Israel Katz will den Militäreinsatz im Gazastreifen ausweiten und "große Gebiete" besetzen. Die Bundesregierung lässt offenbar 19 Deutsche ausfliegen. Das Liveblog
Aktualisiert am 2. April 2025, 7:49 Uhr
- In der Nacht zum 18. März hat Israel seine Angriffe auf den Gazastreifen wiederaufgenommen. Damit endete die Waffenruhe, auf die sich Israel und die Terrororganisation Hamas geeinigt hatten. Sie war am 19. Januar in Kraft getreten.
- Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 ist die Lage in Nahost immer weiter eskaliert. Im Libanon kämpfte Israel gegen die vom Iran unterstützte Terrormiliz Hisbollah – auch dort gilt derzeit eine brüchige Waffenruhe.
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- Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters.
Israels Verteidigungsminister Katz will "große Gebiete" im Gazastreifen besetzen
Israel will nach Angaben von Verteidigungsminister Israel Katz seinen Militäreinsatz im Gazastreifen ausweiten und "große Gebiete" in der Region besetzen. Ziel sei es, "Terroristen und terroristische Infrastruktur" zu zerstören, sagte Katz. "Große Gebiete" des Gazastreifens sollten zu "israelischen Sicherheitszonen" werden. Die Kampfgebiete würden in großem Umfang evakuiert. Katz rief zudem die Bevölkerung des Gazastreifens dazu auf, die radikal-islamische Hamas zu vernichten und die israelischen Geiseln freizulassen. Dies sei der einzige Weg, wie der Krieg beendet werden könne.
Künftiger US-Botschafter will Großbritannien zu Waffenlieferungen bewegen
Der designierte US-Botschafter in Großbritannien will die britische Regierung von Waffenexporten an Israel überzeugen. Der Investmentbanker Warren Stephens sagte bei seiner Anhörung zur Bestätigung vor einem Senatsausschuss, er sei "ein wenig ratlos" über die Entscheidung des britischen Premierministers Keir Starmer.
Großbritannien hatte im vergangenen Jahr angekündigt, wegen Völkerrechtsbedenken Exportgenehmigungen für Israel auszusetzen. "Ich würde meinen Teil dazu beitragen, sie zu ermutigen, diese Genehmigungen wieder in Kraft zu setzen", sagte Stephens.
UN weisen Israels Aussagen zu Lebensmittelversorgung im Gazastreifen zurück
Die Vereinten Nationen (UN) haben Israels Angaben, wonach es im Gazastreifen ausreichend Lebensmittel für einen längeren Zeitraum gebe, zurückgewiesen. "Unsere Vorräte gehen zur Neige", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric vor Journalisten. Er verwies darauf, dass alle 25 vom Welternährungsprogramm unterstützten Bäckereien schließen mussten. "Das WFP macht seine Bäckereien nicht zum Spaß zu", sagte Dujarric.
Am 2. März hatte Israel die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff und humanitärer Hilfe in den Gazastreifen gestoppt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte angekündigt, man werde die Einfuhr aller Waren und Hilfsgüter erst wieder zulassen, wenn die Hamas alle Geiseln freilasse.
Bundesregierung holt mutmaßlich 19 Deutsche aus dem Gazastreifen
Die Bundesregierung hat laut einem Bericht 19 deutsche Staatsbürger und deren enge Familienangehörige aus dem Gazastreifen ausfliegen lassen. Die Ausreise sei "in enger Abstimmung mit den israelischen Behörden" vollzogen worden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das Auswärtige Amt. Dabei sei der Grenzübergang Kerem Schalom genutzt worden. Die Weiterreise sei dann über einen Flughafen in Südisrael direkt nach Deutschland erfolgt, heißt es bei Reuters weiter.
Palästinensischer Schüler stirbt in israelischer Haft
Ein 17 Jahre alter Jugendlicher aus dem besetzten Westjordanland ist in einem israelischen Gefängnis unter noch ungeklärten Umständen gestorben. Der 17-Jährige sei kollabiert, teilte die palästinensische Autonomiebehörde mit.
Nach Angaben seiner Familie war der Schüler gesund, ehe er im September 2024 wegen des Vorwurfs, Soldaten mit Steinen beworfen zu haben, festgenommen wurde. Demnach könnte eine Infektion durch die widrigen Haftbedingungen zum Tod geführt haben. Zuvor hatten Menschenrechtsgruppen über schwere Misshandlungen und Folter in israelischen Gefängnissen berichtet. Tausende Palästinenser wurden seit dem Terrorangriff der Hamas inhaftiert.
Mit dem Tod des Jugendlichen sind seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2023 bereits 63 Palästinenser aus dem Westjordanland oder dem Gazastreifen in israelischer Haft gestorben, wie die Autonomiebehörde mitteilte. Er sei der erste palästinensische Häftling unter 18 Jahren, der in einem israelischen Gefängnis umgekommen sei.
Die israelische Strafvollzugsbehörde reagierte zunächst nicht auf Fragen nach der Todesursache des Jugendlichen. Die Gefängnisbehörden bestreiten systematische Misshandlungen von Häftlingen. Gleichzeitig räumte das übergeordnete israelische Ministerium ein, dass die Bedingungen in den Haftanstalten auf den Mindeststandard heruntergefahren worden seien, der nach israelischem Recht erlaubt sei.
Drei Palästinenser nach Siedlerangriff im Westjordanland verletzt
Im besetzten Westjordanland sind zahlreiche israelische Siedler in das palästinensische Dorf Duma eingedrungen und haben dabei Feuer gelegt. Das berichtete die israelische Zeitung Ha'aretz. Dabei sollen drei Palästinenser verletzt worden sein. Bei den Verletzten handelt es sich dem Bericht zufolge um drei Männer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren mit Schusswunden an Augen, Armen und Beinen.
Nach Angaben des Gemeindevorstehers von Duma waren Hunderte von Siedlern an dem Angriff beteiligt. Israelische Soldaten am Ort hätten Tränengas auf die Palästinenser geschossen.
Die israelische Armee teilte mit, dass die genauen Ereignisse noch nicht geklärt seien. Am Abend hätten jedoch zahlreiche Siedler palästinensisches Eigentum in Brand gesetzt. Die Soldaten hätten dort in die Luft geschossen, "nachdem sie sich bedroht fühlten", hieß es. Den israelischen Angreifern soll es gelungen sein, zu fliehen. Sie sollen dabei einen Polizisten mit einem Fluchtauto überfahren haben. Dieser blieb jedoch unverletzt.
Hunderte Kinder laut UN seit Scheitern der Waffenruhe getötet
Mitte März hat Israel die Angriffe auf den Gazastreifen wieder aufgenommen, nachdem sich beide Seiten nicht auf eine Verlängerung der Waffenruhe einigen konnten. Seitdem sind laut dem Hilfswerk Unicef mindestens 322 Kinder gewaltsam gestorben. Das gehe aus verschiedenen Berichten hervor, teilte Unicef mit.
Weitere 609 Kinder seien verletzt worden. Die meisten von ihnen seien Vertriebene gewesen, die in behelfsmäßigen Zelten oder beschädigten Häusern Zuflucht gesucht hätten. Die Zahlen umfassten auch Kinder, die Berichten zufolge bei einem Angriff auf die chirurgische Abteilung des Al-Nasser-Krankenhauses im Süden Gazas am 23. März getötet oder verletzt worden seien.
Die erneute Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der Terrormiliz Hamas und die vollständige Blockade der Hilfslieferungen in den Gazastreifen seit mehr als drei Wochen gefährdeten die Zivilbevölkerung, teilte Unicef mit. Dies betreffe insbesondere eine Million Kinder, die sich in der Region aufhielten.
Libanon meldet vier Tote nach israelischem Angriff
Bei dem israelischen Angriff im Süden von Beirut in der vergangenen Nacht sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens vier Menschen getötet worden. Dem israelischen Militär zufolge galt der Luftangriff einem Mitglied der radikal-islamischen Hisbollah, das kürzlich der Terrororganisation Hamas geholfen haben soll.
Libanons Führung warf Israel zunehmende Aggression vor und verurteilte den jüngsten Luftangriff als eklatanten Verstoß gegen die im November vereinbarte Waffenruhe. Die US-Regierung teilte dagegen mit, Israel verteidige sich gegen Raketenangriffe aus dem Libanon. "Die Feindseligkeiten haben wieder begonnen, weil Terroristen Raketen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert haben", schrieb ein Sprecher des Außenministeriums in einer E-Mail und fügte hinzu, dass die US-Regierung Israels Vorgehen unterstütze. Von der Hisbollah lag keine aktuelle Stellungnahme vor. Sie hat aber bereits jede Beteiligung an den Raketenangriffen bestritten.
Netanjahu hebt Ernennung von Geheimdienstchef wieder auf
Benjamin Netanjahu hat seine Entscheidung, den ehemaligen Marinekommandanten Eli Scharvit als neuen Geheimdienstchef zu ernennen, wieder zurückgezogen. Der israelische Ministerpräsident wolle "nach weiterer Überlegung andere Kandidaten prüfen", teilte sein Büro mit. Das habe Netanjahu selbst Scharvit mitgeteilt.
Gründe wurden nicht genannt. Nach Medienberichten hatte es Kritik an der geplanten Ernennung Scharvits gegeben, weil dieser an Protesten gegen die Regierungspolitik teilgenommen und den US-Präsidenten Donald Trump für dessen Klimapolitik kritisiert habe. Am Montag erst hatte Netanjahus Büro mitgeteilt, Scharvit solle Nachfolger von Ronen Bar als Leiter des Geheimdienstes Schin Bet werden.
Enge Berater von Netanjahu unter Korruptionsverdacht festgenommen
Der israelische Innengeheimdienst Schin Bet ermittelt, ob Vertraute des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu Bestechungsgelder aus Katar angenommen haben. Nun wurden zwei Verdächtige festgenommen.
Netanjahu spricht von "politischer Hexenjagd", die Opposition wirft ihm vor, Ermittlungen zu sabotieren. Hintergrund ist Netanjahus Vorstoß, den Schin-Bet-Chef Ronen Bar zu entlassen. Vor dem israelischen Parlament gab es unterdessen erneut Demonstrationen gegen Netanjahu.
Israelisches Militär greift Hisbollah-Ziel in Vorort Beiruts an
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen Angriff auf einen Hisbollah-Terroristen in den südlichen Vororten von Beirut durchgeführt. "Der Angriff richtete sich gegen einen Hisbollah-Terroristen, der kürzlich Hamas-Aktivisten angeleitet und ihnen bei der Planung eines bedeutenden und unmittelbar bevorstehenden Terroranschlags gegen israelische Zivilisten geholfen hatte“, teilte die Armee in den frühen Morgenstunden mit.
Flugzeuge seien im Tiefflug über die libanesische Hauptstadt geflogen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Zeugen in der Stadt. In Beirut waren demnach laute Explosionen zu hören.
Trump plant erste Auslandsreise in den Nahen Osten im Mai
US-Präsident Donald Trump will schon bald mehrere Länder im Nahen Osten besuchen. Die Reise könnte schon im Mai stattfinden, wie er am Montag (Ortszeit) mitteilte. Er plane Besuche in Saudi-Arabien, Katar, den Arabischen Emiraten und "auch in anderen Orten", sagte Trump weiter. Weitere Details nannte er zunächst nicht.
Dass er nach Saudi-Arabien reisen wird, hatte Trump bereits zuvor angekündigt. Er wolle das Land damit für seine Investitionen in die Vereinigten Staaten belohnen. Er kündigte an, dass alle drei Golfstaaten während seiner Reise Zusagen zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA machen würden.
Fundort der Leichen von im Gazastreifen getöteten Rettungskräften wirft Fragen auf
Die Leichen von 15 im Gazastreifen getöteten Rettungskräften sind nach UN-Angaben aus einem Grab im Süden der Region geborgen worden. Einem Sprecher des UN-Nothilfebüros zufolge habe die Grabstätte einem großen Sandberg geähnelt, der eher von einem Bulldozer als von einer Explosion herrührte, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Leichen seien nahe "demolierter, klar markierter Fahrzeuge“ begraben worden, teilte UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher im Kurznachrichtendienst X mit. "Sie wurden von der israelischen Armee getötet, während sie versuchten, Leben zu retten. Wir verlangen Antworten und Gerechtigkeit.“
Einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge haben die UN Videoaufnahmen von der Bergung der Leichen. Darauf sei zu sehen, wie mehrere mit orangefarbenen Rettungswesten bekleidete Leichen ausgegraben werden, einige von ihnen aufeinanderliegend. Auch mehrere Krankenwagen und ein UN-Fahrzeug wurden demnach im Sand entdeckt. Die israelische Armee bestätigte zwar, die Bergung der Leichen ermöglicht zu haben. Zu Details und Rückfragen äußerte sie sich aber bislang nicht.
UNRWA verurteilt "Zwangsumsiedlung" von Menschen im Gazastreifen
Der Chef des UN-Hilfswerks für geflüchtete Palästinenser (UNRWA) hat israelische Evakuierungsbefehle für den Gazastreifen verurteilt. "Die israelischen Behörden haben heute weitere Zwangsumsiedlungen in Rafah angeordnet, von denen über 140.000 Menschen betroffen sind", schrieb er auf X.
Die ständigen militärischen Befehle spielten mit dem Schicksal und dem Leben der Menschen. "Wohin sollen die Menschen gehen? Im Gegensatz zu anderen Konflikten, in denen die Bevölkerung Sicherheit finden kann, wird der Gazastreifen überall bombardiert", schrieb Lazzarini.
Zuvor hatte das israelische Militär die Menschen in Rafah und in den umliegenden Gebieten im südlichen Gazastreifen aufgefordert, ihre Wohnorte zu verlassen. Die israelischen Evakuierungsanordnungen im Gazastreifen verstoßen nach Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros gegen "die Anforderungen des humanitären Völkerrechts". Nach Angaben der israelischen Zeitung Ha'aretz handelt es sich um das größte Gebiet, das die israelische Armee seit Bruch des Waffenstillstands im Gazastreifen vor etwa zwei Wochen räumen ließ.
Hamas fordert bewaffneten Widerstand gegen Umsiedlung von Palästinensern
Angesichts des Plans von US-Präsident Donald Trump, die palästinensische Bevölkerung aus dem Gazastreifen zu vertreiben, hat die Terrororganisation Hamas zum bewaffneten Widerstand aufgerufen. "Angesichts dieses teuflischen Plans, der Massaker und Hungersnot verbindet, muss jeder handeln, der irgendwo auf der Welt eine Waffe tragen kann", sagte Hamas-Funktionär Sami Abu Suhri. "Haltet keine Bombe, keine Patrone, kein Messer und keinen Stein zurück. Lasst alle ihr Schweigen brechen."
Zuvor hatte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärt, Israel arbeite an der Umsetzung von Trumps Plan, die Bevölkerung des Gazastreifens in andere Staaten umzusiedeln.