Der traditionsreiche Medienkonzern Burda wird immer mehr zu einer Großbaustelle. Seit mit den Verlegererben Elisabeth Burda Furtwängler und Jacob Burda vor gut einem Jahr die vierte Generation der Unternehmerfamilie das Ruder übernommen hat, bleibt am Firmensitz in der Münchner Arabellastraße kein Stein auf dem anderen. Manager kommen und gehen, die Organisation wird wahlweise gestrafft oder neu ausgerichtet, und immer wieder geht es um eine zukunftsgerichtete Strategie.
Am Donnerstag gab das Medienhaus nun bekannt, den Burda-Verlag mit dem Digitalpublisher Burda-Forward zusammenzulegen. Print- und Digitalangebote der mit Auflagenrückgang kämpfenden Burda-Marken („Bunte“, „Focus“, „Freizeit-Revue“) sollen aus einer Hand gesteuert werden. Dazu besetzt der frühere „Spiegel“-Manager Stefan Ottlitz die neu geschaffene Position des Chief Digital Officer. Es ist nicht die einzige Führungsposition, die – mal wieder – neu besetzt wird.
„Schlanker und agiler“
Kompetenzen sollen gebündelt und getrennte Strukturen stärker verzahnt werden, heißt es in der Mitteilung. „Wir richten Burda Media konsequent entlang der Fähigkeiten aus, die in Zukunft den Unterschied machen“, lässt sich Deutschland-Chefin Elisabeth „Eli“ Varn zitieren. „Schlanker, agiler und schlagkräftiger“ solle das Unternehmen werden. Varn, bisher operative Geschäftsführerin bei Burda, ist selbst erst vor wenigen Wochen in den Vorstand berufen worden. Sie trat am 1. Juli die Nachfolge von Jan Wachtel an, der Burda nach nur einem halben Jahr „im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat“ wieder verlassen musste, wie damals bekannt gegeben wurde. Die Entscheidung habe man getroffen, „weil ein hinreichender Konsens über die zukünftige strategische Ausrichtung für Burda Media nicht gefunden werden konnte“. Das ließ Raum für Spekulationen, und diese reißen auch nicht ab, weil die Personalie Ottlitz neue Fragen aufwirft. Der ehemalige Ko-Geschäftsführer des „Spiegel“-Verlags war als Paid-Content-Fachmann von Wachtel angeheuert worden – angeblich ohne das Wissen von Elisabeth Burda und ihrem Bruder Jacob.
Mit dem vorzeitigen Aus von Wachtel war indes fraglich, ob Ottlitz wirklich den ihm versprochenen Posten als Digitalverantwortlicher antreten oder gegen eine hohe Abfindung darauf verzichten würde. Es bleibt bei Wachtels Entscheidung: Ottlitz wird zugleich Geschäftsführer von Burda-Forward und der Burda Verlag Publishing GmbH. Er trägt damit Verantwortung für die so wichtigen „Focus“-Titel, das gedruckte Magazin ebenso wie „Focus Online“ und das Bezahlangebot „Focus Plus“. Auch „Bunte“ und „Bunte.de“ sollen im Stil eines „integrierten Medienhauses“ gemeinsam geführt werden.
Weniger Umsatz, weniger Gewinn
Außerdem wurde eine Reihe von Führungspositionen neu besetzt. Rebecca Gottwald wird Chief AI Officer, und Wiebke Meeder wechselt von der Handelsblatt Media Group zu Burda Media, um dort die Stelle als Chief Revenue Officer zu übernehmen. Der Mitteilung zufolge werden Burda-Forward-Geschäftsführer Daniel Steil sowie aus dem Burda-Verlag Martin Weese, Matthias Frei und Elfi Langefeld den Konzern verlassen.
Eine straffere und effizientere Ausrichtung scheint vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage gewiss geboten. Vor einigen Wochen machte Burda bekannt, dass der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr „in einem weiterhin anspruchsvollen geopolitischen und konjunkturellen Umfeld“ um 2,6 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro gesunken sei. Und zum Gewinn, den das Familienunternehmen traditionell nicht veröffentlicht, hieß es: „Das Ergebnis entwickelte sich nicht zufriedenstellend.“

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