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Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. Wie sieht das trockene Europa von oben aus?
Die Hitzewelle peinigt weite Teile Europas, Österreich ist da nicht außen vor. Hier in Wien schwitzen wir heute »nur« bei 29 Grad. Es ist der »kühlste« Tag der laufenden Woche, in der am Dienstag und am Mittwoch bis zu 41 Grad gemessen wurden. Ausgerechnet in der Alpenrepublik fühlt sich der Sommer also eher nach Backofen an.
Motorrad der Wehrmacht: Mehr als 80 Jahre am Grund der Donau
Foto: Gabor Kohlrusz / Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.Die Folgen der hohen Temperaturen und des Wassermangels sind auch donauabwärts zu spüren: In Ungarn musste ein Atomkraftwerk vom Netz genommen werden, in Rumänien ist der Pegel so niedrig, dass Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg sichtbar werden. Besonders eindrucksvoll sind die Fotos, die unsere Kollegen in einem eigenen Beitrag gebündelt haben. In Belgrad und London, in Köln und in Koblenz – überall ähnelt sich die Lage: braune und gelbe Landschaften, kaum oder gar kein Grün. Der Vorher-nachher-Vergleich mit Satellitenaufnahmen macht deutlich, wie dramatisch der Zustand der Natur ist.
2. Können sich Klimaschutz und Wirtschaft vertragen?
Die Kolleginnen und Kollegen haben ein spannendes neues Projekt gestartet: SPIEGEL Solutions. Unter diesem Motto erscheinen ab heute in loser Folge lösungsorientierte journalistische Beiträge , etwa die Mediation: Zwei Personen diskutieren, streiten und gleichen ab, ob sie nicht doch manche Ansichten teilen. Den Anfang machen der CDU-Politiker Sepp Müller und die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Der ostdeutsche Müller, 37, ist Vizefraktionschef der Union im Bundestag. Die westdeutsche Neubauer, 30, ist das deutsche Gesicht von Fridays for Future und Mitglied der Grünen. Es ist ein lesenswertes Gespräch .
Klimaaktivistin Neubauer, CDU-Politiker Müller: »Ja, es gibt bei allen Unterschieden auch Gemeinsamkeiten«
Müller und Neubauer fetzen sich teilweise ordentlich: hier der Konservative, der sich um die schwächelnde Wirtschaft sorgt, auf die Finanzierbarkeit pocht und gegen eine angebliche »Verbotspolitik« der Grünen wettert. Dort Neubauer, die auch angesichts der aktuellen Hitzewelle die energie- und klimapolitischen Maßnahmen der CDU-geführten Bundesregierung kritisiert. Besonders interessant wird, wie sich der kontroverse Dialog entwickelt: Nach der Streitphase kommt die Annäherung und schließlich die Entdeckung von Gemeinsamkeiten.
Müller erzählt von einer Baumpflanzaktion in seinem Wahlkreis. Dort habe er dafür gesorgt, dass gemischte Gruppen zusammenarbeiten: Förster und Jäger gemeinsam mit Fridays-Aktivisten. Müller: »Es kamen danach gestandene Förster zu mir und haben gesagt: ›So schlimm sind die jungen Leute gar nicht.‹ Und die Fridays-Leute kamen und sagten: ›Das war schon cool, mal die andere Seite zu hören.‹« Und die Hamburgerin Neubauer möchte sich mehr Gedanken machen, »warum der andere so argumentiert, wie er argumentiert. Ich habe in der Schule kaum etwas gelernt über Ostdeutschland, und ich schäme mich für diese westdeutsche Bildungspolitik.«
Empathie, mehr miteinander reden, einander kennenlernen, Gemeinsamkeiten finden: Wie, wenn nicht auf diese Weise, entstehen Ideen, wie sich Klimaschutz und Wirtschaft doch miteinander vertragen?
Lesen Sie hier das ganze Streitgespräch: »Es ist schlicht unbezahlbar, weiter auf fossile Energien zu setzen« / »Sie gefährden mit Ihrer Agenda die Demokratie«
3. Warum entschuldigt sich Österreichs Kanzler?
Christian Stocker hat diese Woche einen Bock geschossen. Derzeit tourt Österreichs konservativer Kanzler durchs Land und diskutiert mit Bürgerinnen und Bürgern in kleinerem Kreis. Es ist ein Format, das Stocker eigentlich liegen dürfte: Ich habe ihn als leutseligen Mann kennengelernt, der genau zuhört und bedacht formuliert. Nun machte er Station in Salzburg und wurde von einer Teilnehmerin auf die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung angesprochen, die besonders Mütter oft vor große Belastungen stelle. Die Frau im Publikum betonte dem ORF zufolge, Frauen arbeiteten »ohne Sonntagszuschlag, ohne Wochenende, ohne bezahlten Urlaub«. Stockers Antwort enthielt Sätze wie: »Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit«, und: »Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen.«
Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP)
Foto: Georges Schneider / photonews / IMAGOStocker ist ein Konservativer, aber rückwärtsgewandte Stammtischsprüche kennt man von ihm nicht. Im Laufe des Freitags ruderte er dann auch zurück: Stocker nannte seine Aussage falsch, bat um Entschuldigung »bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen«. Wenn man seinem Lapsus einen positiven Aspekt abgewinnen will, dann diesen: Der österreichische Kanzler hat binnen eines Tages seinen Fehler eingestanden und sich korrigiert. Diese Fähigkeit zur zeitnahen Selbstkritik würde anderen Spitzenpolitikern auch gut stehen, dem deutschen Kanzlerkollegen inklusive.
Lesen Sie hier mehr: »Kinderbetreuung ist für mich keine Arbeit«, sagt Österreichs Bundeskanzler
Meine Lieblingsgeschichte heute: Wie die »Grande Épicerie« den Foodie noch überraschen kann
Wenn man viel Zeit in Wien verbringt, wächst die Sehnsucht nach anderen, leicht erreichbaren Städten. Unsere Pariser Kollegin Nadia Pantel hat mir – einem bekennenden Foodie – nun einen guten Vorwand geliefert, die nächste Reise in die französische Hauptstadt anzudenken. In einem opulenten Stück über die »Grande Épicerie« macht sie reichlich Appetit. Nicht nur das: Der Besuch lohne sich auch »für Menschen, die es zu schätzen wissen, wenn der Überfluss offen seine groteske Seite zeigt«, schreibt sie. Der in einem Kaufhaus untergebrachte Fresstempel bietet Olivenöl für 90 Euro pro Liter, Hühner mit Federn und Schnabel sowie ein Regal mit Nahrungsergänzungsmitteln für Hunde, die unter »Anspannung« leiden.
Dank Nadia habe ich nun gelernt, dass der Döner in Frankreich tendenziell als deutsches Essen gilt. Und dass man die in der »Grande Épicerie« erstandenen Köstlichkeiten in einem nahe gelegenen Park verspeisen sollte. »Man kann sich in der Grande Épicerie eine Art vergoldetes Picknick in den Einkaufskorb legen (beste Pasteten, feinste Schokolade und ein aus sonst wo importiertes Edelwasser) und sich dann auf eine dieser Bänke setzen«, rät Nadia. Nachsatz: »Am besten vormittags, dann lassen sich die älteren Damen beobachten, die hier zwischen den Touristen auftauchen wie seltene Eisvögel.« Speisen und schauen – wenn das kein guter Grund ist, bald nach Paris zu reisen.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Alles, von dem man nicht wusste, dass man es braucht, gibt es in diesem Pariser Fresstempel
Was heute weniger wichtig ist
97-jährige Betty Bromage
Foto: Andrew Matthews / PA Wire / dpaÜberfliegerin: Betty Bromage, 97, hat mit einer waghalsigen Aktion einen Weltrekord aufgestellt. Die Britin hat sich stehend auf einen Doppeldecker schnallen lassen. Gemeinsam mit dem Fluggerät hat Bromage dann munter Kurven und Loopings gedreht. Bromage ist damit die älteste »Wingwalkerin«. Angesprochen auf ihr Motiv verwies die Greisin auf ihre altersbedingten Einschränkungen. Das sei »frustrierend«, also mache sie das, was sie noch tun könne. »Sonst langweilt mich das Leben.« Und einen guten Zweck hatte das Spektakel auch: Bromage sammelte Spenden für eine Schlaganfallstation, auf der sie vergangenes Jahr noch Patientin war.
Aus dem »Höchster Kreisblatt«
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Klaus Stuttmann
Empfehle ich nach einem morgendlichen Bad in einem Gewässer ein schattiges Plätzchen zu suchen, um zu lesen. Etwa im Büchlein »Isoldes Flucht aus der DDR«. Darin haben die Ostdeutsche Isolde und der Schwede Hans Christian ihre Liebesgeschichte aufgeschrieben. Es ist eine packende Story: Die Ost-Berliner Medizinstudentin und der Genfer Student vergucken sich in einem vollen Zug nach Budapest ineinander, 1965 war das. Der Kalte Krieg trennt die Liebenden, deshalb entwickeln sie einen tollkühnen Plan. Hans Christian lernt fliegen, dann leiht er sich eine kleine Maschine aus. Schließlich holt er seine Isolde von einer Wiese in der damaligen Tschechoslowakei ab und schwebt mit ihr über den Eisernen Vorhang nach Österreich. Im Sommer 1966 war das, vor 60 Jahren. Isolde und Hans Christian Cars sind immer noch glücklich, das betagte Paar hat fern von Berlin und Schweden eine Heimat gefunden: Sie leben hier, in dieser Stadt.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Herzlich
Ihr Oliver Das Gupta, Wien

vor 2 Stunden
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