Was haben die künftige Königin, ein ehemaliger Regierungschef und zwei prominente Diplomaten gemeinsam? In Norwegen den jahrelangen Kontakt zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Der Kontrollausschuss des Parlaments in Oslo stimmte nun dafür, die teils sehr persönlichen Verstrickungen der außenpolitischen Elite des Landes unabhängig aufarbeiten zu lassen.
»Im Zuge der Epstein-Affäre sind beunruhigende, schwerwiegende Informationen ans Licht gekommen«, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Per-Willy Amundsen, der Nachrichtenagentur NTB. Eine Untersuchungskommission soll den Fall Epstein und die Arbeitsweise des Auswärtigen Dienstes in den vergangenen Jahren unter die Lupe nehmen.
Ermittlungen gegen mehrere einflussreiche Personen
Wegen seiner Kontakte in der Kritik steht unter anderem der norwegische Ex-Regierungschef und frühere Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland. Auch Norwegens bisherige Botschafterin in Jordanien und dem Irak, Mona Juul, und ihr Mann, der langjährige Topdiplomat Terje Rød-Larsen, stehen bereits im Fokus der Behörden. Gegen alle drei laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Korruption.
Norwegens ehemaliger Premierminister Thorbjørn Jagland 2019 in Paris
Foto: Ludovic Marin / AFPDer frühere Außenminister und heutige Chef des Weltwirtschaftsforums, Børge Brende, taucht ebenfalls in den Epstein-Dokumenten auf. Eine Nennung per se bedeutet aber keine Schuld. Allerdings ist bemerkenswert, wie viele außenpolitische Vertreter des kleinen Landes in den Dokumenten auftauchen.
Neben den genannten sorgte auch der Kontakt von Kronprinzessin Mette-Marit zu Epstein für Aufregung und Kritik. Sie entschuldigte sich vergangene Woche bereits für ihren langjährigen Umgang mit dem Sexualstraftäter. Die norwegische Königsfamilie hat derzeit gleich mit mehreren historischen Krisen zu kämpfen.
»Es zeichnet sich ein Bild von einem Umfeld ab, das nicht gesund ist
- und in dem die Korruptionsgefahr groß ist«, sagte der
Oppositionspolitiker Amundsen laut norwegischen Berichte. »Das muss untersucht werden. Kein Stein darf auf dem anderen bleiben.«
Der Ausschuss will außerdem die Regierung in dem Fall befragen. Laut dem norwegischen Rundfunk NRK gab es für die geplante Untersuchung breite politische Unterstützung im Parlament.
»Lass uns drei versteckte Kameras besorgen«
Die Aufarbeitung des Skandals kommt in anderen Ländern dagegen nur langsam voran. In den USA räumte Donald Trumps Handelsminister Howard Lutnick nach tagelanger Kritik erstmals einen Besuch auf Epsteins Privatinsel ein, auf der zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht worden sein sollen.
Die »New York Times« berichtet unterdessen von neuen Hinweisen auf Überwachungseinrichtungen in Epsteins Unterkünften. 2014 habe er einem Mitarbeiter geschrieben: »Lass uns drei versteckte Kameras mit Bewegungsmelder besorgen« – dieser antwortete demnach später: »Es ist erstaunlich, wie klein sie sind.«
Und dann: »Ich baue sie gerade in Kleenexboxen ein.«

vor 2 Stunden
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