Drei Tage in arktischer Kälte: Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen reist inmitten der Spannungen über US-Ansprüche auf Grönland zu einem mehrtägigen Besuch auf die riesige Insel im Nordatlantik.
In Grönland will Frederiksen den Zusammenhalt mit der weitgehend autonomen, formal aber zum dänischen Königreich zählenden Insel stärken, heißt es von der Staatskanzlei in Kopenhagen.
Frederiksen werde auch mit dem künftigen grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen über die Zusammenarbeit zwischen Grönland und Dänemark sprechen. Ein genauer Zeitplan für die bis Freitag terminierte Reise ist nicht bekannt.
Grönland war zuletzt wiederholt in die Schlagzeilen geraten, weil US-Präsident Donald Trump Ansprüche auf die nur spärlich besiedelte, aber strategisch bedeutende Insel erhoben hatte.
Trump hatte angekündigt, die Kontrolle über die Insel übernehmen zu wollen – etwas, das von grönländischer, dänischer und europäischer Seite klar zurückgewiesen wurde. Den Einsatz militärischer Gewalt hatte er dabei explizit nicht ausgeschlossen.
Die US-Regierung erhöhte den Druck zuletzt dennoch weiter, indem Trumps Stellvertreter, Vizepräsident J.D. Vance, für einige Stunden nach Grönland reiste. Vance reiste allerdings nicht in die Hauptstadt Nuuk, sondern auf den abgeschiedenen US-Militärstützpunkt Pituffik im Norden der Insel. Es handelte sich insofern nicht um einen offiziellen Staatsbesuch.
Bericht über Grönland-Rechenspiele im Weißen Haus
Darauf, dass Trump offenbar weiter an seiner Idee einer Kontrolle Grönlands festhält, deutet derweil auch ein Bericht der »Washington Post « hin. Wie die Zeitung unter Berufung auf drei nicht namentlich genannte Personen mit Kenntnis der Vorgänge berichtet, laufen im Weißen Haus Berechnungen dazu, was es die US-Regierung kosten würde, die Insel als Territorium zu kontrollieren.
Geprüft wird demnach unter anderem, welche Folgekosten sich daraus ergeben würden, die rund 58.000 Einwohner Grönlands mit US-Leistungen zu versorgen. Dem gegenübergestellt werden sollen Kalkulationen zu möglichen Erträgen durch eine Ausbeutung der Bodenschätze auf Grönland.
Ziel der Rechenspiele könnte laut der Zeitung sein, der grönländischen Regierung eine größere finanzielle Unterstützung zu bieten als derzeit Dänemark. Kopenhagen unterstützt Grönland momentan mit rund 600 Millionen Dollar pro Jahr.
Die USA könnten demnach womöglich ein deutlich lukrativeres Unterstützungsangebot vorlegen. »Der Punkt ist: ›Wir zahlen euch mehr als Dänemark‹«, zitiert das Blatt eine anonyme Quelle innerhalb des Regierungsapparats. Noch sind die Kalkulationen aber wohl nicht abgeschlossen.
Grönlands neue Regierung noch nicht bestätigt
Auf der Insel formiert sich derweil eine neue Regierung. Die breit aufgestellte Koalition wird aus gleich vier der fünf Parlamentsparteien bestehen. Kritische Töne sind dabei weiterhin auch gegen Dänemark zu erwarten.
Zwei der Juniorpartner des designierten Regierungschefs Nielsen äußerten sich in dieser Woche kritisch darüber, dass Frederiksen bereits anreise, bevor die neue Regierung offiziell im Amt ist.
Diese muss formal noch vom neuen Parlament bestätigt werden, das aber planmäßig erst am kommenden Montag zusammentritt. Nielsen dagegen hatte beteuert, sich sehr auf Frederiksens Besuch zu freuen.
Nielsen bemüht sich laut der Nachrichtenagentur Reuters um eine Mäßigung im Austausch mit den USA. »Über Annexion und den Erwerb von Grönland zu sprechen und die Souveränität nicht zu respektieren, ist nicht respektvoll. Lassen Sie uns also damit beginnen, einander zu respektieren und eine großartige Partnerschaft in allen Bereichen aufzubauen«, sagte er.