„Original aus Wien“, Folge 28: Künstlerin mit schöner Seele

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Fritz Muliar, ein großer Schauspielkollege, sagte einmal über Elfriede Ott: „Sie ist eine Persönlichkeit, die ein Herz und einen starken Willen hat.“ Er schwärmte in der ORF-Doku „Bei mir muss es immer etwas Neues sein“ in diesem Ton weiter und sagte am Ende den bestechenden Satz, s‘Elferl sei „eine der Schauspielerinnen, die eine schöne Seele haben“.

Elfriede Maria Cäcilia Bertha Katharina Ott wurde am 11. Juni 1925 in Wien geboren. Nach der Schule machte sie eine Uhrmacherlehre – auf Wunsch des Vaters, der Uhrmachermeister gewesen ist. Dabei wusste Elfriede Ott schon als Kind, dass sie später zum Theater gehen würde. Sie dachte sich Geschichten aus, und im Volksgarten, nicht weit vom Geschäft des Vaters entfernt, wurden die Stücke gespielt, mit Freundinnen und Freunden.

Einige Jahre später traf sie das Schicksal hart: 1942 starb der Bruder im Krieg, und 1943 geschah etwas Furchtbares: Auf dem Weg in den Familienurlaub verhakte sich Elfriede Ott in einem Bahngleis, der Vater eilte heran, befreite sie – und wurde vom Zug erfasst. Der Vater starb und Elfriede Ott war, wie sie sagte, „langfristig traumatisiert“.

Mit der Rückendeckung der Mutter ging sie zunächst ans Burgtheater, wo sie in Gerhart Hauptmanns Die goldene Harfe mitspielte, und später, von 1958 an, ans Theater in der Josefstadt, das für Jahrzehnte ihre künstlerische Heimat werden sollte.

Elfriede Ott war zweimal verheiratet, beide Männer, der Schauspieler Ernst Waldbrunn und der Schriftsteller Hans Weigel, waren deutlich älter als sie, Waldbrunn 18 Jahre, Weigel 17. Ott sagte selbst einmal, dies habe vermutlich mit dem Verlust des Vaters zu tun gehabt. Von Waldbrunn habe sie „den kabarettistischen Umgang mit dem Publikum mitbekommen“, mit Weigel sei es „ein künstlerisches Zusammenleben“ gewesen. Selbst im Urlaub habe er oft geschrieben und sie gemalt.

Sie war ein Kind des Theaters, gleichzeitig war sie oft im Fernsehen zu sehen, wo sie ihre Lust am Blödeln auslebte, etwa in den 1970er-Jahren in „Hallo – Hotel Sacher ... Portier“, als Schwester von Fritz Eckhardt, dem sie den Haushalt führte. Die Serie untermauerte ihren Ruf der Volksschauspielerin, den sie auch auf der Bühne pflegte. „Otts Volksnähe war (...) aufklärerisch. Sie lehrte, dass man die Schliche der Mächtigen durchschauen und dennoch über ihre Dummdreistigkeit lachen könne“, schrieb Der Standard im Nachruf. Ott selbst sagte einmal, auf der Straße würden die Leute mit ihr reden, als wäre sie eine Bekannte.

Elfriede Ott wohnte von 1933 bis zu ihrem Tod in einer 175 Quadratmeter großen Wohnung am Michaelerplatz im Ersten Bezirk, zunächst mit ihrer Familie, später mit ihren Männern und noch später mit Hunden und Katzen. Beruflich stellte sie sich immer breiter auf, wurde Regisseurin, Buchautorin, Sängerin, Intendantin (bei den Nestroy-Festspielen in Maria Enzersdorf) und Schauspielllehrerin. Eine ihrer Schülerinnen, Sandra Cervik, rühmte in der oben erwähnten Doku Otts „Neidlosigkeit“ und dass sie ihrem Beruf immer positiv gegenüber stand.

Elfriede Ott starb am 12. Juni 2019, einen Tag nach ihrem 94. Geburtstag.

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