1. Trainerreiche Abschiede
Julian Nagelsmanns potenzieller Nachfolger Jürgen Klopp: »Grundsätzliche Bereitschaft«
Foto:Markus Ulmer / Ulmer / Teamfoto / IMAGO
Es gibt Jobs, die mir trotz ihrer hervorragenden Bezahlung ausgesprochen unattraktiv scheinen. Fußballbundestrainer zum Beispiel, uiuiui, wäre man das gern, etwa nach einer Niederlage?
Aktuell hoffen viele Menschen in Deutschland, dass zumindest Jürgen Klopp es gern wäre, und laut DFB hat er auch »bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert«. Man werde nun das Gespräch mit ihm suchen; zuvor hatte der DFB die Trennung von Julian Nagelsmann bekannt gegeben.
Der wiederum hat sich inzwischen an die Fans gewandt: »Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben und euch keine weiteren Fußballnächte bei dieser WM bescheren konnten. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!«
Auch wenn die Entwicklung nach dem WM-Aus nicht überraschte, so erschrecke ich doch vor der Schärfe, mit der Nagelsmann in der Öffentlichkeit und im Netz angegangen wurde. Ob die Millionen das aufwiegen können? Und auch Jürgen Klopp beneide ich nicht, trotz seiner exzellenten Verhandlungsposition: Der Erwartungsdruck, der auf ihm lastet, ist immens.
Mein Kollege Jörn Meyn aus dem Sport-Ressort sieht die voraussichtliche Berufung von Jürgen Klopp zwar als die »logische Lösung, hinter der sich ein Großteil der Öffentlichkeit versammeln kann«. Allerdings warnt Jörn, dass ein einzelner »Heilsbringer« nicht helfen kann. Der deutsche Fußball brauche radikalere Reformen.
2. Die Partystimmung lässt noch auf sich warten
Das hübsche Wort »Panne« war heute Nachmittag mehrfach prominent auf SPIEGEL.de zu lesen, und es ging jeweils um die USA und die bevorstehende 250-Jahr-Feier. Bei deren Vorbereitung gab es schließlich mehr als nur eine Panne, heute berichten wir über die neueste: Ein Deckenteil der großen Hauptbühne, die für Trumps »Freedom 250«-Feier gebaut wurde, krachte während einer Probe herunter und verfehlte eine Gruppe von Tänzerinnen nur knapp (hier mehr dazu).
Und der Reflecting Pool strahlt zum Nationalfeiertag am 4. Juli keineswegs im Blau der US-amerikanischen Flagge, wie es von Donald Trump ursprünglich vorgesehen war. In der sommerlichen Hitze haben sich im »Pannenpool«, wie meine Kollegen ihn liebevoll-spöttisch nennen, wieder vermehrt Algen gebildet. Meine Kollegen Martin Jäschke und Andreas Landberg haben sich das Wasserbecken in Washington aus der Nähe angesehen und mit Passanten über dessen Zustand gesprochen. Während einige auf Vandalen schimpfen, die das frisch gestrichene Becken angeblich wieder verhunzt haben, erklärt ein anderer Mann recht überzeugend, dass es unmöglich sein dürfte, ein Becken dieser Größe strahlend blau und algenfrei zu halten – sofern man es nicht wie einen Swimmingpool ausrüste, mit Chlor und Filtertechnik. (Sehen Sie hier das Video.)
3. ... und was heißt das für Sie?
Das Reformpaket der Bundesregierung lässt sich in Gänze für die meisten wohl noch schwer überblicken. Was aber die geplante Einkommensteuerreform konkret für Ihr eigenes Gehalt bedeuten dürfte, kann man schon ausrechnen.
»Seit diesem Donnerstag ist nun klar, für wen wie viel Geld mehr auf dem Konto landen soll – und wer draufzahlen muss«, schreiben meine Kollegen Gerald Traufetter und Ferdinand Holsten. »Generell gilt: Deutlich besser wird es hauptsächlich für Erwerbstätige mit Kindern. Singles profitieren eher weniger.«
Insgesamt bleibe der Entwurf aber hinter den angekündigten Entlastungen zurück, so die Kollegen. Sie haben einen Rechner erarbeitet, mit dem jeder die voraussichtliche Ersparnis oder Zuzahlung anhand des eigenen Einkommens ermitteln lassen kann. (Hier finden Sie ihn. )
Bevor sie aber den dort errechneten Sparbetrag schon einmal in die Urlaubskasse schieben, gibt es hier eine Warnung der Kollegen: »Noch gibt es in dem Rechenmodell eine Ungewissheit, vor allem beim Grundfreibetrag, der die Grenze festlegt, ab der überhaupt Einkommensteuer fällig wird. Dieser Freibetrag berechnet sich aus dem Existenzminimum, das jedes Jahr neu auf Basis der aktuellen Inflation errechnet wird. Ähnliches gilt für den Kinderfreibetrag, der angehoben werden soll. Der SPIEGEL hat sich dabei an den Annahmen orientiert, die das Bundesfinanzministerium für seine eigenen Steuerbeispiele verwendet hat.«
Hier finden Sie die Analyse und den Rechner: Das bedeutet die neue Einkommensteuer für Ihr Gehalt
Was heute sonst noch wichtig ist
Polizei durchsucht Wohnung von gesuchter Ukrainerin in Hessen: Drei Menschen wurden bei einer Explosion in Monaco schwer verletzt. Die Ermittler fahnden nach einer 39-jährigen Frau aus der Ukraine. Nach SPIEGEL-Informationen war sie 2022 nach Deutschland eingereist.
Strafbefehl gegen Linkenpolitikerin: Die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut hat im Januar 2025 berichtet, sie sei in einem Zug angegriffen worden. Danach gab es Zweifel an der Darstellung, und es wurde auch gegen die Politikerin ermittelt – nun gibt es eine Entscheidung.
USA blockieren offenbar Friedensmission in Somalia: Donald Trump wettert seit Langem gegen die Regierung in Mogadischu. Nun streichen die USA ihre Unterstützung der Friedenstruppe in Somalia. Das könnte drastische Folgen für das Land haben.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Koalitionäre Merz, Bas: »Grandioser Misserfolg«
Foto:Clemens Bilan / EPA
Wie Schwarz-Rot in das Krankenschein-Fiasko stolperte: Das Reformpaket von SPD und Union bekommt viel Lob, doch der Ärger über die verpflichtende Krankschreibung ab Tag eins droht den Erfolg zu überlagern. Kippt die Regelung wieder?
Was heute weniger wichtig ist
Kid Rock zu Besuch bei Donald Trump im Oval Office (31. März 2025)
Foto: Saul Loeb / AFP
Im Schaukasten einer Kirchengemeinde in Warburg (NRW)
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Könnten Sie sich einen Wein genehmigen, zumindest nachrichtlich gibt das die Woche durchaus her. Sie sind unsicher, zu welchem Wein Sie greifen sollen? Das liegt nicht unbedingt an Ihnen, habe ich heute in unserem Effilee-Extra gelesen. Dort erklärt Sommelier Toni Askitis, der in Düsseldorf den Laden »Pommes und Wein« betreibt, warum die Weinwelt ein Problem hat. Teils führe Überheblichkeit in der Branche dazu, dass die Leute im Restaurant die Weinkarte weiterreichten wie eine heiße Kartoffel: Such du was aus. »Die Leute denken, sie müssen etwas über Wein wissen. Müssen sie aber nicht«, sagt Askitis. Lesen Sie hier den ganzen Text und seine Empfehlungen .
Und hier gibt es praktische Weintipps für Anfänger und Fortgeschrittene , die Ihnen die Angst bei der Auswahl nehmen können.
Und falls Sie heute Gäste haben, gebe ich gern einen beruhigenden Satz weiter, den ich in einer Hamburger Weinhandlung zu hören bekam, als ich beim Einkauf für eine Party bang fragte: »Was trinken denn die meisten Leute gern?« Die Verkäuferin antwortete lakonisch: »Die meisten Leute trinken das, was da ist.« Cheers!
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Judith Horchert, Blattmacherin in der Chefredaktion

vor 2 Tage
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