Michael Johnson: So will die Sprint-Legende den Laufsport wieder cool machen

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Wettkampf-Serie »Grand Slam Track« So will Sprint-Legende Johnson den Laufsport wieder cool machen

Eine neue Liga gegen das angestaubte Image der Leichtathletik: So bewirbt US-Sprintikone Michael Johnson seinen »Grand Slam Track«. Olympiasieger Noah Lyles wünscht viel Erfolg, will aber selbst nicht teilnehmen.

01.04.2025, 16.59 Uhr

Der ehemalige Sprint-Superstar Michael Johnson 2022 bei der Leichtathletik-WM in Eugene, Oregon

Der ehemalige Sprint-Superstar Michael Johnson 2022 bei der Leichtathletik-WM in Eugene, Oregon

Foto:

World Athletics Championships Oregon22 / ANP / IMAGO

Am Freitag blickt die Leichtathletik nach Jamaika: In der Hauptstadt Kingston feiert eine neue Eventserie ihre Premiere, die den Sport revolutionieren soll. So wünscht es sich US-Sprint-Legende Michael Johnson. Der viermalige Olympiasieger hat den »Grand Slam Track« ins Leben gerufen: Vier Meetings mit völlig neuen Wettkampfformaten, Preisgelder in Höhe von 12,9 Millionen US-Dollar (11,9 Millionen Euro), die besten Läufer der Welt im direkten Duell.

Zumindest teilweise scheint Johnsons Plan aufzugehen. Stars wie Gabby Thomas, Sydney McLaughlin-Levrone und Fred Kerley, die auch bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen um Titel und Medaillen laufen, haben für die Veranstaltungsreihe zugesagt, die auch in Miami, Philadelphia und Los Angeles haltmachen wird. Die Events werden in 189 Länder übertragen, in Europa hält Eurosport die Rechte.

Viele große Namen aber fehlen. Sha'Carri Richardson, Femke Bol und Jakob Ingebrigtsen sind nicht dabei. Und auch Noah Lyles, Olympiasieger von Paris im 100-Meter-Sprint , erteilte dem »Grand Slam Track« eine Absage – schweren Herzens, wie Lyles in seinem Podcast »Beyond the Record« erklärte: »Ich wünsche mir, dass ich eines Besseren belehrt werde«, so Lyles.

Noah Lyles ist aktuell der schnellste Mann der Welt

Noah Lyles ist aktuell der schnellste Mann der Welt

Foto: Kirill Kudryavtsev / AFP

Er wirft Johnsons Projekt vor allem vor, sich lange Zeit mit TV-Deals und Sponsoren schwergetan zu haben. Lyles’ Kritik: zu viel Vertrauen in Mundpropaganda durch die Athleten, zu wenig nachhaltige Ideen zur Refinanzierung. »Sie werden in diesem Jahr kein Geld verdienen. Sie werden im nächsten Jahr kein Geld verdienen«, so der 27-jährige US-Amerikaner. Trotzdem würde er sich »nichts mehr wünschen, als dass die Liga erfolgreich ist«.

Neues Wettkampfformat

Gleichzeitig hätte die Teilnahme des wohl schillerndsten Sprinters seiner Generation die Erfolgschancen der Serie wohl erhöht. »Mein Ziel ist es, die Möglichkeiten zu schaffen, die sich die Athleten immer gewünscht haben – sie auf eine Bühne zu stellen, die ihrer Größe würdig ist, mit Rennen, die etwas bedeuten«, sagte Veranstalter Johnson: »Um das zu erreichen, muss man die Besten gegeneinander antreten lassen.«

Dabei bekommt der »Grand Slam Track« sein ganz eigenes Format. 48 sogenannte »Racer« treten gegen 48 Herausforderer in sechs Disziplingruppen an: Kurz- und Langsprint, Kurz- und Langhürdenlauf sowie Mittel- und Langstrecke. Jede Athletin und jeder Athlet läuft zwei Strecken und erhält Punkte für die Platzierungen. Wer am Ende die meisten Punkte hat, wird Slam-Champion und erhält 100.000 US-Dollar extra. Die 48 unter Vertrag stehenden »Racer« erhalten zudem ein Grundgehalt für die Teilnahme an allen vier Slams.

Es ist ein weiterer Versuch, die Leichtathletik zu einem attraktiveren Publikumssport zu machen. Die Diamond League hatte Ende September in Zürich etwa für Aufsehen gesorgt, als sie Hürdenläufer Karsten Warholm und Stabhochspringer Armand Duplantis in einem 100-Meter-Sprint gegeneinander antreten ließ.

Voller Fokus auf Laufwettbewerbe

Dass Superstar Duplantis auch bei einem »Grand Slam Track«-Meeting auftaucht, ist aber wohl ausgeschlossen: Springer und Werfer sind im Programm nicht vorgesehen, es geht einzig um Laufwettbewerbe. Das kommt nicht überall gut an. »Ich finde es ein bisschen schwierig, dass es dabei keine Field-Events gibt. Leichtathletik ist eine so vielseitige Sportart«, sagte die deutsche Athletin Gina Lückenkemper zuletzt der »Frankfurter Allgemeinen«: »Cool finde ich, dass es eine Serie aus mehreren Wettkämpfen geben soll und man sicher sein kann, dass die Athleten mehrmals aufeinandertreffen.«

Der Vorwurf, dass Johnson mit seiner Idee die Leichtathletik spaltet, lässt den US-Amerikaner kalt. Es »funktioniert« eben nicht, »wenn wir weiterhin nur das Gleiche tun und den Leuten sagen, dass sie das lieben oder verstehen sollen«, sagte der Ex-Weltrekordler.

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