Vielerorts war der Winter außergewöhnlich kalt – etwa an der Ostseeküste sorgten die Tieftemperaturen für eisige Landschaften und seltene Naturschauspiele. Für manche Tiere könnte das weitreichende Folgen haben: Nach Einschätzung eines Experten könnte die hiesige Kormoran-Population zeitweise schrumpfen. »Ich gehe ganz stark davon aus, dass der Brutbestand im Ostseeraum in diesem Jahr genauso einen Einbruch haben wird wie nach dem kalten Winter 2010«, sagt Christof Herrmann, der für das Landesamt für Umwelt-, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern Vogelpopulationen beobachtet und die Beringungszentrale Hiddensee leitet.
Nach dem damaligen Winter sei der Brutbestand etwa in Mecklenburg-Vorpommern um 25 Prozent eingebrochen. Auch anderswo im südwestlichen Ostseeraum, also auch in Schleswig-Holstein, Dänemark und Südschweden sei mit einem Bestandsrückgang und einem veränderten Zugverhalten zu rechnen. So könnten besonders in den kommenden Wintern Kormorane in diesen Regionen teils deutlich seltener sein.
Nach dem kalten Winter 2009/2010 seien im Winter 2011 fast gar keine Kormorane mehr in Mecklenburg-Vorpommern geblieben. Es habe Jahre gedauert, bis der Winter-Rastbestand wieder das vorhergehende Niveau erreichte. Auch dieses Mal rechnet Herrmann mit einem Effekt auf das Rastgeschehen an der Ostseeküste für fünf bis sechs Jahre.
Eigentlich blieben Kormorane zunehmend im Norden oder zögen nicht mehr so weit wie in der Vergangenheit. »In den letzten fünf Jahren machten die Vögel, die innerhalb von 500 Kilometern geblieben sind, laut Beringungsdaten 60 Prozent aus«, sagt Herrmann.
Das Winterwetter hat im Januar etwa zu etwas geführt, das in den vergangenen Jahren durch die Erderhitzung eher selten geworden ist: Die Monatsmitteltemperatur betrug -0,7 Grad Celsius und lag damit 0,2 Grad Celsius unter der Referenzperiode von 1961 bis 1990. Expertinnen und Experten sagen allerdings: Im Schnitt waren das Temperaturen, die für den Winter normal sind. Der Januar war zwar kälter als das Mittel der Referenzzeiträume. »Aber diese Zeiträume beziehen sich ja schon auf Werte einer Welt, die sich infolge des Klimawandels erwärmt«, sagte Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst.

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