Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Iranische Vergeltungsschläge: Schäden in Tel Aviv und Arabischen Emiraten
Israel greift Ziele im "Herzen von Teheran" an
Irans Generalstabschef Mousavi ist tot
Israel: Iran greift erneut mit Raketen an
Medien: CIA half Israel, Chamenei zu orten
Die Lage im Nahen Osten - ein Überblick
- Israel und die USA haben am Samstagmorgen Ziele in Iran aus der Luft angegriffen. Am Sonntag gehen die Angriffe der israelischen Luftwaffe auf Ziele in Iran weiter.
- Bei den Angriffen wurden neben dem geistlichen Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, auch der Chef der iranischen Streitkräfte sowie zwei weitere hochrangige Vertreter und Familienangehörige Chameneis getötet.
- Iran reagiert mit Vergeltungsschlägen.
- Bei iranischen Angriffen auf Israel hat es in Tel Aviv Tote und Verletzte gegeben.
- Die Flughäfen von Abu Dhabi und Dubai waren am Samstag Ziel von Angriffen. Der Flugverkehr im Nahen Osten ist weitgehend eingestellt.
- In der katarischen Hauptstadt Doha sowie Manama, der Hauptstadt von Bahrain, hat es am Sonntagmorgen Explosionen gegeben.
- Auch in Oman hat es Drohnenangriffe gegeben. Vor der Küste des Golfstaates, in der Straße von Hormus, ist ein Öltanker angegriffen worden.
- Proiranische Demonstrierende haben versucht, die US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad sowie das US-Konsulat in Karachi, Pakistan, zu stürmen. Dabei hat es Tote gegeben.
Neun Tote nach Auseinandersetzungen nahe US-Konsulat in Karachi - Proteste in Bagdad
In Pakistan sind bei Protesten vor einem US-Konsulat wegen des Tods des geistlichen Oberhaupts Irans, Ajatollah Ali Chamenei, neun Menschen ums Leben gekommen. Vor dem US-Konsulat in der pakistanischen Millionenstadt Karachi kam es der Polizei zufolge zu Zusammenstößen. Demonstranten hätten ein Fahrzeug in Brand gesetzt. Die Polizei habe sie zurückgedrängt.
„Wir haben mindestens neun Leichen erhalten“, bestätigte Jasso Ram, Sprecher des Zivilkrankenhauses von Karatschi, der Deutschen Presse-Agentur. Demnach könne die Zahl der Opfer noch steigen. Mehr als 25 Menschen, die bei den Zusammenstößen verletzt worden waren, würden behandelt. Der Leiter einer der größten Rettungsdienste der Stadt, Faisal Edhi, bestätigte, dass seine Organisation mindestens sieben Leichen ins Krankenhaus gebracht habe.
Aufnahmen in Netz sollen zeigen, wie Demonstranten mit Stöcken und Steinen Fenster einschlugen. Die Polizei setzte nach Behördenangaben Tränengas und Schlagstöcke ein. Demonstranten skandierten Parolen gegen die USA und marschierten in Richtung des Konsulatsviertels, wo sie versuchten, in das Gelände einzudringen, wie es hieß. Unterdessen verschärften die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in Pakistans Hauptstadt Islamabad. Straßen zur sogenannten Roten Zone mit Botschaften und wichtigen Regierungsgebäuden wurden gesperrt.
Demonstranten hatten in der irakischen Hauptstadt Bagdad versucht, in das streng gesicherte Regierungsviertel mit der US-Botschaft vorzudringen. Nach Angaben von Augenzeugen hatten sich am Eingang zur sogenannten Grünen Zone Hunderte Menschen zum Protest versammelt. Sicherheitskräfte lösten die Menge gewaltsam auf. Die Demonstranten versuchten demnach, die Sicherheitsbarrieren zu überwinden, um zur US-Botschaft innerhalb der Grünen Zone zu gelangen. Laut Augenzeugen setzten die Sicherheitskräfte Schlagstöcke, scharfe Munition, Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.
Iranische Vergeltungsschläge: Schäden in Tel Aviv und Arabischen Emiraten
Iran hat in der Nacht zum Sonntag und am Sonntagmorgen seine Vergeltungsschläge gegen Israel fortgesetzt. Mehrmals mussten die Einwohner wegen Luftalarms Schutzräume und Bunker aufsuchen. In Tel Aviv wurden bei einem Angriff 50 Gebäude beschädigt, wie die Zeitung Haaretz unter Berufung auf die Stadtverwaltung meldet. Mehr als 200 Anwohner seien in drei Hotels in Sicherheit gebracht worden. Zuvor hatten israelische Rettungsdienste 94 Verletzte in Zusammenhang mit dem Beschuss gemeldet. Bereits am Samstagabend war eine Frau bei einem iranischen Raketenangriff ums Leben gekommen.
In den Vereinigten Arabischen Emirate sind am Sonntag mehrere Menschen verletzt und mindestens einer durch iranische Angriffe getötet worden. Am Flughafen der Hauptstadt Abu Dhabi wurde dem Betreiber zufolge eine Person getötet und sieben weitere verletzt. Die Mitteilung wurde auf der Plattform X jedoch später gelöscht. Nach Angaben des Medienbüros von Abu Dhabi wurden eine Frau und ihr Kind leicht verletzt, als Trümmer einer abgefangenen Drohne die Fassade eines Gebäudes der Etihad Towers trafen. An dem Wahrzeichen der Stadt entstand geringer Sachschaden, hieß es weiter auf X. In Dubai wurden nach Angaben des Medienbüros der Stadt vier Menschen am internationalen Flughafen verletzt. Bei der Abwehr von Drohnenangriffen sind zwei weitere Menschen verletzt worden. Trümmerteile seien in die Höfe von zwei Wohnhäusern gefallen, teilte das Medienbüro mit. Fluggesellschaften stellten den Flugverkehr über dem Nahen Osten am Samstag weitgehend ein.
Auch in den arabischen Golfstaaten gab es am Sonntagmorgen erneut Explosionen. Augenzeugen in der katarischen Hauptstadt Doha zufolge waren am Morgen mehrere Knallgeräusche zu hören. Der katarische Nachrichtensender Al-Jazeera meldete mindestens elf Explosionen in Doha. In Manama, der Hauptstadt von Bahrain, wurden ebenfalls Explosionen gemeldet.
Das Militär der Vereinigten Arabischen Emirate hat seit Beginn der iranischen Gegenangriffe nach eigenen Angaben 132 ballistische Raketen und 195 Drohnen abgewehrt. Dies bestätige die hohe Einsatzbereitschaft der Luftabwehr, teilte das Verteidigungsministerium auf der Plattform X mit. Zudem seien fünf ballistische Raketen Irans ins Meer gefallen. Vierzehn Drohnen seien ebenfalls über Wasser oder an Land abgestürzt, wodurch es einige Schäden gegeben habe, teilte das Ministerium mit. Die Emirate verurteilten den Angriff auf das Schärfste.
Drohnenangriff auf Hafen von Oman gemeldet - Öltanker vor Küste angegriffen
Vor der Küste des Golfstaats Oman ist nach staatlichen Angaben ein Öltanker angegriffen worden. Der Tanker Skylight sei etwa neun Kilometer vor der omanischen Küste bei Musandam attackiert worden, meldete die Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf das omanische Zentrum für maritime Sicherheit. Dabei seien vier Personen verletzt worden. Die 20-köpfige Besatzung des Schiffs unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau sei in Sicherheit gebracht worden.
Der Vorfall ereignete sich nahe der Straße von Hormus. Die iranische Nachrichtenagentur hatte gestern gemeldet, dass die iranischen Revolutionsgarden den Schiffsverkehr der strategisch wichtigen Meerenge eingeschränkt haben. Demnach erhielten Schiffe wiederholt Funkmeldungen, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt wurde. Die Besatzungen würden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten, hieß es.
Auch der Handelshafen von Dukm in Oman ist mit zwei Drohnen angegriffen worden. Eine der Drohnen habe eine Arbeiterunterkunft getroffen, wobei ein ausländischer Arbeiter verletzt worden sei, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf Sicherheitsquellen. Die zweite Drohne sei in der Nähe von Treibstofftanks abgestürzt. Dabei habe es weder Verletzte noch Schäden gegeben, hieß es weiter. Die Regierung des Oman verurteilte den Angriff.
In Oman selbst gibt es keine US-Stützpunkte. Häfen, wie der in Dukm, können aber vom US-Militär genutzt werden. Oman ist im Atomstreit zwischen den USA und Iran als Vermittler aufgetreten.
Irans Präsident: Ermordung von Chamenei offene Kriegserklärung für Schiiten
Irans Präsident Massud Peseschkian hat die gezielte Tötung von Religionsführer Ali Chamenei als offene Kriegserklärung bezeichnet. Diese richte sich gegen alle Muslime, insbesondere aber gegen alle Schiiten weltweit.
Peseschkian erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna: „Iran betrachtet die Vergeltung und Blutrache an den Tätern und Drahtziehern dieses Verbrechens als Pflicht und legitimes Recht.“ Chamenei sei ein „Märtyrer“, dessen Standhaftigkeit ihn in die Geschichtsbücher eingeschrieben habe.
Weltweit gibt es rund zwei Milliarden Muslime. Eine große Mehrheit von 85 bis 90 Prozent sind Sunniten. Schiiten machen mit rund 10 bis 15 Prozent die zweitgrößte Glaubensrichtung im Islam aus.
Israel greift Ziele im "Herzen von Teheran" an
Erneut hat es in der iranischen Hauptstadt Teheran laute Explosionen gegeben. Die israelische Armee teilte mit, man greife „Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an“. Einwohner berichteten, es handele sich offenbar um Angriffe im Stadtzentrum. Die israelische Armee gab an, sie habe im Verlauf des vergangenen Tages groß angelegte Angriffe in Iran ausgeführt, „um die Lufthoheit herzustellen und den Weg nach Teheran zu ebnen“.
Irans Generalstabschef Mousavi ist tot
Bei den Angriffen auf Iran wurde auch der Generalstabschef der Streitkräfte, Abdolrahim Mousavi, getötet. Das berichten iranische Medien. Sein Name wurde im Staatsfernsehen zusammen denen anderer getöteter hochrangiger Vertreter genannt. Auch der Anführer der iranischen Revolutionswächter, Mohammed Pakpour, und der Vorsitzende des nationalen Verteidigungsrats, Ali Shamkhani, sind gestorben.
IAEA beruft Dringlichkeitssitzung wegen Angriffen auf Iran ein
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hält am Montag eine Dringlichkeitssitzung wegen der Angriffe der USA und Israels auf Iran ab. Das von Russland beantragte Treffen beginne um neun Uhr, teilt die UN-Behörde mit. Diplomaten zufolge gibt es keine Anzeichen dafür, dass bei den Angriffen am Samstag iranische Atomanlagen getroffen wurden. Der russische Botschafter bei den internationalen Organisationen in Wien, Michail Uljanow, hatte die Sondersitzung beantragt. Zuvor hatte auch bereits Iran unter Verweis auf eine „Bedrohung“ der nuklearen Einrichtungen im Land eine Sondersitzung gefordert.
Iran: Pläne der USA und Israels vereitelt
Der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, hat das Vorhaben der USA und Israels trotz des Todes von Ayatollah Chomeini als „vereitelt“ bezeichnet. „Die USA und Israel haben sich verkalkuliert und wollten mit gezielten Angriffen auf militärische Einrichtungen und der Tötung hochrangiger Funktionäre Unruhe und einen Machtwechsel in Iran auslösen“, sagte Laridschani laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Bevölkerung habe jedoch geschlossen reagiert und diese Pläne vereitelt, behauptete er. Zugleich kündigte Laridschani an, die iranischen Streitkräfte würden die Angriffe auf US‑Stützpunkte in der Region fortsetzen.
Israel: Iran greift erneut mit Raketen an
Iran hat nach Angaben des israelischen Militärs am Morgen erneut Raketen auf Israel abgefeuert. Die Abwehrsysteme seien aktiviert, um sie abzuwehren, teilte die Armee mit. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in die Schutzräume zurückzukehren. In mehreren Gebieten des Landes heulten erneut die Sirenen. In den vergangenen 24 Stunden mussten Millionen Menschen nach Armeeangaben bereits rund 20 Mal wegen iranischen Raketenangriffen in die Schutzräume eilen.
Medien: CIA half Israel, Chamenei zu orten
Laut einem Bericht der New York Times haben Informationen des US-Auslandsgeheimdienstes CIA dazu geführt, dass Israel den tödlichen Anschlag auf Ayatollah Ali Chamenei ausführen konnte. Demnach habe die CIA Chamenei monatelang beobachtet und sei so in der Lage gewesen, ein Bewegungsprofil des obersten religiösen Führers Irans zu erstellen. So soll der US-Geheimdienst auch Kenntnis erhalten haben über ein Treffen der obersten Führer Irans am Samstagmorgen in Teheran. Daraufhin hätten die USA und Israel den Zeitpunkt ihres geplanten Angriffs entsprechend angepasst. Eigentlich sei der Militärschlag in der Nacht geplant gewesen, berichtet die New York Times.
Irans Parlamentssprecher droht Israel und den USA
Iran wird den Weg von Ayatollah Chamenei fortsetzen, sagte Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf in einer Fernsehansprache. Sich an US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wendend, sagt er, sie hätten eine rote Linie überschritten, dafür würden sie bezahlen. Iran werde ihnen so vernichtende Schläge versetzen, dass sie um Gnade flehen werden. Ghalibaf ist der ranghöchste iranische Politiker, der sich seit Beginn der Angriffe am Samstag geäußert hat.
Trump: „Werden Iran mit noch nie gesehener Kraft schlagen“
US-Präsident Donald Trump warnt Iran vor Vergeltungsschlägen. „Iran hat gerade erklärt, dass es heute sehr hart zuschlagen wird, härter als jemals zuvor“, schreibt er auf der Plattform Truth Social. Er fährt in Großbuchstaben fort: „Das sollten sie aber besser nicht tun, denn wenn sie es tun, werden wir sie mit einer noch nie gesehenen Kraft schlagen!"
Chamenei-Berater: Ein Trio soll Iran vorübergehend führen
Nach der Tötung von Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei soll vorübergehend ein dreiköpfiger Rat das Land führen. Die Verantwortung für die Übergangsphase sollen Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und ein Mitglied des Wächterrats übernehmen. Das erklärte ein Berater des getöteten Chameneis, Mohammed Mochber, der Nachrichtenagentur Mehr zufolge. Auch die iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete darüber.
Das Trio soll die Aufgaben Chameneis übernehmen, bis der sogenannte Expertenrat, ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen, einen Nachfolger benennt. Laut der Verfassung müsse der Expertenrat umgehend einen neuen Führer bestimmen und vorstellen, sagte Mochber. Wer Chamenei nachfolgen könnte, ist unklar. Öffentlich hatte sich der Religionsführer dazu nicht geäußert. In den vergangenen Jahren war immer wieder dessen Sohn Modschtaba genannt worden, der bislang kaum in der Öffentlichkeit stand. Dem Staatsapparat dürfte es zudem schwerfallen, mitten im Krieg das Machtgefüge neu zu ordnen.
Trump: Chance für friedliche Lösung nach Angriffen größer
Die schweren Angriffe Israels und der USA auf Iran haben nach Meinung von US-Präsident Donald Trump die Chance auf eine diplomatische Lösung des Konflikts erhöht. Dieser Weg sei jetzt deutlich leichter als noch vor einem Tag, sagte Trump dem Sender CBS News zufolge in einem Telefoninterview. „Weil sie heftig verprügelt werden.“












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