Massenflug von bis zu einer halben Milliarde Maikäfer beginnt in Hessen

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In Hessen erwarten Experten das Schlüpfen von hunderten Millionen Maikäfern. Eigentlich hielt man sie bereits vor Jahrzehnten für ausgerottet. Doch im hessischen Ried eignen sich die Bedingungen ideal für die blätterfressenden Käfer.

Mit dem warmen Wetter der zurückliegenden Tage kommt der Massenflug der Maikäfer in Südhessen in Schwung. Vor allem in den Abendstunden brummt und fliegt es unter anderem in Wäldern im Hessischen Ried rund um Mörfelden-Walldorf und Darmstadt, sagte Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen. Die Waldmaikäfer schwärmen mit dem Sonnenuntergang aus und fressen vorzugsweise Eichenblätter.

Den Massenflug gibt es in der Regel alle vier Jahre. Das liegt daran, dass der Entwicklungszyklus von der Eiablage über mehrere Stufen vom Engerling bis zum fertigen Käfer in der Regel so lange dauert.

Bei der Population im Hessischen Ried sind die Massenflug-Jahre jene, in denen es eine Fußballweltmeisterschaft gibt. Experten rechnen 2026 mit geschätzt rund einer halben Milliarde Tiere bis Anfang Mai.

Das Spektakel ist deutschlandweit etwas Besonderes. Ein Massenflug geringeren Ausmaßes wird im badischen Iffezheim erwartet. Andere Stämme, etwa von Feldmaikäfern in Bayern, sind erst wieder in anderen Jahren dran.

An Massenvorkommen des Maikäfers kann sich vielerorts nur noch die heutige Großelterngeneration erinnern. Vor allem mit dem Insektizid DDT glaubte man, den Käfern spätestens in den 50er Jahren den Garaus gemacht zu haben, schreibt der Nabu.

„Der Maikäfer profitiert im Hessischen Ried von einem menschengemachten, ökologischen Desaster“, betonte Biologe Petri. Durch die jahrhundertelange Entwässerung der ursprünglichen Auenlandschaft seien ideale Bedingungen für die Insekten geschaffen worden. Die Art benötigt trockene, warme Böden.

Nach der Begattung legen die Weibchen in mehreren Schüben ihre Eier ins lockere Erdreich ab. Während die Feldmaikäfer dafür ins offene Gelände fliegen, verbleiben die Waldmaikäfer in der Nähe ihrer Fraßbäume.

Die als Engerlinge bekannten, bis fünf Zentimeter großen Maikäferlarven entwickeln sich – in unseren Breiten meist vier Jahre lang – vollständig im Boden und ernähren sich von Pflanzenwurzeln. Im Herbst des letzten Jahres dieses Zykluses wandeln sich die Engerlinge in die fertigen Jungkäfer.

Sie überwintern bis zu einem Meter tief im Erdreich und schlüpfen dann ungefähr Ende April. Der sogenannte Reifefraß bis zum Absterben der Käfer nach erfolgreicher Fortpflanzung dauert ungefähr sechs Wochen. Feldmaikäfer gehen dabei gerne auch an Obstbäume, während Waldmaikäfer Eichen, Buchen und Hainbuchen bevorzugen.

Die meisten kahl gefressenen Bäume erholen sich, laut Nabu wieder. Sie bilden mit dem sogenannten Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter. Verheerend dagegen kann der Wurzelfraß der Engerlinge sein. Bereits ab zwei bis drei Engerlingen je Quadratmeter Waldboden sind Schäden an Jungbäumen zu befürchten. Probebohrungen in manchen Befallsgebieten ergeben jedoch regelmäßig mehr als 100 Engerlinge je Quadratmeter.

Neben der Entwässerungsproblematik ist das Hessische Ried stark von den Folgen des Klimawandels geschwächt. Trockenheit führte dort zum Absterben vieler Bäume. Die Maikäfer setzen dem Wald nun zusätzlich zu.

lpi mit dpa

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