News: Deutschland und der Irankrieg, Wolfram Weimer unter Druck, Wahlkampf in Rheinland-Pfalz

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Die Lage am Morgen Nach der klaren Absage nun die kleine Kehrtwende?

Heute geht es um die deutsche Marine in der Straße von Hormus. Um den angeschlagenen Kulturstaatsminister Weimer. Und: Wahlkampf in einer Realschule in Rheinland-Pfalz.

20.03.2026, 05.38 Uhr

Hormus dann bald?

Nach der klaren Absage nun die kleine Kehrtwende? »Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen«, deutlicher als dieser Satz des deutschen Verteidigungsministers vom vergangenen Montag hätte die Distanzierung vom Angriff der USA und Israels auf Iran kaum ausfallen können. Wenig später ließ auch der Bundeskanzler per Tweet wissen, Deutschland werde sich »nicht militärisch einbringen« (mehr hier ).

Frachtschiffe im Arabischen Golf

Frachtschiffe im Arabischen Golf

Foto: AP / dpa

Am Mittwoch dann schlug Friedrich Merz in seiner Regierungserklärung andere Töne an: Seine bisherige Haltung schließe nicht aus, »dass wir nach Ende der Kampfhandlung unseren Beitrag dazu leisten, eine Friedensordnung in der Region aufzubauen.« Ähnlich tags darauf wiederum Boris Pistorius: »Wir schließen nichts aus, aber derzeit ist nichts zu entscheiden.«

Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist tatsächlich eine Präzisierung der deutschen Position: Am Irankrieg will man sich nicht beteiligen. An einer internationalen Mission nach Kriegsende oder Waffenstillstand womöglich aber doch.

Bühne frei für den Skandalstaatsminister

In einem einzigen Amtsjahr drei Skandale hinlegen, von denen jeder einzelne einen Rücktritt rechtfertigen würde – das muss man erst einmal hinbekommen. Wolfram Weimer hat es geschafft: Erst kam heraus, dass er mit einem von seiner Medienholding organisierten Tegernsee-Gipfel daran verdiente, zahlende Gäste mit Kabinettskollegen zusammen zu bringen. Dann unternahm er den Versuch, die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle wegen der Äußerungen eines Preisträgers aus dem Amt zu drängen. Und jüngst schaltete er den Verfassungsschutz ein, um linke Buchhandlungen von einer Preisträgerliste zu streichen (mehr hier ).

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

Foto: Jan Woitas / dpa

»So hat Wolfram Weimer parallel das Vertrauen der Politik und der Kultur verspielt«, kommentiert meine Kollegin Hannah Pilarczyk. »Ein ehrbarer Politiker würde sich fragen, wie er unter diesen Umständen noch Politik machen soll, wenn ihm auf allen Seiten die Partner fehlen.« Doch Weimer wolle keine Politik gestalten, »sondern einfach weiter: reden« (zum ganzen Kommentar hier ).

Heute bekommt der glücklose Kulturstaatsminister die Chance, sich auf großer Bühne zu erklären: Die Linke hat im Bundestag eine aktuelle Stunde auf die Tagesordnung setzen lassen, die sich dem Gebaren Weimers widmet. Er sollte erholt ans Pult treten können: Die meisten seiner Termine auf der Leipziger Buchmesse hatte er abgesagt.

Wahlkampf wie auf dem Pausenhof

Eine Schule sollte ein geschützter Ort sein, hier sollten sich Kinder unbehelligt entwickeln können und gefördert werden. An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen scheint das zurzeit nicht möglich zu sein. Weil sich Berichte über gewalttätige Zwischenfälle häuften, ist die Schule in die Schlagzeilen geraten und damit in die Mühlen des Landtagswahlkampfs in Rheinland-Pfalz.

Realschule unter Polizeischutz in Ludwigshafen

Realschule unter Polizeischutz in Ludwigshafen

Foto: Uwe Anspach / dpa

Die konservative Opposition wirft der SPD-geführten Landesregierung Versagen in der Bildungspolitik vor, die Sozialdemokraten beeilen sich mit Hilfsangeboten für die Lehrkräfte und lassen täglich Polizeistreifen patrouillieren. Sogar ein harmloser Imagefilm der Schule ist nun zum Gegenstand der politischen Auseinandersetzung geworden.

»Eltern- und Schülervertreter kritisieren die aufgeregte Debatte«, berichtet mein Kollege Matthias Bartsch aus Ludwigshafen: »Sie sehen darin ein Lehrstück, das zeige, wie schnell eine ins Schlingern geratene Schule im grellen Licht der Öffentlichkeit und des politischen Meinungsstreits immer tiefer in einen Strudel aus Empörung und Negativschlagzeilen gezogen werden könne. Und wie schwierig es sei, da wieder herauszukommen.«

Am kommenden Sonntag wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt (mehr hier ). Mal sehen, wie ausgeprägt das politische Interesse an der Realschule am Montag darauf noch sein wird.

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  • Kriegsfolgen, die alle treffen werden: Für eine Welt, die mehr denn je auf Schulden aufbaut, ist Donald Trumps undurchdachter Krieg gegen Iran eine Katastrophe. Der US-Präsident provoziert einen globalen Finanzcrash .

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Mathematiker Gerd Faltings feiert seinen Preis

Mathematiker Gerd Faltings feiert seinen Preis

Foto: Roberto Pfeil / AFP

…ist Gerd Faltings vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Als erster Deutscher erhält er in diesem Jahr den renommierten Abel-Preis für Mathematik, eine von der norwegischen Regierung gestiftete Auszeichnung. Die norwegische Akademie würdigte Faltings als »eine herausragende Persönlichkeit« in der arithmetischen Geometrie: »Seine Ideen und Ergebnisse haben dieses Gebiet geprägt.«

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • USA und Japan vereinbaren Milliardenprojekt zum Bau von Atomreaktoren: Donald Trump hat mit der japanischen Regierungschefin Sanae Takaichi Milliardeninvestitionen in neue Atomreaktoren in den USA angekündigt. Weitere Milliarden fließen in Gaskraftwerke. Beide erhoffen sich stabile Energiepreise.

  • Lehrerverband hält WhatsApp-Regulierung für »kaum realistisch«: Bildungsministerin Prien will die Jugend vor den Gefahren des Internets schützen und bringt nun auch eine Regulierung von Messengern wie WhatsApp ins Spiel. Der Lehrerverband hält dagegen.

  • Prominente zeigen Solidarität mit Collien Fernandes: Das Unternehmen »Shop Apotheke« setzt Werbespots aus, zahlreiche bekannte Personen, darunter Ricarda Lang und Carolin Kebekus, äußern sich zu Collien Fernandes. Viele wünschen ihr Kraft, einigen fehlen die Worte.

Heute bei SPIEGEL Extra: Fünf Küchenhacks, die in keinem Lehrbuch stehen

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Westend61 / Getty Images

Wer Spitzenköchen über die Schulter schaut, lernt Überraschendes: wie man Hähnchen weich mariniert, warum Apfelsaft in die Marinade gehört, und wieso man Hüttenkäse besser wäscht .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion

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