Pashanims „Lounge MusiK“: Wo ist die Beiläufigkeit, wo ist die Melancholie?

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Kalendarisch fiel der Sommeranfang dieses Jahr auf den 21. Juni, meteorologisch wie immer auf den ersten. Musikalisch aber, da sind sich viele einig, fängt der Sommer erst am 24. Juli an: dem Erscheinungstermin von Pashanims neuen Album „Lounge Musik“.

Es heißt oft, Pashanim rappe immer über das Gleiche: Kreuzberg, Alltag, Marken, Nostalgie. Aber da er das auf eine so eigene Art macht, stört es niemanden. Im vergangenen Jahr war er nach Taylor Swift der meistgestreamte Künstler in Deutschland. Schnell erreichte er auch den Status „Lieblingskünstler des Lieblingskünstlers“. Was Pashanim 2019 mit „Shababs botten“ und 2020 mit „Airwaves“ im Rap auslöste, war nicht unbedeutend für die Berliner New Wave und ihren Klang im Deutschrap.

Seine Muse: Sein Viertel

Aber das ist sechs Jahre her. Erst vor zwei Jahren veröffentlichte der Berliner Rapper sein erstes Album „2000“. Jetzt hat er seine Inspiration im Sound und der visuellen Gestaltung des Zehnerjahre-Hip-Hops gefunden. Eine Gewichtsverlagerung ist zu spüren. Pashanims Muse bleibt der Alltag in seinem Viertel, wobei auch der sich leicht verändert zu haben scheint, aber er tastet nach anderen Formen, um ihn künstlerisch zu verarbeiten.

„Goldrichtig“, die erste Single, die vorab veröffentlicht wurde, tauchte Pashanims Welt in oranges Licht, das an alte R&B-Videos erinnert, das Video wird mit Seitenblick auf James Bond und „Casino Royale“ von Daniel Craigs Synchronsprecher anmoderiert. „Gucci Tom Ford“ sampelt „Show Me Love“ in Anlehnung an die Hits um 2010, die das Gleiche taten.

Nach dem Hype um die Digicam hieß es im März in der „New York Times“, der iPod käme zurück, und auch vor der Rückkehr der Skinny Jeans ist keiner sicher. Warum dem 2010-Comeback also nicht schon jetzt vorgreifen? Die Strategie zeichnet sich auch bei der Rapperin Zahide ab, wenn man sich deren Song „Sweet 16“ anhört. Und wieder ist Pashanim ganz vorne mit dabei, mit der richtigen Prise Ironie (oder Postironie). Musikalisch aber weiß man nicht recht, was er damit will.

DSGVO Platzhalter

Pashanim denkt, arbeitet, schafft collagenartig. Seine Songs sind für ihre extreme Kürze bekannt, auch das hat viele Nachahmer gefunden. Die Videos und seine Vorliebe für versteckte Botschaften funktionieren nach einer Schnipsellogik. In seinen Texten werden Airwaves-Kaugummis genauso zu Statussymbolen wie Schuhe von Prada. Das setzt sich auf dem neuen Album fort. „Kalter Krieg“ startet mit einem Sample von Janelle Monáes „Cold War“, lyrisch vereint Pashanim souverän überraschende Elemente, etwa wenn er den Namen des Rappers Rondonumbanine auf Ursula von der Leyen reimt.

Dichte ist eigentlich seine Stärke, hier aber beginnt sie schnell zu überfordern. Wo es am Anfang noch scheint, als würde sich eine Dramaturgie abzeichnen, reihen sich bald so viele ähnlich aufgebaute Songs so eng aneinander, dass sie kaum mehr auseinanderzuhalten sind: Loop, Beat, fette Stimme, repeat.

Die Beiläufigkeit und auch die Melancholie, die „2000“ so abwechslungsreich und Pashanim so einzigartig machten, sind verschwunden. Intensität kann sie nicht ersetzen, und die nostalgische Atmosphäre trägt nicht konsequent genug. Vieles hat man, wie üblich, einfach schon gehört: Pashanim und sein Produzent Stickle sind Bushido mit diesem Album noch näher gerückt. Abgesehen von „Giorgio Armani“ fehlt Elektrorap, obwohl Pashanim doch gerade Rap und Dancebeats mit leichter Hand vereinte.

Ein paar gute Sachen sind dabei: der Beat von „Maradona“ aus verschiedenen Samples und die Stimme auf den Drums von „Gucci Tom Ford“. „Lounge City“ thront in der Mitte des Albums und kann als sein Herz betrachtet werden und überrascht mit dem eigentlich untypischen Einsatz von Autotune. Zusammen mit der Club-Single „Augenblick“, „Gucci Tom Ford“ und dem Refrain von „Promi Party“ gehört dieser Song zu den Ohrwürmern des Albums.

„Er bekommt seine Relevanz nicht darüber, dass Medien über ihn berichten. Die Medien müssen über ihn berichten, weil er so relevant ist“, steht im Infotext der Plattenfirma. Na ja, wenn das so ist! Aber kann das auch so bleiben? Als Ausnahmetalent wird Pashanim wahrscheinlich relevant bleiben. Aber er hätte sich mehr Zeit lassen können. Dann wäre er jetzt noch Avantgarde.

„Lounge Musik“ von Pashanim erscheint via Urban/Universal.

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