Österreich: Ex-Außenministerin Karin Kneissl wirft FPÖ Mobbing vor

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Von dieser Frau erwartet man mittlerweile einiges, aber nun hat sie noch einmal nachgelegt. Dieses Mal tritt Österreichs frühere Außenministerin nicht in einem russischen Propagandamedium auf. Sie spricht mit einer deutschen – vorsichtig formuliert – kremlfreundlichen Plattform. Dort plaudert die 61-Jährige über ihr Leben in einem russischen Dorf, über »Trillionen Moskitos« und über ihren Thinktank in Sankt Petersburg. Auch ihre angebliche Verfolgung im Westen beklagt sie mal wieder.

Neu ist, dass Kneissl über die FPÖ schimpft – also über jene rechtsradikale Partei, die sie einst in den Ministersessel gehievt hatte. »Ich war vielen zu unabhängig, ganz besonders den Freiheitlichen«, klagt Kneissl in dem Videointerview.

Kneissls Knicks vor Putin

Als Parteilose war sie Ende 2017 vom damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als Außenministerin präsentiert worden. Im Nachhinein empfindet sich Kneissl als politisch gemobbt, und das offenbar von Beginn an. Am liebsten hätte die FPÖ sie bereits am »am siebenten, achten Tag meines Ministeramts wieder weggehabt«, behauptet sie. Man habe ihr das Leben schwer gemacht. Sie habe »sehr viele Projekte halb auf Schiene gehabt«, vorrangig mit der Türkei. Das habe ihr angeblich die FPÖ zum Vorwurf gemacht. Wer ihr vermeintlich so zugesetzt habe, bleibt unklar. Eine Anfrage von SPIEGEL und »Standard« blieb bislang unbeantwortet. Die FPÖ möchte sich zu Kneissls Vorwürfen nicht äußern.

Von ihrer Amtszeit ist hauptsächlich Wladimir Putins Besuch bei ihrer Hochzeit in Erinnerung geblieben. Der russische Machthaber erschien als Gast samt Kosakenchor und tanzte mit der Braut. Die Fotos von Kneissls tiefem Knicks vor dem Kremlchef gingen um die Welt. Nur 18 Monate dauerte das rechts-rechtsradikale Bündnis unter dem konservativen Kanzler Sebastian Kurz. Dann kollabierte die Koalition im Mai 2019, nachdem der SPIEGEL und die »Süddeutsche Zeitung« Straches Ibiza-Video veröffentlicht hatten.

»Strache wurde von den Leuten, die er groß gemacht hatte, fertig gemacht.«

Karin Kneissl

Kneissl hat in Russland ein neues Zuhause gefunden und wird vom Kreml offensichtlich kräftig unterstützt . Mit Österreich hat sie regelrecht gebrochen. Bis auf zwei Personen will Kneissl alle Kontakte in ihr Heimatland gekappt haben. Dessen Einwohner schmähte sie vor einigen Monaten sogar als »Hyänen« .

Den heutigen FPÖ-Anführer Herbert Kickl, der mit ihr als Innenminister in der Regierung saß, erwähnt sie in ihrer aktuellen Kritik nicht namentlich. Aber Karin Kneissl lässt in ihrer aktuellen Wortmeldung durchblicken, was sie von ihrem früheren Kollegen hält, als sie auf ihren Politentdecker Strache zu sprechen kommt: »Strache wurde von den Leuten, die er groß gemacht hatte, fertig gemacht.« Kickl war als Straches Stratege in die Spitzenpolitik aufgestiegen, nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos soll er ihn zum Rücktritt gedrängt haben.

Strache, der aus der FPÖ ausgeschlossene Ex-Vizekanzler, poltert gegen seinen früheren Adlatus Kickl inzwischen kräftig, wie der »Standard« berichtete . Seiner früheren Außenministerin Kneissl streute er schon 2023 Rosen, als deren Umzug in die russische Provinz publik geworden war. Sie sei das Opfer politischer Verfolgung, sagte Strache damals dem SPIEGEL . Er hoffe, sie »findet ihren Frieden und ihr persönliches Glück«.

Die liberalen Neos prüfen derzeit einen Antrag auf Aberkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft für Kneissl.

Finale in Podcast-Serie zum ORF

Im Podcast Inside Austria läuft diese Woche der dritte Teil einer Miniserie  über den Skandal rund um den gefallenen ORF-Chef Roland Weißmann . Dieses Mal geht es um die Frage, warum diese Affäre nicht die Einzige ist. Wir sprechen mit einer Mitarbeiterin, die vor Jahren selbst Belästigung im ORF erlebt hat. Und mit einer Redakteurin, die die Missstände im Sender nicht länger hinnehmen will.

Außerdem schauen wir auf den neuen Mann an der Spitze des ORF, Clemens Pig . Weht mit dem Tiroler zukünftig ein neuer Wind in Österreichs größtem Medienunternehmen?

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