Vielleicht noch eine Nachbetrachtung zur Pandemie. Was sich seither nicht geändert hat, das ist, dass der Mensch essen muss. Pizza zum Beispiel, ein, wie womöglich nicht jeder direkt parat hat, „vor dem Backen würzig belegtes Fladenbrot aus einfachem Hefeteig aus der italienischen Küche“ (Wikipedia). Dass die Deutschen hier nur zögerlich auf den Geschmack kamen, kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an (Ekel) Alfred Tetzlaff aus der Reihe „Ein Herz und eine Seele“, der behauptete, Pizza schmecke „wie ’ne vollgepisste Wolldecke“. So etwas würde heute niemand mehr sagen. Zu sehr ist die Pizza in allen Varianten ins gesellschaftliche Leben eingeflossen.
Mit der Pizza spazieren gehen
In Amerika gab es die Pizza Connection, ein Drogenring der Mafia, die zur Tarnung ihrer Geschäfte Pizzerien betrieben. Mit Bindestrich bezeichnet der Begriff die anfangs noch Aufsehen erregenden informellen Treffen zwischen schwarzen und grünen Bundestagsabgeordneten zuerst noch in Bonn, dann in Berlin, die eben beim Italiener stattfanden. Es spricht nicht nur geschmacklich, sondern auch, was ihre Transportfähigkeit betrifft, für die Pizza, dass eindeutig sie es war, was die Leute während der Pandemie am meisten in Restaurants zum Abholen bestellten und dann nach Hause trugen.
Jeden Abend sah man in seiner Straße welche mit den flachen, oft mit den italienischen Landesfarben bedruckten und ohne jedes Aluminium oder Plastik auskommenden Pappkartons, die allerdings den Nachteil haben, dass ihr Inhalt relativ schnell kalt wird, so dass eine gewisse Eile geboten ist, wenn man ihn noch warm verzehren will. Daran haben sich die Leute offenbar so sehr gewöhnt, dass sie sich die Pizza nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Wenn nicht alles täuscht, tauchen während der Essenszeiten neben den auf ihren Rädern immer martialischer daherkommenden Lieferdienstmitarbeitern jetzt sogar noch mehr private Selbstabholer auf.
Viele von ihnen scheinen keinen Wert darauf zu legen, ihre Beute warm zu vertilgen, denn sie haben es erstaunlich uneilig und tragen sie geradezu spazieren. Fast scheint es, als wären die Pizzakartons jetzt ein Alltagsaccessoire, das zum Auftritt in der Öffentlichkeit einfach dazugehört, wie früher in der Kaugummiwerbung die Leute reihenweise mit diesen grotesk überdimensionierten Wrigley’s Spearmint-Packungen unterm dem Arm herumliefen. Damals hieß es: „Nimm die große, echte Frische, was immer du tust, wo immer du bist.“ Nie war dieser Ratschlag so wertvoll wie heute, jedenfalls für alle, die nach der Pizza reinen Atem haben wollen.

vor 6 Stunden
1









English (US) ·