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Das sind die Highlights an Tag vier der Winterspiele
Einen kompletten Medaillensatz haben gestern die deutschen Athletinnen und Athleten geholt. Gold, Silber und Bronze sind bereits auf der Habenseite. Heute dürfte es mit weiteren Medaillen schwer werden. Das sind die Entscheidungen des Tages.
Im Slopestyle-Wettbewerb der Ski-Freestylerinnen hat Mathilde Gremaud (Schweiz) ihren Titel von Peking verteidigt. Silber ging an Eileen Gu (China) vor Megan Oldham (Kanada).
In der alpinen Team-Kombination der Männer siegten Franjo von Allmen/Tanguy Nef (Schweiz) vor den zeitgleichen Teams Marco Odermatt/Loic Meillard (Schweiz) und Vincent Kriechmayr/Manuel Feller (Österreich).
Im Eisschnelllauf über 1000 Meter gab es einen Doppelsieg für Oranje. Jutta Leerdam gewann vor Femke Kok, dritte wurde die Japanerin Miho Takagi.
- 19.00 Uhr: Skispringen, Normalschanze (Männer)
- 19.30 Uhr: Snowboard, Big-Air (Frauen)
Wir kommen zum Curling, genauer gesagt zum Mixed-Double. Dort steht die Partie um Gold nun fest. Die USA mit Corey Thiesse und Korey Dropkin haben sich soeben 9:8 gegen Italien durchgesetzt und treffen im Spiel um Gold nun morgen auf die Geschwister aus Schweden, Isabella und Rasmus Wrana. Die beiden haben heute souverän 9:3 gegen Großbritannien gewonnen.
In Predazzo reiben sich tatsächlich viele Zuschauer die Augen. Domen Prevc liegt nur auf dem achten Platz, direkt hinter dem Führenden Philipp Raimund liegt mit Valentin Foubert ein unbeschriebenes Blatt in Lauerstellung. Woran liegt das denn?
Das sind die Eigenarten kleiner Schanzen im Allgemeinen und dieser Schanze hier im Speziellen. Die Skispringer sind es im Weltcup überwiegend gewohnt, von den großen Schanzen zu springen. Es ist weniger Fluggefühl nötig, dafür ist der Absprung viel wichtiger. Zudem herrscht hier Rückenwind, nicht allzu stark, aber auch das ist ein Faktor. Und noch ein Satz zu Foubert: Der Franzose gilt als Riesentalent, er will in vier Jahren bei den Spielen in seiner Heimat glänzen. An guten Tagen mit den richtigen Bedingungen reicht es aber auch schon in der Gegenwart für weit vorne. Aber kann er dies im zweiten Durchgang bestätigen? Da habe ich Zweifel. Anders als bei Raimund.
Raimund führt nach dem ersten Durchgang!
Ryoyu Kobayashi hat an seiner Form getüftelt, aber sie nicht vollends gefunden. 100,5 Meter, Siebter, das ist okay für den erfolgsverwöhnten Japaner. Nun kommt nur noch Domen Prevc – und der Weltcupführende landet früh! 100 Meter, Achter. Philipp Raimund liegt zur Halbzeit auf Goldkurs! Dahinter folgen überraschend Valentin Foubert und Kristoffer Erik Sundal, es haben aber locker noch ein Dutzend Springer Medaillenchancen.
Jan Hörl landet bei 101,5 Meter, am Ende ist er punktgleich mit Hoffmann. Und nun Philipp Raimund oben. Ein langes »Ziiieh!«, ein ordentlicher Sprung, vor allem: Eine gute Landung. 102 Meter, Haltungsnoten top. Das reicht für die Führung! Einen Punkt vor dem Franzosen, der die Favoriten so lange hatte auf Distanz halten können.
Nun wird die grüne Führungslinie quasi minütlich attackiert. Valentin Foubert (Frankreich) schafft es an Deschwanden vorbei, Naoki Nakamura (Japan), Johann Andre Forfang und Marius Lindvik (Norwegen) reihen sich dahinter ein. Lindvik hätte man durchaus noch mehr zugetraut, ihm liegt diese Schanze eigentlich.
Das Zielspringen hat ein Ende: Gregor Deschwanden landet bei 106 Metern! Mit Abstand die beste Weite für den Schweizer, der dazu auch gute Noten bekommt. Die Jury reagiert, ehe gleich Pius Paschke in die Spur geht: Eine Luke nach unten, also kürzerer Anlauf und Kompensationspunkte. Paschke hat auf den ersten Blick ein paar Schwierigkeiten, landet bei 101 Metern – aber aufgrund der Bonuspunkte ist er trotzdem Dritter.
Und auch Rodlerin Julia Taubitz ist natürlich zufrieden, sie führt ja. Ein »super geiler« zweiter Lauf sei ihr geglückt.
Jetzt gebe es »Pizza oder Pasta, um die Speicher aufzufüllen«. Und morgen will sie dann nach Gold greifen.
Wellinger ist dran! Im Training konnte der Olympiasieger von Pyeongchang überzeugen, diesmal schließt er sich ein wenig dem Zielspringen der letzten Starter an, die mehrheitlich knapp über 100 Meter gekommen waren. 102,5 Meter, Platz zwei hinter Bresadola. Kein Durchbruch, aber angesichts der schwierigen Saison bislang in Ordnung.
Nochmal zum Rennrodeln: Merle Fräbel verlor ihre Führung aus dem ersten Lauf im zweiten an Teamkollegin Julia Taubitz. »Ich hatte einige Rutschphasen«, ärgert sie sich.
Aber: »Es ist für morgen alles drin, wir sind eng zusammen und nach hinten ist Platz.« Sie sieht sich gerüstet fürs innerdeutsche Duell.
Möglich auch, dass Palosaari einfach ungewöhnlich gut mit der Schanze zurechtkommt: Die übrigen Außenseiter zeigen mehrheitlich auch Außenseiter-Weiten. Den Rumänen Mihnea Spulber, Startnummer acht, zieht es etwa schon nach 87,5 Metern zu Boden. Dann aber wieder ein Ausreißer nach oben: Song Qiwu aus China schafft 101 Meter, ist aufgrund der Punkte aus Haltungsnoten und Windbonifikation allerdings erst einmal »nur« Dritter.
Erstes kleines Bauchgefühl von der Skisprung-Konkurrenz: Hier könnte irgendwann der Anlauf verkürzt werden. Mit den frühen Startnummern kommen normalerweise die leistungsschwächeren Springer, aber schon der Finne Vilho Palosaari, der als Zweiter von der Schanze geht, landet bei bemerkenswerten 100,5 Metern.
Führungswechsel beim Rodeln! Im zweiten Durchgang ist Julia Taubitz eine Winzigkeit schneller als Merle Fräbel, die nicht ganz an ihre erste Fahrt herankommt, und legt nun 0,061 Sekunden zwischen sich und die zweite deutsche Gold-Kandidatin. Das wird morgen ganz eng im Kampf um den Olympiasieg. Der dritte Lauf startet dann um 17 Uhr, der zweite um 18.34 Uhr.
Probedurchgänge im Skispringen sollte man nicht überbewerten, aber wir können das Ergebnis trotzdem auf uns wirken lassen. Es ist Usus, dass die Springer eine Stunde vor dem Start des eigentlichen Wettkampfs noch mal vom Bakken gehen und aus deutscher Sicht bleibt Philipp Raimund der große Hoffnungsträger. Er springt 104 Meter weit und belegt den zweiten Platz. Der Norweger Marius Lindvik kommt auf die gleiche Weite und liegt nach Punkten knapp vor Raimund. Vierschanzentourneesieger Domen Prevc landet bei 101,5 Metern und belegt den elften Platz. Um 19 Uhr startet der erste Durchgang in Predazzo.
Florian Haupt
Reporter in Mailand

Es wurde dann schnell still in der Halle, alle mussten das Geschehen wohl erst auf sich wirken lassen. Jutta Leerdam ist langsam ihre Ehrenrunde gelaufen, hat sich immer mal wieder an der Bande abgestützt und nach bekannten Gesichtern Ausschau gehalten. Erster Gratulant auf dem Eis ist der Trainer, er reckt ihren Arm in die Höhe und fordert die Zuschauer zu Applaus auf. Eine große Ovation kommt dann, als Kok und Leerdam sich umarmen.
Es fließen Tränen bei der Olympiasiegerin!
Und Jutta Leerdam gewinnt Gold!
Bronze hat Kok also sicher. Jetzt kommen die letzten beiden Läuferinnen, Miho Takagi und Koks Landsfrau und Superstar Jutta Leerdam.
Florian Haupt
Reporter in Mailand

Eine Eisschnelllaufstrecke ist bekanntlich ein Oval. Und wo immer eine (niederländische) Löuferin gerade vorbeiläuft, brandet der Jubel auf. Die Kurven und Geraden kommunizieren quasi miteinander. Das macht die Akustik so faszinierend.
Florian Haupt
Reporter in Mailand

Femke Kok ist auch ein niederländischer Eisschnelllaufstar. Und Topfavoritin über 500 Meter. 1000 Meter kann sie aber auch – und setzt sich mit neuem olympischen Rekord an die Spitze. Der Klangteppich dazu: Fantastisch.
Florian Haupt
Reporter in Mailand

Leider, lieber Cedric, führt allerdings weder Madame Laliberté-Roy noch die Deutsche Anna Ostlender. Die klare Bestzeit kommt zur Freude der niederländischen Fans bisher von Suzanne Schulting, einer der besten Läuferinnen der Welt – im Shorttrack. Dort wurde sie 2018 Olympiasiegerin und ist in den folgenden Tagen natürlich auch wieder am Start.
Überwindet Taubitz ihr Olympia-Trauma?
Max Langenhan hat gestern vorgelegt und das erste Gold für die erfolgsverwöhnten deutschen Rodler eingefahren. Das nimmt jedoch kaum Druck von den Rodlerinnen – seit 1998 kam die Olympiasiegerin im Einsitzer stets aus Deutschland. Die Rodlerinnen starten am Montag um 17 Uhr in den ersten von vier Läufen, die Entscheidung fällt morgen.
In diesem Jahr gilt Julia Taubitz als Mitfavoritin. Die Weltmeisterin liegt im Gesamtweltcup auf Rang zwei und möchte ihr Trauma von 2022 hinter sich lassen. Damals stürzte sie als Favoritin im zweiten Lauf und vergab damit alle Siegchancen. Das Aus damals traf Taubitz hart, mittlerweile habe sie es aber mit einem Mentaltrainer aufgearbeitet, sagt sie.
Auch Peking-Silbermedaillengewinnerin Anna Berreiter überzeugte im Training aus deutscher Sicht, während Shootingstar Merle Fräbel mit Problemen zu kämpfen hatte und ihre starke Form offenbar nicht nach Cortina retten konnte.
Ein deutscher Sieg ist dennoch kein Selbstläufer – die internationale Konkurrenz hat aufgeholt. Vor allem die Österreicherin Lisa Schulte, derzeit Führende im Gesamtweltcup, gilt als größte Konkurrentin von Taubitz.
Der Dominator auf der Normalschanze
Um 19 Uhr beginnt in Predazzo der zweite Wettkampf im Skispringen. Viele Wochen sah es so aus, als könne die deutsche Mannschaft im Einzel nicht um die Medaillen mitspringen, doch das hat sich geändert. Die schon zu Saisonbeginn so starken Philipp Raimund und Felix Hoffmann haben ihr Zwischentief überwunden und konnten im Training zumindest zeitweise überzeugen.
Vor allem Raimund könnte auf der kleinen Schanze gute Chancen haben. Er mag Rückenwind, der hier in Predazzo häufig vorkommt. Auf der Normalschanze hat zudem ein explosiver Absprung eine größere Bedeutung als das Fluggefühl, auch das spricht für Raimund. Beim Fluggefühl denkt man sofort an Domen Prevc, den Dominator dieser Saison aus Slowenien. Der Olympiasieg auf der Großschanze wird ihm nur schwer zu nehmen sein, aber heute kann die Konkurrenz hoffen. Zumal Prev auf drei Trainingssprünge verzichtet hat und später angereist ist.
Ein wenig pikant ist die gute Trainingsform von Marius Lindvik. Der Norweger gewann vor einem Jahr auf der Normalschanze Gold bei der Nordischen Ski-WM, kurz bevor der Anzugskandal publik wurde. Lindvik wies im Anschluss alle Schuld von sich, was nicht nur Andreas Wellinger sauer aufstieß. »Wenn man sich hinstellt und sagt: ›Wir haben davon nichts gewusst, wir haben es nicht mit Absicht gemacht‹, dann finde ich, wird das der Tragweite nicht gerecht«, sagte Wellinger in einem SPIEGEL-Interview unmittelbar vor Olympia. Nun könnte Lindvik wieder um Gold springen, bei Wellinger ist das trotz Formanstiegs eher unwahrscheinlich.
Außerdem habe ich noch einen Außenseiter-Tipp: Achten Sie mal auf den jungen Polen Kacper Tomasiak. Dem 19-Jährigen scheint die Schanze in Predazzo zu liegen.
So geht's weiter
Moin von meiner Seite! Zur Stunde gönnt sich das große olympische Drama eine kleine Pause, aktuell berieselt das Eishockey-Duell zwischen Italienerinnen und Japanerinnen den Newsroom. Aber auch Sven und ich haben noch einige Highlights zu verköstigen: Ab 16.40 Uhr spielen Deutschlands Eishockey-Frauen gegen Frankreich, um 17 Uhr beginnt der erste Lauf der Rodlerinnen um Gold-Hoffnung Julia Taubitz (Entscheidung morgen), und die größte Hoffnung auf eine deutsche Montags-Medaille wird beim Skispringen der Männer von der Normalschanze verhandelt (19 Uhr).
Kanadische Eiskunstläuferin bekommt Fristverlängerung für Uni-Arbeit
Die kanadische Eiskunstläuferin Madeline Schizas kann sich nun voll auf ihren weiteren Wettkampf konzentrieren. Sie hatte eigenen Angaben wegen der Olympiateilnahme eine Abgabefrist an ihrer Universität verpasst, nun offenbar eine Fristverlängerung bekommen. »Wow! Was für ein besonderer Moment. Ja, unter diesen Umständen ist eine Fristverlängerung völlig in Ordnung«, schrieb ihr Professor in einer auf den sozialen Kanälen veröffentlichten Mail an Schizas.
Die 22-Jährige belegte im Teamwettbewerb am Sonntag mit Kanada den fünften Platz. »Konzentriere dich auf deinen Wettbewerb und reiche mir die Arbeit ein, wenn sie fertig ist«, schrieb der Professor und motivierte Schizas für die Winterspiele: »Viel Glück – das ganze Land drückt dir und deinen Teamkollegen die Daumen.«
Schizas wird in Mailand auch noch in der Einzelkonkurrenz der Frauen antreten. Das Kurzprogramm findet am 17. Februar statt, die Kür zwei Tage später. Bis dahin dürfte sie die Wochenreflexion eingereicht haben.
Daniel Yule geht mit 0,25 Sekunden Vorsprung auf den überragenden Nef auf die Strecke. Greift er an? Mitnichten! Auch er hat bereits früh mehr als eine halbe Sekunde verloren. Selbst Bronze ist früh weg. Das war nichts – Platz zwölf. Jetzt die Entscheidung! Gewinnen Franzoni/Vinatzer Gold für Italien?
Das zweite Schweizer Paar heißt Marco Odermatt/Loic Meillard. 0,14 Sekunden Vorsprung hatten sie nach der Abfahrt. Was machen die Topfavoriten? Meillard schwächelt und verliert und verliert. Im Ziel landet er zeitgleich mit den Österreichern auf Rang zwei. Von Allmen/Nef haben eine Medaille bereits sicher. Es stehen noch zwei Läufer oben.
Tanguy Nef ist der Slalompartner von Abfahrtsweltmeister Franjo von Allmen. »Geschmeidig unterwegs!«, lobt ARD-Experte Felix Neureuther. Mit Bestzeit setzt er sein Team zunächst einmal auf den ersten Rang. Knapp eine Sekunde Vorsprung bringt er ins Ziel. Es stehen zwar noch drei Teams oben, aber mit dieser Leistung hat er die restlichen Starter brutal unter Druck gesetzt.
Während Marco Schwarz nicht zurechtkommt, zeigt Michael Matt eine saubere Fahrt. Mit der bislang besten Slalomzeit bringt er sein Team in Führung. Was zeigt Manuel Feller als vierter und letzter Athlet des österreichischen Pakets? 0,03 Sekunden Vorsprung rettet er trotz zweier grober Fehler ins Ziel. Sechs Teams stehen noch oben.
Das war oben sehr beherzt, aber das flache Gelände unten liegt Straßer nicht besonders. Da verlor er überraschend viel. Das wird nichts mit der Aufholjagd – und lässt auch nicht wirklich hoffen, was den Spezialslalom angeht.
Was gegen viele Ausfälle (und damit auch ein wenig gegen eine Straßer-Aufholjagd) spricht: Der Hang ist flach, und Brunner hat sehr einfach gesetzt. Große Problemstellen sehe ich nicht.
Der Norweger Timon Haugan setzt mit 52,18 Sekunden eine erste Marke. Die Teams jetzt liegen bereits »nur« 2,5 Sekunden hinter den Führenden. Das ist schon sehr viel, aber es kommen noch zahlreiche Starter, die »Alles oder nichts« geben werden. In solchen Situationen haben wir auch schon regelrechte Ausfall-Festivals gesehen.
Gesteckt hat den Slalomkurs übrigens Deutschlands Trainer Bernd Brunner. Das sollte für Straßer schonmal kein Nachteil sein.
Oh, das lässt mich aufhorchen! Jonas hat nämlich gestern bereits den Olympiasieg in der Frauenabfahrt für Breezy Johnson korrekt vorausgesagt.
Aus deutscher Sicht hat Simon Jocher in der Abfahrt herausgeholt, was für ihn möglich ist, und das Team auf Platz elf geführt. Nun kommt Linus Straßer, von dem ich mir einiges erwarte. Er hat vor der Saison seinen Skihersteller gewechselt und lange Probleme mit dem neuen Materialgehabt. Aber jetzt kommt er in Form, in Kitzbühel wurde er Dritter, in Schladming schied er nach einer starken Fahrt kurz vor dem Ziel aus.
Klar, er muss aufholen. Aber das ist möglich, es gibt keinen Slalomfahrer, den er an einem guten Tag nicht besiegen kann. Ich prognostiziere: Straßer fährt das deutsche Team noch auf Rang drei vor.
Um 14 Uhr geht es bei den Alpinen in der Team-Kombination weiter. Dabei fährt erst ein Sportler die Abfahrt, dann einer den Slalom, am Ende werden die Zeiten addiert. Gleich beginnt der zweite Teil des Wettkampfs. Die Organisatoren in Bormio haben über Mittag fix einen Slalomkurs auf der Stelvio aufgebaut. Linus Straßer vom TSV 1860 München wird versuchen, für das deutsche Team noch einen Platz auf dem Siegertreppchen raus zu fahren. Würde mich interessieren, was unser Experte Jonas Kraus zu den Medaillen-Chancen des Duos Straßer/Simon Jocher sagt?
Auch der zweite Lauf im Slopestyle ist beendet. Mathilde Gremaud (Schweiz, 86,96 Punkte) hat mit einer fantastischen Leistung die Führung übernommen und liegt vor Eileen Gu (China, 86,58 Punkte) und Megan Oldham (Kanada, 69,76 Punkte), die im zweiten Durchgang nach einer bis dahin beeindruckenden Performance stürzte. Aber wie erwähnt: Es zählt nur der beste der drei Durchgänge! Im abschließenden Durchgang kann sich das Klassement – theoretisch – noch ordentlich verändern.
Jetzt die Topfavoritinnen: Eileen Gu setzt sich mit 86,58 Punkten an die Spitze. Was macht Mathilde Gremaud? Die Titelverteidigerin kontert mit einem Riesenlauf! Genügt das zur Führung? Nein! 83,60 Punkte für Gremaud. Das Publikum murrt etwas. Aber das war schon ein toller erster Lauf. Zwei kommen noch.
Svindal: »Gestern war ein harter Tag auf dem Berg«
Der schwere Sturz von Ski-Ikone Lindsey Vonn bewegt die Menschen weiter. »Lindsey. Du bist unglaublich mutig. Du inspirierst Menschen, die deiner Reise folgen, und uns, die jeden Tag eng mit dir zusammenarbeiten«, schrieb nun ihr Trainer und Ex-Profi Axel Lund Svindal auf Instagram. »Gestern war ein harter Tag auf dem Berg. Für alle, aber vor allem für dich.«
Noch im Abtransport habe Vonn darauf bestanden, dass man der späteren Olympiasiegerin und Teamkollegin Breezy Johnson Glückwünsche bestelle. »Das sagt, glaube ich, alles«, kommentierte Svindal dazu. »Ein echter Charakter taucht in den harten Momenten auf.«
Erste Medaillenentscheidung des Tages im Freestyle-Slopestyle der Frauen
Eileen Gu oder Mathilde Gremaud? Das ist die große Frage beim Slopestyle der Ski-Freestylerinnen. Vor vier Jahren verhinderte Gremaud in dieser Disziplin die dritte Gu-Goldmedaille bei den Spielen in Peking und auch in der Qualifikation hier in Italien lag die Schweizerin vor der für China startenden Gu.
Es sind die Spiele der weiten Wege – dennoch sind die Organisatoren in Italien bislang zufrieden mit der Zuschauerbilanz in den Wettkampfstätten. Wie Andrea Francisi, Chief Games Operations Officer der Stiftung Milano Cortina 2026 heute mitteilte, seien die Spiele ein »großer Erfolg« – besonders hinsichtlich der Ticketnachfrage: »In den ersten drei Wettkampftagen wurden 127.000 Tickets verkauft«, erklärte er auf einer Pressekonferenz. Insgesamt seien »in den meisten Fällen« die Stätten ausverkauft gewesen.
Langenhan kritisiert olympische TV-Übertragung
Rodel-Olympiasieger Max Langenhan hat kritisiert, wie seine Sportart bei Olympia im TV-Bild gezeigt wird. Er bezeichnete die Übertragung als »richtig schlecht«. »Wenn mehrere Kurven nicht gezeigt werden, die für uns Schlüsselstellen sind, ist das schon doof«, sagte er in einer Pressekonferenz. Dadurch werde der Charakter der Bahn nicht transportiert. »Jedes Weltcup-Bild ist eigentlich besser«, so Langenhan weiter.
Für die TV-Bilder sind die »Olympic Broadcasting Services« (OBS) verantwortlich, ein Tochterunternehmen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die OBS arbeitet bei diesen Spielen mit vielen Drohnen, die im Fernsehen und Stream oft deutlich zu hören sind. Die Drohnen liefern spektakuläre Bilder. Auch Langenhan lobt sie, die surrenden Geräusche störten ihn nicht. »Sie müssen aber näher ran«, sagte er.
Italien führt in der Team-Kombination, Deutschland hat Bronze noch im Blick
Aktuell liegt Deutschland 1,05 Sekunden hinter Platz drei. Eine schwere Aufgabe für Linus Straßer, aber auch nicht komplett unmöglich. Straßer müsste sich dafür an Spitzenfahrern wie Clement Noel und Manuel Feller vorbeischieben. Es ist auf jeden Fall spannender, als es viele vor diesem Wettbewerb erwartet hätten. Die Grundlage dafür hat Simon Jocher mit einer unerwartet guten Leistung gelegt. Zur Halbzeit liegt Team Deutschland auf Platz elf.
Bei der Abfahrt am Samstag hatte Jocher noch fast 2,5 Sekunden auf die Besten verloren, heute sind es nur 1,33 Sekunden auf den Führenden Giovanni Franzoni. In der Team-Kombination treten zwei Sportler pro Team an, einer in der Abfahrt, einer im Slalom. Die Zeiten werden am Ende addiert.
Der Abfahrtsolympiasieger Franjo von Allmen gibt gnadenlos Druck, findet aber wie so viele vor ihm nicht die Ideallinie auf dieser schwierigen Strecke. Zur Hälfte liegt er gleichauf mit Franzoni, verliert im unteren Teil jedoch deutlich. 0,42 Sekunden liegt er hinter dem Italiener, nur Rang vier derzeit für den Schweizer.
In der Spezialabfahrt hat Marco Odermatt überraschend eine Medaille verpasst. Hier in der Team-Kombination setzt er sich zunächst an die Spitze. Hemetsberger und Jocher nimmt er eine Sekunde ab. Was das wert ist, werden wir gleich erfahren, wenn die Medaillengewinner vom Samstag auf die Strecke gehen.
Ja, starker Lauf von Simon Jocher in Bormio. Aber jetzt kommen gleich die Spitzenabfahrer.
Die Schweiz hat gleich vier Teams in der alpinen Kombination am Start. Stefan Rogentin setzt mit 1:53,64 Minuten die erste Marke.
Um Ihnen noch einmal das Prozedere näherzubringen: Die Ergebnisse eines Teams in Abfahrt und Slalom (ab 14 Uhr) werden addiert. Die Gesamtzeit entscheidet dann über die Reihenfolge.
Ski alpin: Team-Kombination der Männer gestartet
Wir kommen zum ersten Wettbewerb des Tages. In der Team-Kombination der Männer gehen gleich die Abfahrer auf die Strecke. Jedes Team besteht aus zwei Skiläufern, die Slalomfahrer sorgen dann ab 14 Uhr für die Entscheidung.
Auch ein deutsches Duo ist dabei. Simon Jocher (Abfahrt) und Linus Straßer (Slalom) dürften bei normalem Rennverlauf allerdings nichts mit den Medaillen zu tun haben. Ganz anders sieht es beim Schweizer Paar Marco Odermatt (Abfahrt) und Loic Meillard (Slalom) aus – die beiden gehen als Topfavoriten unter den 21 Teams in den Wettkampf.
Hallo aus Bormio, von der Team-Kombination der Männer. Auch hier ist der Sturz von Lindsey Vonn immer noch Thema. Auf die beiden Starter aus den USA, erzählen hier gerade zwei US-Team-Betreuer, hätte der Unfall aber keine Auswirkungen gehabt. »Die beiden kommen wie Lindsey aus Colorado«. Kyle Negomir und River Radamus seien aber »ready to rock«. Das große Olympiarad dreht sich also weiter.
Nach Bronze: Biathlet Strelow nicht im Olympia-Einzel dabei
Zwei Tage nach Bronze mit der deutschen Mixed-Staffel bekommt Biathlet Philipp Nawrath, 32, gleich die nächste Medaillenchance. Im Gegensatz zu Justus Strelow, 29, startet Nawrath am Dienstag (13.30 Uhr/ZDF und Eurosport) gemeinsam mit Philipp Horn, 31, David Zobel, 29, und Lucas Fratzscher, 31, in Antholz auch im schweren Einzel über 20 Kilometer.
Nach dem überraschenden Bronze-Coup mit fehlerfreien Schießleistungen von Nawrath und Strelow am Sonntag gehören die Deutschen im Klassiker auf 1600 Meter Höhe maximal zum erweiterten Favoritenkreis. Die aussichtsreichsten Anwärter auf Medaillen sind der französische Gesamtweltcupführende Eric Perrot, der Italiener Tommaso Giacomel und der Norweger Johan-Olav Botn.
Zwischenstand: So sieht der Medaillenspiegel derzeit aus
Norwegen vor den USA und Gastgeber Italien: Das sind die aktuell führenden Nationen im Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele. Deutschland rangiert mit einer Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille nach dem ersten Wettkampfwochenende auf Rang 6.
Den kompletten Überblick aller Länder finden Sie hier auf SPIEGEL.de.
Silber-Star Aicher: »Mein Handy ist etwas überfordert«
Nach ihrer Silbermedaille in der Abfahrt von Cortina hat sich Emma Aicher im Deutschen Haus feiern lassen. »Mein Handy ist etwas überfordert«, sagte die 22-Jährige über die vielen Gratulationen zu ihrem Coup. Ihre schwedische Mutter Viktoria Lindstrand Munkby gehörte zu denen, die ihre Glückwünsche sogar persönlich überbringen konnten. »Ich war so nervös. Es war als Mutter schwierig anzuschauen«, sagte sie. Ihre Tochter dagegen sei immer so »cool und ruhig«, meinte sie weiter. »Ich bin sehr stolz.«
Lindstrand Munkby wohnt nach wie vor in Aichers Geburtsort, dem schwedischen Sundsvall. Aicher, die einen deutschen Vater hat, wohnt mittlerweile in Salzburg. Natürlich sei das manchmal »schwierig, weil sie so weit weg ist«, sagte Lindstrand Munkby. Sie wolle sie als Mutter schließlich unterstützen. Der Wechsel zum Deutschen Skiverband (DSV) vor mehreren Jahren sei für Aicher aber eine »riesige Gelegenheit« gewesen.
Es ist ihr Körper, ihre Entscheidung
Lindsey Vonn hat viel riskiert und sich eine schwere Verletzung zugezogen. Nun wird sie wegen einer fehlenden Vorbildfunktion kritisiert. Das reiht sich ein in eine typisch frauenfeindliche Betrachtung von Sportlerinnen, kommentiert unser Reporter bei den Winterspielen, Marcus Krämer.
Langenhan widmet Rodelgold seinem verstorbenen Trainer
Es ist der größte Erfolg seiner Karriere: Rodler Max Langenhan raste gestern im Eiskanal zu Gold. Die Medaille widmete er seinem einstigen Trainer: »Uwe, der freut sich einfach an einer anderen Stelle. Uwe Lehmann, das war mein erster Sportgymnasium-Trainer. Er ist leider beim Klettern viel zu früh verstorben«, sagte der Olympiasieger mit tränenerstickter Stimme.
Der 26 Jahre alte Thüringer hatte mit steifem Hals und viermal Bahnrekord im Einsitzer triumphiert. Er habe immer noch »ganz schön Nackenprobleme«, sagte er hinterher. »Die Medaille hängt ein bisschen schwer.« Im Ziel traf er ehemalige Weggefährten, Nachwuchstrainer und Freunde: »Ich bin dankbar für jede Person, die ich auf dem Weg kennenlernen durfte. Die haben das gemacht. Am Ende darf ich mir die Medaille umhängen, aber eigentlich müssten 300 Leute so eine Medaille bekommen, weil die alle Teil des großen Ganzen sind.«
Mit Material der Agenturen

vor 2 Stunden
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