
SPIEGEL-Reporter Markus Böhm mit der Switch 2: Das Gerät wurde Journalisten in Paris präsentiert
Foto: Markus Böhm / DER SPIEGELDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Es ist ein typischer Frühlingstag in Paris, auf der Avenue des Champs-Élysées und den umliegenden Prachtstraßen tummeln sich Touristen. Menschen fotografieren pompöse Bauten oder auch sich selbst, auf der Pont Alexandre III liegt der Fokus auf Selfies mit Eiffelturm im Hintergrund. Dabei lockt wenige Meter weiter ein für Gaming-Fans ebenfalls aufregendes Fotomotiv: An einem Eingang zum Grand Palais, mit Quadriga auf dem Dach, hängen dort zwei große Banner, die von der Zukunft des Gaming künden.

Ungewohnter Anblick in Paris: Nintendo ist zu Gast
Foto: Markus Böhm / DER SPIEGELDer Grand Palais wurde ursprünglich für die Weltausstellung im Jahr 1900 errichtet. Jetzt, 125 Jahre später, hat Nintendo einen Teil davon gemietet, um dort Journalisten, Influencern und ab Freitag auch klassischen Fans ein erstes Ausprobieren seiner nächsten Konsole zu ermöglichen. Sie, die Switch 2, erscheint am 5. Juni und wird in Deutschland rund 470 Euro kosten.
Der SPIEGEL war am Mittwoch vor Ort und konnte dabei sowohl die neue Konsole in Augenschein nehmen als auch mehrere Spiele ausprobieren. Hier ist unser Ersteindruck in Form von zehn Fragen und Antworten.
1. Auf den ersten Blick sieht die Switch 2 aus wie die Switch. Was sind die größten Unterschiede?
Tatsächlich orientiert sich die Switch 2 stark an ihrem Vorgänger aus dem Jahr 2017. Sie ist ein direkter, in den meisten Funktionen ähnlicher Nachfolger. So lässt sich das neue Gerät wie die Switch per Dock an Fernseh- und Computerbildschirme anschließen, aber auch mobil nutzen – auf einem mit 7,9 Zoll jetzt merklich größeren Bildschirm.

Das komplette Switch-2-Paket: Optisch erinnert alles sehr an die Vorgängerkonsole
Foto: Markus Böhm / DER SPIEGELBeim neuen Bildschirm handelt es sich, anders als bei den aktuelleren Switch-Revisionen, nicht um ein OLED-Display, sondern um einen LCD-Screen. Er bietet eine Auflösung von 1080p und kann bis zu 120 Bilder pro Sekunde darstellen – wobei solch hohe Framerates wohl nur bei grafisch simplen Spielen zu erwarten sind. Schließt man sie über das Dock an einen TV oder Monitor an, soll die Switch 2 Auflösungen von bis zu 4K erlauben, dann bei maximal 60 Bildern pro Sekunde. Bei niedrigeren Auflösungen sind an externen Bildschirmen je nach Spiel bis zu 120 Bilder pro Sekunde möglich.
Im Zuge des Wachstumsschubs beim Bildschirm sind auch die Joy-Con-Controller etwas größer geworden. Mit der neuen C-Taste hat das rechte der beiden Mini-Gamepads zudem ein Bedienelement mehr, mit dem man den sogenannten GameChat öffnet (siehe Frage zwei).

Magnetischer Ansteckmechanismus: Eine merkliche Verbesserung
Foto: Markus Böhm / DER SPIEGELDie Joy-Cons werden bei der Switch 2 per Magnetmechanismus an der Konsole befestigt, was das An- und Abstecken viel schneller und simpler macht. Der überarbeitete, in verschiedenen Positionen nutzbare Standfuß erleichtert es, die Konsole etwa auf Tischen aufzustellen.

Neuer Standfuß: Wirkt deutlich stabiler
Foto: Markus Böhm / DER SPIEGELAllgemein bietet die Switch 2 mehr Rechenpower als die in die Jahre gekommene Switch, was sich beim Spielen in Sachen Performance und Grafikqualität bemerkbar machen wird. Entwicklerinnen und Entwickler sollen durch den Powerboost auch beim Umsetzen offener Spielwelten mehr Möglichkeiten haben als bisher.
Dazu, welche Technik genau verbaut wurde, bleibt Nintendo bisher vage. Auf der eigenen Hardware-Übersichtsseite ist von einem »angepassten Prozessor von Nvidia« die Rede. Gerüchten zufolge bewegt sich die Switch 2 leistungsmäßig oberhalb einer Playstation 4, aber deutlich unterhalb einer Playstation 5 – welche sich aber auch nicht als Handheld benutzen lässt.
2. Gibt es auch echte Neuerungen?
Wirklich neu ist, dass sich beide Joy-Controller jetzt auch als Maus benutzen lassen. So wird man in manchen Actionspielen wie dem kommenden »Metroid Prime 4: Beyond« mit einem Joy-Con in der Hand per Stick laufen und gleichzeitig, wie in einem PC-Shooter, den anderen Joy-Con als Maus zum Zielen benutzen können. Auch die Steuerung von Strategiespielen wie »Civilization VII« dürfte im Mausmodus einfacher werden. In meinen Proberunden hat besonders die neue Art der Steuerung zum Beispiel in einem an Airhockey angelehnten Minispiel in »Mario Party Jamboree« gut funktioniert.

Ein Joy-Con als Maus: Ungewohnt, aber praktisch
Foto: Markus Böhm / DER SPIEGELMit »Drag x Drive« hat Nintendo für den Sommer ein speziell auf die Maussteuerung ausgelegtes Sportspiel in Arbeit. Vorstellen kann man es sich als 3-vs-3-Basketball-Game, bei dem die Figuren in Rollstühlen sitzen. Zum Fortbewegen schiebt man beide Joy-Cons in Maushaltung über den Tisch oder die eigenen Oberschenkel. Per Wurfgeste wirft man den Ball in Richtung Korb. Beim ersten Anspielen erwies sich das als originell, primär aber vor allem aber als körperlich anstrengend.
Etwas Anderes, das Nintendo als große Innovation inszeniert, konnte ich noch nicht testen: den GameChat. Dahinter verbirgt sich ein Sprachchat auf Basis eines in der Switch 2 verbauten Mikrofons, bei dem auf Wunsch auch der jeweils aktuelle Spielbildschirm der Chatteilnehmer eingeblendet wird. So können Switch-2-Besitzer via Internet miteinander plaudern und sich beim Spielen zuschauen, auch, wenn sie verschiedene Games spielen.

GameChat-Werbebild: Endlich Sprachchat ohne Smartphone-App
Foto: Nintendo / YouTubeFalls das für Sie jetzt nach Discord, Zoom oder dem Playstation-Party-Chat klingt: So geht es mir auch, wobei das Ganze für Nintendo-Verhältnisse tatsächlich revolutionär ist, denn bei der ersten Switch musste für Sprachchats noch eine Smartphone-App verwendet werden. Ich persönlich stehe den Livekonferenzen bisher trotzdem skeptisch gegenüber, primär, weil die Freunde-Streams schon im Werbevideo ein wenig ruckelig wirken .
Nutzen lässt sich der GameChat nach einer kostenfreien Testphase zudem nur, wenn man ein Nintendo-Switch-Online-Abonnement hat, das für viele Onlinegames aber ohnehin benötigt wird. Wer im GameChat sein Gesicht zeigen will, muss eine für 60 Euro angebotene Switch-2-Kamera kaufen.
3. Welche Zahlen und Fakten sind noch wichtig?
Mit 534 Gramm inklusive Joy-Cons ist die Switch 2 etwas schwerer als ihr Vorgänger, der mit den Controllern ungefähr 400 Gramm wog. Die Akkulaufzeit geht derweil wieder in Richtung der Ursprungs-Switch, mit je nach Spiel und Bildschirmhelligkeit zwei bis 6,5 Stunden. Damit geht dem Gerät deutlich schneller der Saft aus als der aktuellen OLED-Switch.
Fortschritte gibt es beim Speicherplatz: Aus mickrigen 32 Gigabyte (GB) werden 256 GB. Dieser Speicher lässt sich auch wieder erweitern, diesmal jedoch nur mit Speicherkarten des Typs microSD Express.
4. Ist auch die neue Switch gefühlt für Kinderhände ausgelegt?
Wer große Hände hat, hatte es mit der Switch nie leicht. Das Nachfolgegerät ist jetzt zwar insgesamt größer, allerdings sind etwa die Y-, X-, A- und B-Buttons der Joy-Cons nach wie vor recht klein. Verbesserungen gibt es bei den Sticks und den L- und R-Schultertasten, die jetzt etwas größer beziehungsweise länger sind. Auch die SL- und SR-Knöpfe, die beim Spielen mit einzelnen Joy-Cons zum Einsatz kommen, wurden überarbeitet.

Die neuen Controller: Im Detail verbessert
Foto: NintendoMein Eindruck ist trotzdem: Wer die Joy-Cons schon immer zu klein fand, wird auch mit deren neuen Versionen hadern und, zumindest beim Spielen daheim, zum alten oder neuen Pro-Controller greifen, der für große Hände deutlich besser geeignet ist.
Gespannt bin ich auch, wie das Urteil der Spielerschaft zur Mausfunktion ausfällt. Ich jedenfalls bin mir angesichts der kleinen Ablagefläche für die Hand noch unsicher, wie lange man den Joy-Con auf diese Art schmerzfrei am Stück verwenden kann.
5. Wird es zum Release im Juni genug interessante Spiele geben?
Der klare Vorzeigetitel der Switch 2 ist das neue »Mario Kart World«, das für 510 Euro auch im Bundle mit der Konsole verkauft wird. Davon abgesehen erscheinen zur Markteinführung etwa das Koop-Abenteuer »Split Fiction« und die »Ultimate Edition« des Sci-Fi-Games »Cyberpunk 2077« sowie eine für die Switch 2 optimierte Fassung von »Hogwarts Legacy«. Ein neues 3D-»Donkey Kong«-Game namens »Donkey Kong Bananza« folgt am 17. Juli.
Ein kleines Kuriosum ist ein Nintendo-Spiel namens »Nintendo Switch 2 Welcome Tour«. Ab dem 5. Juni soll es mit Minigames helfen, die neue Konsole kennenzulernen. Anders als etwa »Astro’s Playroom«, das der Playstation 5 gratis beiliegt, soll man diese interaktive Einführung aber zusätzlich kaufen, zu einem noch unbekannten Preis.

»Donkey Kong Bananza«: Das Spiel kommt einige Wochen nach der Konsole auf den Markt
Foto: NintendoEine gute Nachricht in Sachen Spieleversorgung ist, dass die allermeisten Switch-Spiele auch auf der Switch 2 laufen. Für einige ältere Spiele gibt es kostenlose Upgrades für Switch-2-Besitzer, etwa für »Super Mario Odyssey«. Im Fall anderer Titel wie »The Legend of Zelda: Breath of the Wild« jedoch muss man für das Spielen überarbeiteter Versionen einen noch unbekannten Aufpreis zahlen oder ein Nintendo-Switch-Online-Abo abschließen, wie Nintendo hier skizziert .
Wer das Online-Abo hat, kann über die Switch 2 ab dem 5. Juni auch auf mehrere GameCube-Klassiker zugreifen, wie »The Legend of Zelda: The Wind Waker« und »Soul Calibur 2«.
6. Was taugt das neue »Mario Kart«?
»Mario Kart World« hinterließ bei mir beim Probespielen einen sehr guten Eindruck, sowohl auf dem TV als auch auf dem Switch-2-Bildschirm. Das Spiel bietet erstmals in der Geschichte der Serie eine Art Open World, in der man von Rennstrecke zu Rennstrecke fahren kann. In einem Erkundungsmodus kann man sogar jenseits der Pisten frei umherdüsen. Zum ersten Mal können sich zudem 24 Fahrerinnen und Fahrer duellieren – auch in einem neuen Knock-out-Modus, in dem schrittweise die jeweils Letztplatzierten ausscheiden.

»Mario Kart World«: Wer wollte nicht schon mal als Kuh durch die Gegend rasen?
Foto: NintendoIm Kern bleibt »Mario Kart« aber »Mario Kart«. Das heißt: Man hasst es oder liebt es, wenn grüne, rote und blaue Panzer umherfliegen und so nicht nur das fahrerische Können über Sieg oder Niederlage entscheidet.
7. Welche Spielankündigung überraschte am meisten?
In Nintendos Switch-2-Präsentation wurde nicht nur eine Portierung des populären Actionrollenspiels »Elden Ring« angekündigt. Völlig unerwartet wurde auch ein gänzlich neues From-Software-Game namens »The Duskbloods« enthüllt, das 2026 exklusiv für die Switch 2 erscheinen soll. Dazu muss man wissen: From Software hat zahlreiche Hardcore-Fans. Als mit »Bloodborne« ein Spiel des Studios exklusiv für die Playstation 4 erschien, war es für viele davon ein wichtiger Grund dafür, sich diese Konsole zu kaufen.

»The Duskbloods«: Das From-Software-Spiel soll 2026 erscheinen
Foto: NintendoNach dem »The Duskbloods«-Trailer war die Aufregung im Netz entsprechend groß. Wobei sich bald ein wenig Skepsis hineinmischte, als durch weitere Informationen klar wurde, dass »The Duskbloods« trotz optischer Ähnlichkeit eben nicht »Bloodborne 2« oder Ähnliches ist, sondern ein Titel, der als Multiplayer-Erlebnis für bis zu acht Spieler konzipiert ist.
8. Was ist das größte Ärgernis rund um die Switch 2?
Sicher, manche Fans haben vergeblich auf ein OLED-Display gehofft und wieder andere ärgerte die ausgebliebene Ankündigung eines neuen 3D-»Super Mario«-Hüpfspiels. Doch es gibt wohl eine Entscheidung Nintendos, die so ziemlich jeden Spielefan erzürnt: die neue Preisstrategie. So wird »Mario Kart World« als Download in Nintendos eShop rund 80 Euro kosten, für die physische Version verlangen Händler sogar 90 Euro. Das ist eine ziemliche Ansage, womöglich mit Signalwirkung für die ganze Gamesbranche.
Zumal bei Nintendo-Blockbustern noch hinzukommt, dass diese on- und offline üblicherweise relativ preisstabil sind. Die Standardversion von »Mario Kart Deluxe 8« etwa kostet in Nintendos eShop derzeit 60 Euro – was vor acht Jahren auch ihr Startpreis war.
9. Brauche ich meine Switch noch, wenn ich auf die Switch 2 wechsele?
Was die Games angeht, dürfte es den meisten Leuten reichen, nur noch eine Switch 2 zu besitzen. Denn nur wenige Switch-Spiele sind nicht oder nicht vollständig mit der Switch kompatibel, eine Übersicht dazu findet sich hier .
Trotzdem gibt es Gründe, die alte Switch zu behalten: Einer davon ist, dass sich die bisherigen Joy-Cons mit der Switch 2 weiterhin nutzen lassen, sofern nicht gerade die Mausfunktion benötigt wird. Zudem soll es eine Funktion namens GameShare ermöglichen, ausgewählte Spiele übers Internet zu teilen. So sind Multiplayer-Matches möglich, bei denen der Host auf der Switch 2 spielt und jemand anderes, der das Spiel gar nicht besitzt, auf der alten Switch. Wie das klappen soll, erklärt Nintendo hier .
Sei es der Game Boy, die Wii oder die Xbox 360: Keiner dieser Spielkonsolen hat sich so oft verkauft wie die Switch. Mit mehr als 150 Millionen abgesetzten Exemplaren liegt Nintendos 2017 erschienener Mix aus Handheld und Heimkonsole ungefähr gleichauf mit dem Nintendo DS von 2004. Nur die Playstation 2, die im Jahr 2000 auf den Markt kam, kann das toppen – wobei auch ihre 160 Millionen Exemplare für die Switch noch erreichbar wirken.
10. Wie wichtig ist es, die Switch 2 vorzubestellen?
Die Erfahrung vergangener Konsolen-Launches zeigt: Wer dringend an Tags eins losspielen will, sollte lieber eine Vorbestellung aufgeben. Wie das Ganze läuft, wird unterschiedlich gehandhabt. MediaMarkt und Saturn etwa haben ihre Vorbestellungen schon in der Nacht zum Donnerstag geöffnet, bei Amazon.de soll man per Button eine Einladung zur Vorbestellung anfordern.
Der My-Nintendo-Store hingegen nimmt Vorbestellungen erst ab dem 8. April entgegen, mit strikten Auswahlkriterien für die erste Runde. »Man muss bis zum 31.03.2025 mindestens zwei Jahre lang ununterbrochen Nintendo-Switch-Online-Mitglied gewesen sein«, heißt es da etwa, und: »Man muss eine gewisse Zeit damit verbracht haben, erworbene/bezahlte Nintendo Switch-Spiele zu spielen, wobei diejenigen mit einer höheren Spielzeit bevorzugt werden.« Für Hardcore-Fans, die gern online spielen, ist das dankbar, für Liebhaber von Singleplayer-Games, die kein Online-Abo benötigen, weniger. Immerhin dürften auf diese Weise viele professionelle Weiterverkäufer effektiv ausgesperrt werden.
Wer vom hohen Startpreis der Switch 2 abschreckt wird, sollte übrigens keine Wunder erwarten: Mit einem baldigen Preissturz für die Hardware ist eher nicht zu rechnen. Vielmehr dürfte zunächst der Preis der ersten Switch weiter fallen. Die OLED-Variante kostet derzeit meist um die 300 Euro.