschiedlich: Ein erheblicher Teil der Patienten erlebt eine erneute Gewichtszunahme oder einen Rückfall des Stoffwechsels in alte Muster. Eine mögliche Ursache dafür wäre, dass ein Prädiabetes dauerhafte molekulare Veränderungen im Fettgewebe bewirkt, die das langfristige Ergebnis der Operation beeinträchtigen. Bislang wurde dieser Ansatz jedoch kaum erforscht.
Gewichtszunahme nach Magenverkleinerung
Um der Frage nachzugehen, untersuchten spanische Forscher, ob Prädiabetes mit anhaltenden Veränderungen der Genexpression im Fettgewebe nach bariatrischer Chirurgie verbunden ist und ob diese Veränderungen mit dem weiteren Gewichtsverlauf zusammenhängen. An der Studie nahmen 78 Frauen mit schwerer Adipositas teil. Diese waren zwischen 20 und 65 Jahre alt und hatten einen stark erhöhten BMI von 39 bis 49.
Die Teilnehmerinnen wurden anhand ihrer Nüchternblutzuckerwerte und Blutproben in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe von 43 Frauen hatte eine normale Glukosetoleranz, 34 Frauen hatten einen Prädiabetes.
Die Forscher analysierten die Genexpression in Fettgewebeproben aus der Haut, die zum Zeitpunkt der Operation und ein Jahr danach entnommen wurden – jeweils bei einer repräsentativen Untergruppe von elf Frauen aus jeder Gruppe.
Zusätzlich wurden Körpergröße, Gewicht und Body-Mass-Index sowie Nüchternglukose, Insulinreaktionen und Blutfettwerte, einschließlich Cholesterin und Triglyzeride, erfasst. Der Leberfettgehalt wurde per Ultraschall beurteilt und ein Mahlzeitentest untersuchte die Stoffwechselreaktion auf Nahrungsaufnahme. Im Anschluss an die Studie beobachteten die Forscher den Gewichtsverlauf der Teilnehmerinnen über bis zu drei Jahre.
Vor der Operation zeigten Frauen mit Prädiabetes höhere Blutzucker- und Insulinwerte während des Mahlzeitentests im Vergleich zu Frauen mit normaler Glukosetoleranz. Zudem hatten sie mehr als 50 Prozent häufiger eine Fettleber sowie ein ungünstigeres Blutfettprofil mit erhöhten Cholesterin- und Triglyzeridwerten.
Diese Marker werden meist genutzt, um ein metabolisches Syndrom, auch tödliches Quartett genannt, zu bestimmen. Damit einher gehen deutlich erhöhte Risiken für Herz, Kreislauf, Diabetes und Krebserkrankungen.
Ein epigenetisches Gedächtnis des Prädiabetes
Ein Jahr nach der Operation hatten sich die Blutzucker- und Stoffwechselwerte in beiden Gruppen deutlich verbessert und unterschieden sich nicht mehr zwischen den Gruppen. Die kurzfristigen Gewichtsverluste waren vergleichbar. Lediglich die Cholesterinwerte blieben in der Prädiabetes-Gruppe geringfügig erhöht.
Trotz dieser klinischen Verbesserungen zeigte die Genaktivität im Fettgewebe ein Jahr nach der Operation weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei Frauen mit Prädiabetes blieben Gene des Lipidstoffwechsels weniger aktiv, was auf eine anhaltende Beeinträchtigung der Fettverarbeitung im Fettgewebe hinweist.
Diese gedämpfte Stoffwechselaktivität samt leicht erhöhter Cholesterinwerte ging mit einer stärkeren Gewichtszunahme über drei Jahre einher: Frauen mit Prädiabetes nahmen zwischen dem ersten und dritten Jahr durchschnittlich fünf bis sechs Kilogramm wieder zu.
In der Kontrollgruppe mit normaler Glukosetoleranz fiel die Gewichtszunahme mit durchschnittlich ein bis zwei Kilogramm minimal aus. Diese Frauen zeigten eine Aktivierung von Genen des Lipid- und Cholesterinstoffwechsels, was darauf hindeutet, dass ihr Fettgewebe nach dem Gewichtsverlust besser in der Lage war, Fette zu verarbeiten.
„Unsere Studie zeigt, dass Prädiabetes mit dauerhaften Veränderungen im Fettgewebe verbunden ist, die durch eine bariatrische Operation nicht vollständig rückgängig gemacht werden“, sagte Leitautorin Dr. Ana de Hollanda vom Hospital Clínic de Barcelona. Diese Störungen im Lipidstoffwechsel könnten die Anpassungsfähigkeit des Fettgewebes nach einem Gewichtsverlust verringern und so möglicherweise zur Gewichtszunahme beitragen.
Wichtig sei dabei: „Diese Veränderungen müssen nicht dauerhaft sein und könnten durch gezielte Maßnahmen – etwa Ernährungsumstellungen, medikamentöse Behandlungen oder Lebensstilinterventionen – beeinflusst werden.“

vor 8 Stunden
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