Professor Siroos Mirzaei, 62, Nuklearmediziner in Wien. Experte für Folterdiagnostik
Mein letzter Patient im Iran, dem ich von Wien aus helfen konnte, hatte eine gebrochene Nase und ausgeschlagene Zähne. Ich habe ihn an einen befreundeten HNO-Arzt im Iran vermittelt, doch jetzt ist der Internet-Kontakt zu beiden abgebrochen. Ich sorge mich um den Patienten, der von Schergen des Regimes verletzt wurde, aber auch um den Kollegen, der sein Leben riskiert, indem er Oppositionellen hilft.
Ich selber bin als Arzt seit Jahren mit weit schlimmeren Fällen aus dem Iran konfrontiert, habe Hunderte Folterverletzungen dokumentiert und daran mitgewirkt, dass die Revolutionsgarden endlich als Terrororganisation eingestuft wurden. Seit fünfzehn Jahren engagiere ich mich in Ärztegruppen gegen die Mullahs. Doch die Gewalt, die wir seit Anfang Januar gegen Oppositionelle erleben mussten, hat auch mich entsetzt. Revolutionsgarden schossen wahllos in die Menge der Demonstranten, aber zielten auch in die Gesichter, sogar bei Kindern – und bei Frauen in den Genitalbereich. Es gab Tausende Schrotkugelverletzungen. Auf Röntgenbildern konnte ich sehen, dass manche Patienten 50 bis 80 Kugeln in sich hatten.

vor 1 Stunde
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