Menschenrechte : Weltweit so viele Hinrichtungen wie seit 44 Jahren nicht mehr

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Laut Amnesty International wurden im vergangenen Jahr weltweit mehr als 2.500 Todesstrafen vollstreckt. Im Iran hat sich die Zahl der Hinrichtungen mehr als verdoppelt.

Quelle: DIE ZEIT, dpa, epd, KNA, 18. Mai 2026, 3:50 Uhr

 Das tatsächliche Ausmaß der weltweiten Hinrichtungen lässt sich kaum beziffern.
Das tatsächliche Ausmaß der weltweiten Hinrichtungen lässt sich kaum beziffern. © Matt Mills McKnight/​REUTERS

Im vergangenen Jahr sind laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International weltweit 2.707 Menschen hingerichtet worden. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 78 Prozent. Amnesty zufolge ist dies der höchste Stand weltweiter Hinrichtungen seit 1981.

Der deutliche Anstieg werde vor allem durch den Iran verursacht, wo mindestens 2.159 Menschen hingerichtet worden seien – mehr als doppelt so viele wie 2024. Auch in diesem Jahr sind nach den Massenprotesten im Januar bereits mehrere Menschen im Iran exekutiert worden.

»Im Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten«, sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland.

Hohe Dunkelziffer an Hinrichtungen vermutet

Die Statistik von Amnesty umfasst 17 Länder. Geschätzt wird, dass in China die meisten Menschen hingerichtet werden, im vergangenen Jahr wohl mehrere Tausend. Das Land veröffentlicht aber keine Daten dazu. Auch zu Vietnam und Nordkorea fehlen entsprechende Angaben. Die tatsächliche Zahl der weltweiten Hinrichtungen dürfte daher deutlich höher sein als die genannten 2.707.

In Saudi-Arabien wurden dem Jahresbericht zufolge mindestens 356 Exekutionen vollzogen. Es folgen Jemen mit mindestens 51 und die USA mit 47 Hinrichtungen. US-Präsident Donald Trump gilt als Befürworter der Todesstrafe. US-Justizminister Todd Blanche sprach sich zuletzt dafür aus, dass Straftäter auf Bundesebene künftig auch durch Erschießen hingerichtet werden dürfen.

Insgesamt erfolgte fast die Hälfte aller dokumentierten Hinrichtungen im Zusammenhang mit Drogendelikten. Auch im Iran sei dies bei 998 Exekutionen der Fall gewesen.

Neues israelisches Gesetz zur Todesstrafe

Aufgeführt wird in dem Bericht auch das neue israelische Gesetz von diesem Jahr, das vorsieht, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend. Das Gesetz wird noch vom obersten Gericht in Israel überprüft. Kritiker sehen das Gesetz als rassistisch an, weil es de facto nur Palästinenser betrifft.

Mehr als zwei Drittel aller Länder weltweit haben die Todesstrafe Amnesty zufolge gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft. Die Menschenrechtsorganisation beruft sich eigenen Angaben nach auf offizielle Statistiken, Urteile, Informationen zum Tod verurteilter Personen, deren Familien, Medienberichte sowie weitere Organisationen.

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