Machen sie es wirklich?
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat eigentlich schon mehrmals was ausgeplaudert. Vor einigen Wochen deutete er in einer Pressekonferenz eine »Celebrity-Hochzeit« in seiner Stadt an, als es um große Veranstaltungen während des Sommers ging. Als er gefragt wurde, ob er eingeladen sei, sagte der 34-Jährige, er werde zu Hause bleiben und zur Feier des Tages das Lied »Only the Young« von Taylor Swift hören.
Paar Kelce, Swift: Erinnerung daran, wie vielseitig dieses Land ist
Foto: Taylor Swift / Travis Kelce / Instagram / IMAGOAm vergangenen Dienstag legte Mamdani nochmal nach. Im Gespräch mit Journalisten über Maßnahmen wegen der herannahenden Hitzewelle in der Stadt sagte er: »Sollten Sie zufällig im Madison Square Garden heiraten, werden Sie also drinnen sein und es kühl haben. Das ist ein gutes Vorbild für die gesamte Stadt.« (Mehr dazu hier)
Seit Wochen wird spekuliert, wann und wo Taylor Swift und NFL-Spieler Travis Kelce heiraten könnten. Die Hinweise verdichten sich, dass dies heute der Fall sein wird, im Madison Square Garden. Eine riesige, in die Jahre gekommene Mehrzweckhalle. Nicht ganz stilecht, aber immerhin kühl im hitzegeplagten New York.
Stilvoll dagegen ist, die Vermählung auf den Vorabend des 4. Juli zu legen – und nicht direkt auf diesen für viele Amerikanerinnen und Amerikaner wichtigen Tag des 250-jährigen Bestehens der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten (Lesen Sie hier die aktuelle Titelstory dazu). Swift und Kelce kapern den Tag nicht für die Inszenierung privaten Glücks.
Womöglich sind die beiden sogar schon verheiratet – zumindest berichtet das eine nicht immer vertrauenswürdige Quelle (mehr dazu hier). Wie auch immer: Wenn der größte lebende US-Popstar, dieser menschliche Safespace in Pailetten, und einer der bekanntesten Footballstars des Landes, Vertreter eines traditionell doch sehr männlichen Sports, heiraten, dann fragt wohl kaum noch jemand danach, was der Präsident des Landes gerade wieder gesagt oder gemacht hat. Sondern freut sich mit diesem ungleichen Paar, das daran erinnert, wie vielseitig dieses Land ist. Wenn auch nur für diesen einen Tag. Denn morgen geht es weiter, wie Swift singt: »'Cause the players gonna play, play, play, play, play. And the haters gonna hate, hate, hate, hate, hate. Da hilft nur: Alles abschütteln.
XXL-Beerdigung
Ajatollah Khamenei wurde Ende Februar getötet – gleich am ersten Tag der israelisch-amerikanischen Angriffe. Er wurde 86 Jahre alt (lesen Sie hier einen Nachruf). Rund vier Monate nach seinem Tod wird der Oberste Führer der Islamischen Republik Iran nun beigesetzt. Ob Zufall oder nicht: Die Trauerfeierlichkeiten starten am Unabhängigkeitstag der USA. Die sind für Iran der »große Teufel«, während Israel der »kleine« ist.
Vorbereitungen für die Beisetzungszeremonie Khameneis in der Imam‑Khomeini‑Moschee in Teheran: Mörderisches System fest verankert
Foto: Fatemeh Bahrami / Anadolu Agency / IMAGOEs wird wohl das größte und längste Staatsbegräbnis in der Geschichte der Islamischen Republik. Geplant sind sechs Tage mit Trauerzeremonien in mehreren Städten in Iran und Irak, bevor der Leichnam schließlich in seiner Geburtsstadt Maschhad beigesetzt wird. »Es sollen dabei die Bilder entstehen, die das Regime wünscht: Millionen trauernde Menschen, Revolutionswächter, Kleriker und die Staatselite«, sagt meine Kollegin Susanne Koelbl, die seit Jahren über das Land berichtet. »Die Führung will nationale Geschlossenheit demonstrieren.« 20 Millionen Trauernde werden laut iranischen Behörden erwartet.
Von seinen Anhängern verehrt, hat Khamenei sein Land an den Abgrund getrieben. Er hat es zum Paria gemacht, die Menschen verarmen lassen und ein mörderisches System fest verankert. So fest, dass nicht einmal die militärisch weit überlegene Allianz aus USA und Israel es beenden konnte. »Hilfe ist auf dem Weg«, hatte US-Präsident Trump den Iranerinnen und Iranern vor Beginn des Krieges gesagt. Nun sind sie wieder allein mit dem Regime.
Mehr Hintergründe hier: Kommt Khamenei Junior zur offiziellen Beisetzung seines ermordeten Vaters aus dem Untergrund?
Kyjiws bitterer Tag
Den heutigen Freitag hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zum Trauertag erklärt. Dutzende russische Raketen und Hunderte Drohnen hatten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mehrere Wohnhäuser und ein Hotel in der Hauptstadt Kyjiw zerstört. Mindestens 27 Menschen sollen getötet und 91 verletzt worden sein. Der russische Aggressor scheint sich wieder selbst übertroffen zu haben: Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, es sei der schwerste Angriff seit Beginn des Krieges vor mehr als vier Jahren gewesen.
Seniorin vor einem zerstörten Wohnhaus in Kyjiw: Nicht gewöhnen an die Bilder
Foto: Danylo Antoniuk / AP / dpaDie Bilder von trauernden Ukrainerinnen und Ukrainern, die geschockt vor Ruinen stehen, vielleicht um Familienmitglieder und Bekannte bangen, die sich noch in den Trümmern befinden, mitten in ihrer Stadt, einer europäischen Hauptstadt – sie kehren wieder und wieder. Man sollte mit aller Kraft versuchen, sich nicht an sie zu gewöhnen.
In diesen Tagen zeigt sich Russland besonders unerbittlich, weil die Ukraine militärische Erfolge erzielt, so analysieren es meine Kollegin Ann-Dorit Boy und mein Kollege Oliver Imhof. »Stetige Attacken gegen russische Raffinerien haben in diesem Sommer die schwerste Benzinkrise seit Kriegsbeginn ausgelöst« schreiben sie. Besonders schlimm ist die Lage auf der Krim (mehr dazu hier ). Aber die Erfolge könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ukraine Abwehrraketen fehlten.
Die ganze Geschichte hier: Kyjiw zahlt den Preis für die militärischen Erfolge der Ukraine
Cristiano Ronaldo: Ein Treffer beim knappen Sieg
Foto: Eduardo Lima / EPADer 41-jährige Cristiano Ronaldo jubelt, der 40-jährige Luka Modrić trauert. Portugal steht nach einer kniffligen Szene im Achtelfinale. Und: Bastian Schweinsteiger spricht sich für die Klopp-Völler-Kombi beim DFB aus.
Newsblog: Alles Wichtige zu WM-Tag 23.
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Wer Parteitage blockiert, schädigt die Demokratie: Ein breites Bündnis will verhindern, dass die rechtsextreme AfD ihren Parteitag in Erfurt abhalten kann. Das ist falsch .
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Justizpalast Çağlayan in Istanbul: Witze lassen sich nicht wegsperren
Foto: Dilara Senkaya / REUTERS…ist die türkische Justiz. Es gibt dieser Tage viele Festnahmen in der Türkei, die nächste Woche Gastgeberin des Nato-Gipfels ist. Gestern kam eine Festnahme hinzu: Bei seiner Rückkehr aus dem Ausland wurde der prominente Stand-up-Comedian Deniz Göktaş festgenommen. Die Vorwürfe: Verunglimpfung religiöser Werte und Präsidentenbeleidigung. Seit wenigen Tagen konnte jeder, der wollte, seine aktuelle Show »Ölü Deniz« (»Totes Meer«) auf YouTube schauen. Schon lange hat sich wohl niemand mehr in der Türkei öffentlich derart lustig gemacht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Der 32-jährige Göktaş muss gewusst haben, was ihm blüht – und ist dennoch in sein Land zurückgekehrt.
Was die Autokraten dieser Welt nicht verstehen: Die Kritik an ihnen, die Witze über sie, die Wut gehen ja nicht weg, indem man die Absender wegsperrt. Innerhalb von acht Tagen wurde das Video von Göktaş knapp neun Millionen Mal angeklickt.
Mehr zum Thema: An diesem Mann führt gerade kein Weg vorbei
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
USA blockieren offenbar Friedensmission in Somalia: Donald Trump wettert seit Langem gegen die Regierung in Mogadischu. Nun streichen die USA ihre Unterstützung der Friedenstruppe in Somalia. Das könnte drastische Folgen für das Land haben.
SPD-Politiker fordert wöchentlichen Gratis-Tag im Kölner Dom: Ein Besuch der imposanten Kirche am Rhein kostet zwölf Euro. Der SPD-Politiker Jochen Ott verlangt, dass zumindest einmal pro Woche kein Eintritt fällig wird. Die Ausnahme soll allerdings nur für Bürgerinnen und Bürger eines Bundeslandes gelten.
Monacos Justiz erlässt Haftbefehl nach Bombenanschlag: Bei der Explosion einer Paketbombe wurden in Monaco ein ukrainischer Multimillionär, seine Partnerin und der gemeinsame Sohn schwer verletzt. Jetzt gibt es eine Verdächtige: eine Frau, die sich laut Medienberichten als Mann verkleidet haben soll.
Heute bei SPIEGEL Extra: »Die Leute denken, sie müssen etwas über Wein wissen. Müssen sie aber nicht«
Sophia Hegewald / DER SPIEGEL
Welcher Wein passt zu Pommes? Warum liegen Flaschen im Weinkeller? Sommelier Toni Askitis beantwortet auf Instagram Fragen aller Art. Sein Ziel: weniger Snobismus in der Szene, mehr Luxus für alle .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Özlem Topçu, Leiterin des SPIEGEL-Auslandsressorts

vor 2 Tage
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