Nach dem knappen Wahlsieg der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat es auf der Wahlparty von Spitzenkandidat Cem Özdemir in Stuttgart offenbar Streit um Boris Palmer gegeben. Mitglieder der Grünen Jugend sollen Palmer aufgefordert haben, die Feier zu verlassen.
Palmer berichtete dem „Spiegel“, er sei kurz nach dem Betreten des Foyers der Stuttgarter Staatsgalerie von zwei jungen Männern angesprochen worden, die er „ganz klar“ der Grünen Jugend zuordne. Sie hätten ihm gesagt, er schade Özdemir – niemand habe ihn eingeladen und er solle verschwinden.
Der Tübinger Oberbürgermeister war früher selbst Mitglied der Grünen, hatte die Partei jedoch 2023 nach heftigen Kontroversen und Vorwürfen wegen rassistischer Äußerungen verlassen. Innerhalb der Partei ist Palmer seit Jahren umstritten.
Grüne Jugend: Palmers Äußerungen mit Grundwerten der Partei „unvereinbar“
Die Grüne Jugend in Baden-Württemberg wollte sich zu Palmers Darstellung des Vorfalls nicht äußern.
Schon kurz nach der Landtagswahl am Sonntag hatte die Jugendorganisation in einem Sechs-Punkte-Papier Forderungen an Özdemir gestellt. Wahlsiege seien nichts wert, wenn sie nicht zu einer Landesregierung führten, die klar erkennbare soziale Politik mache, heißt es demnach in dem Papier.
Konkret verlangt die Grüne Jugend demnach, Boris Palmer dürfe keine Funktion in einer neuen Landesregierung erhalten. Seine Haltungen und wiederholten rassistischen Äußerungen seien mit den Grundwerten der Partei unvereinbar.
Für Özdemir spielte Palmer im Wahlkampf dennoch eine Rolle. Der Tübinger Oberbürgermeister unterstützte den Grünenpolitiker bei mehreren Terminen.
Seit dem Wahlsieg kursieren in Baden-Württemberg Spekulationen, Palmer könne eine Rolle in einer möglichen Landesregierung spielen. Der Oberbürgermeister äußerte sich zurückhaltend. Wenn Özdemir ihn frage, werde er anfangen, darüber nachzudenken, sagte Palmer dem „Spiegel“. Grundsätzlich auszuschließen wolle er nichts.
Der Bürgermeister der Gemeinde Ostelsheim, Ryyan Alshebl, bestätigte dem „Spiegel“ die Auseinandersetzung auf der Wahlparty. Es sei kein freundliches Gespräch gewesen, sagte er. Das habe jedoch nicht an Palmer gelegen. (Tsp)

vor 2 Stunden
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