Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.
Worauf wir uns im März freuen
»Vladimir« auf Netflix
»Während ich dies schreibe, schaue ich auf Vladimirs wohlgeformten, bronzefarbenen, gegen die Stuhllehne gesunkenen Kopf.«
Im von Netflix adaptierten Roman »Vladimir« begehrt eine Literaturprofessorin (Rachel Weisz) einen jüngeren Kollegen. Sie ist verheiratet und Ende fünfzig. Dass auch ältere Frauen jüngere Männer begehren können, ist nicht erst seit »Babygirl « in Hollywood angekommen. Womit die neue Netflix-Serie »Vladimir« heraussticht, ist die eben zitierte Buchvorlage. Julia May Jonas schrieb den Roman 2022, fünf Jahre nach dem Beginn der #MeToo-Bewegung. Und statt einer platt-erotischen Romanze mit Altersunterschied gelang es ihr, zeitgemäße Diskussionen rund um Moral, Sinnlichkeit und Ideologie zu verhandeln. Ob das der Netflix-Adaption auch gelingt? Spicy wird es mit Sicherheit so oder so. Die Rezension zu »Vladimir« lesen Sie hier . Ab 5. März läuft die Miniserie auf Netflix an.
Rachel Weisz und Leo Woodall in »Vladimir«: Vorstellung oder Wirklichkeit?
Foto: Courtesy of Netflix © 2026 / Netflix»Celeste« in der Arte-Mediathek
Weniger spicy klingt erst mal das Thema Steuerprüfung. »Kannst du mit der langweiligsten Person Spaniens den aufregendsten Thriller drehen?«, fragte sich laut dem US-Magazin »Variety« Diego San José. Herausgekommen ist seine Serie »Celeste«: Darin soll eine spanische Steuerprüferin kurz vor der Rente einen weltbekannten Popstar auf millionenschweren Steuerbetrug prüfen – und gerät in ein Netz aus Lügen und Betrug. »Celeste« orientiert sich lose an Fällen wie dem von Shakira und schafft es, Satire, Komödie und Thriller gleichzeitig zu sein. Ab 6. März ist die spanische Serie in der Arte-Mediathek zu sehen.
»Scrubs« kommt zurück
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»I know I'm no Superman« – schon dass jede Folge »Scrubs – Die Anfänger« mit diesen Textzeilen eingeleitet wurde, ist bezeichnend. Die ungewöhnliche Comedyserie schaffte es, dem Krankenhausalltag mithilfe von Sitcom-Humor und den Tagträumen des Assistenzarztes John Dorian alias J.D. gerechter zu werden als so manch teuer produziertes Drama. Das damals wie heute ungewöhnliche Konzept entwickelte Serienmacher Bill Lawrence, der J.D. einem guten Freund aus Collegetagen nachempfand: Jonathan Doris erzählte ihm regelmäßig von seinen Erlebnissen im Krankenhaus und fungierte später als medizinischer Berater der Serie.
Machart und Konzept waren kreativ und neu, was Hoffnung schürt, dass sich die nun erscheinende Fortsetzung nicht in die lange Liste einfallsloser Serien-Neuauflagen einreiht, deren einziger Mehrwert es ist, die Nostalgie alternder Millennials zu füttern. Denn auch der Cast von »Gilmore Girls« und »Sex and the City « traf sich bereits im Streaming wieder. Ob die 10. Staffel »Scrubs« mehr kann, ist ab 25. März in neun Folgen bei Disney+ zu sehen.
»Ein einfacher Unfall« auf MUBI
Mohamad Ali Elyasmehr, Majid Panahi und Hadis Pakbaten in »Ein einfacher Unfall«: Werden Sie Rache üben?
Foto: MubiDagegen hochaktuell ist Jafar Panahis mutiger Politthriller »Ein einfacher Unfall«. Ein Mann fährt nachts einen streunenden Hund an, sein Wagen bleibt liegen, und er sucht sich Hilfe in einer nahe gelegenen Werkstatt. Der Mechaniker Vahid, ein Ex-Häftling des iranischen Regimes, meint im Geräusch der Beinprothesen seinen ehemaligen Peiniger wiederzuerkennen. Der einfache Unfall entwickelt sich so zu einem moralischen Dilemma.
Wieder drehte Jafar Panahi unter erschwerten Bedingungen in seiner Heimatstadt Teheran. Wieder erzählt der Film viel über sein eigenes Leben. Denn auch Panahi wird seit Jahren wegen seiner sozialkritischen Filme vom Regime drangsaliert, verarbeitet hier auch eigene Hafterfahrungen, wie er sagt. Das Ringen mit der über allem schwebenden Vergangenheit, das Ringen um Moral, um Gerechtigkeit, ist sein eigenes. Ab dem 6. März startet der Cannes-Gewinner auf MUBI.
Was im März anläuft – die Übersicht
Was sich aktuell lohnt (und was nicht)
Die umschwärmte Groschenroman-Serie »Bridgerton« läutete Ende Februar den zweiten Teil der vierten Ballsaison ein. »Heated Rivalry« lief endlich auch in Deutschland an und die Olympischen Winterspiele schrieben bessere Einzelgeschichten als jede deutsche Serie . Was wurde noch geboten?
»Lord of the Flies« auf Wow (Sky)
Szene aus »Lord of the Flies«: Die BBC-Serie ist die erste Adaption des Romanklassikers
Foto: Lisa Tomasetti / SkyEine Gruppe Jungen strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer tropischen Insel. Im Versuch, ein funktionierendes System aufzubauen, entwickeln sich schnell Machtkämpfe, Paranoia und Gruppendynamiken. Das zutiefst beunruhigende Gefühl, das sich beim Lesen der Nachkriegs-Allegorie von William Golding entfaltet, überträgt sich auch in der Serienadaption von »Herr der Fliegen«. Es hallt durch die bedrohlich laute Kulisse des Urwalds.
Dabei geht es um das Biest in uns, das Böse im Mann. Ein Stoff, der zu Serienmacher Jack Thorne (»Adolescence«) passt. Am düsteren Originalstoff von Golding kann sich die bislang erste Serienadaption zwar nicht messen. Dennoch schafft die BBC-Serie es, mit herausragenden Jungdarstellern eine starke Allegorie darüber zu erzählen, wie zerbrechlich Demokratie ist – und wie schnell sie kippen kann. Seit Ende Februar ist »Lord of the Flies« bei Wow (Sky) zu sehen.
»Blossoms Shanghai« auf MUBI
Szene aus »Blossoms Shanghai«
Foto: junsoo / MubiWong Kar Wais Filme sind ein Vibe, stilverliebt und in Melancholie badend. Als der chinesische Regisseur 1997 für »Happy Together« den Regiepreis von Cannes erhielt, erklärte Jean-Luc Godard, er habe die Bilder sprechen hören wie ein Gedicht. Spätestens mit »In the Mood for Love« wurde Wong zu einem der größten Regisseure unserer Zeit.
In der MUBI-Serie »Blossoms Shanghai« erzählt er nun ein Wirtschaftsepos im China der Neunzigerjahre, damals geprägt von den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Kalten Krieg. Prunkvoll begleitet er den gesellschaftlichen Aufstieg des Arbeiters Bao (Hu Ge) in die Finanzwelt und erzählt damit eine Geschichte über die Kapitalisierung Chinas. Dafür lässt er sich stolze dreißig Episoden Zeit. An seine Filme mag das nicht herankommen, aber Wongs Stil bleibt unverkennbar. Schon dafür lohnt sich »Blossoms Shanghai«.
»Reality Check: Inside America's Next Top Model«
Kandidatinnen in der Castingshow »America's Next Top Model«: Ihre Herabwürdigung gehört hier zum Erfolgskonzept
Foto: NetflixShootings, bei denen die Kandidatinnen als Gewaltopfer oder Obdachlose posen sollten. Eine junge Frau, die versprechen musste, sich ihre Zahnlücke schließen zu lassen, um eine Runde weiterzukommen. Und ein mutmaßlicher sexueller Übergriff am Set, der dann in der Show ausgeschlachtet wird: Die Liste menschlicher Tiefpunkte in der amerikanischen Castingshow »America's Next Top Model« ist lang und traditionsreich. Bodyshaming und Manipulation gehören zum Kern der Show, das ist kein Geheimnis.
Die neue Netflix-Doku »Reality Check: Inside America's Next Top Model« will sich nun in Selbstkritik üben, gar Aufarbeitung wagen. Doch am Ende werden nur problematische Szenen gezeigt, etwas oberflächliche Kritik geäußert und dann das Image gepflegt. Die Doku bleibt leider ein PR-Vehikel, wie Anja Rützel in ihrem SPIEGEL-Text schreibt . »Das System sanktioniert solche Momente nicht«, es recycelt sie, aus einer Grenzüberschreitung wird ein Format-Element. Und so wird auch gleich die nächste Staffel der Castingshow angekündigt.
Serien, die im Februar anliefen
Streamingtipps aus dem Archiv – Oscars' Edition
Michael B. Jordan in »Blood & Sinners«: Für seine Rolle ist er als bester Hauptdarsteller bei den diesjährigen Oscars nominiert
Foto: Warner Bros.Vielleicht haben Sie aber gar keine Zeit, um sich über Castingshows aufzuregen oder neue Serien anzusehen, weil Sie viel zu beschäftigt sind, im Kino noch möglichst alle Oscar-Nominierten zu sehen. Denn am 16. März werden in Los Angeles wieder die begehrtesten Goldstatuen der Filmbranche vergeben.
Einen Gewinner gibt es jedoch schon jetzt: Mit 16 Nominierungen hat »Blood & Sinners« einen neuen Rekord aufgestellt. Zurecht? »Dieser Vampirfilm ist so toll, dass man dafür seine Seele verkaufen möchte«, schreibt SPIEGEL-Redakteur Wolfgang Höbel . Dabei wird das Label »Horror« Ryan Cooglers Film nicht gerecht: In den US-Südstaaten der Dreißigerjahre, geprägt von Segregation und Sklaverei, eröffnen zwei Zwillingsbrüder einen Nachtclub für die schwarze Community. Bald bedroht sie eine Gruppe Vampire. Es geht um den Blues, der den Menschen Halt gibt, die afroamerikanische Kultur – es ist aber auch ein blutiger Vampirfilm. Der gelungene Genremix ist bereits seit einiger Zeit bei Wow (Sky) zu sehen oder zum Kaufen bei Amazon Prime und Apple TV+ erhältlich.

vor 2 Stunden
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