Vier Tage nach tödlichen Schüssen auf einen russischen Künstler und Regierungskritiker in Polen hat die polnische Polizei nach eigener Einschätzung den Täter gefasst. Es werde noch ermittelt, ob jemand dem Verdächtigen bei der Planung der Tat oder bei der Flucht geholfen habe, sagte der Polizeisprecher des polnischen Verwaltungsbezirks Lublin, Andrzej Fijolek, der staatlichen polnischen Nachrichtenagentur PAP zufolge. „Doch derzeit deutet alles darauf hin, dass der Mann eher allein gehandelt hat, um diesen Anschlag zu verüben.“
Am Montag war in der ostpolnischen Kleinstadt Biala Podlaska der russische Aktionskünstler und Karikaturist mit dem Pseudonym Semjon Skrepezki auf der Straße mit fünf Schüssen getötet worden. Ministerpräsident Donald Tusk sprach schon am Mittwoch davon, dass vieles auf einen politischen Mord hindeute, man müsse aber noch auf weitere Beweise warten. Sollte Russland seine Hand im Spiel haben, wäre dies ein Fall von Staatsterrorismus, sagte er. Der Fall hat in Polen für großes Aufsehen gesorgt, weil er zeigt, dass die Gefahr durch russische Aggression in dem Frontstaat von EU und Nato wächst.
Der mutmaßliche Todesschütze wurde nach Behördenangaben von Polizei und Anti-Terrorkräften in einem Hostel in der Stadt Piastow bei Warschau gefasst. Der Festgenommene habe eine kriminelle Vergangenheit, sagte der polnische Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak der Nachrichtenagentur PAP zufolge. Der Verdacht auf eine Beteiligung ausländischer Geheimdienste und Staaten werde intensiv geprüft. Es sei eine bekannte Vorgehensweise fremder Dienste, Kriminelle für verschiedene Aktionen anzuheuern, sagte er.
Die genaue Identität des Mannes ist offenbar noch nicht geklärt. „Der Festgenommene benutzte einen Pass, der auf einen 36-jährigen Bürger Georgiens ausgestellt ist“, teilte die Polizei von Lublin mit. „Wir überprüfen die Identität derzeit noch, aber höchstwahrscheinlich handelt es sich tatsächlich um einen georgischen Staatsbürger“, sagte Fijolek später. Der Radiosender RMF berichtete, es gebe Hinweise auf einen gefälschten Pass. Es könnte sich bei dem Mann auch um einen Tschetschenen handeln.
Künstler und Kreml-Kritiker Skrepezki spottete über Putin und Kadyrow
Skrepezki, 44, war bekannt für Karikaturen von Kremlchef Wladimir Putin, Sowjetdiktator Josef Stalin und anderen Mächtigen. Er hatte noch vergangene Woche in Berlin vor der Botschaft Russlands gegen den Krieg in der Ukraine protestiert. Auch der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow war Zielscheibe von Skrepezkis Spott. Bei Kadyrow gibt es starke Hinweise, dass er Gegner nicht nur in Russland, sondern auch im Ausland verfolgen lässt.
Vor der Festnahme in Piastow waren zwei Männer aus Belarus wegen der Tat vorübergehend festgenommen worden. Sie wurden aber wieder freigelassen, weil es keine Beweise für eine Beteiligung gab.











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