Martin Reichardt: AfD-Politiker soll Hitlergruß gezeigt haben

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Eigentlich stand der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt am Podium im Bundestag, um die Linke für ihre Faschismus-Aussagen zu kritisieren, doch mit einer Zwischenfrage während der Aktuellen Stunde geriet er selbst in die Kritik. Es geht um ein Foto, welches ihn mit durchgestrecktem Arm zeigt. Reichardt habe im Beisein von Parteikollegen den Hitlergruß gezeigt, heißt es im Politico-Podcast »Inside AfD« . Die Partei wies die Darstellung des Magazins zurück. Reichardt ist sachsen-anhaltischer AfD-Chef und auch Mitglied im Bundesvorstand der Partei.

Das Foto stammt aus dem Jahr 2020. Auf dem Bild ist zu sehen, wie Reichardt den linken Arm ausstreckt. Zwei Augenzeugen hätten »Inside AfD« bestätigt, es habe sich um einen Hitlergruß gehandelt, hieß es.

Reichart streitet ab, auf diesem Foto von 2020 den Hitlergruß zu zeigen

Reichart streitet ab, auf diesem Foto von 2020 den Hitlergruß zu zeigen

Foto: Podcast Inside AfD / politico

Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, sagte vor dem Bundestag, dass es »jetzt die perfekte Gelegenheit« für Reichardt wäre, sein Bundestagsmandat abzulegen, wenn das Foto echt sein sollte.

Reichardt stritt die Vorwürfe ab: »Dieses Foto stellt keinen Hitlergruß dar. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie irgendwo einen Hitlergruß gezeigt. Das ist ein Fakt.« Ihm einen Hitlergruß zu unterstellen sei eine »pöbelhafte Unverschämtheit, die ich mir verbitte«.

Der CDU-Abgeordnete Hendrik Hoppenstedt hakte nach. Reichardt sei auf dem Foto eindeutig zu identifizieren: »Wenn das kein Hitlergruß ist, was ist denn dann ein Hitlergruß?« Reichardt warf der Presse daraufhin eine »künstlich aufgebaute Unsinnskampagne vor«.

Auch SPD-Politiker Helge Lindh kritisierte Reichardt. Seine »Nicht-Eklärung« zu dem Bild sei eine »Peinlichkeit und Schande für das Parlament«.

AfD Sachsen-Anhalt nennt Vorwürfe eine »Schmutzkampagne«

»Die fragliche Geste war kein ›Hitlergruß‹, sondern ein angedeuteter Ritterschlag«, sagte ein Sprecher der AfD Sachsen-Anhalt der Nachrichtenagentur dpa. Welche Worte in der fast sechs Jahre zurückliegenden Situation gewechselt worden seien, sei keiner der Personen mehr erinnerlich. Auch in einem Post auf X  schreibt die AfD Sachsen-Anhalt von einem »Ritterschlag« und nennt die Vorwürfe eine »Schmutzkampagne«.

Die sachsen-anhaltische Linkenpolitikerin Eva von Angern erklärte, sie sei entsetzt über das Foto. »Dieser Gruß ist in Deutschland strafbar und steht wie kaum ein anderes Symbol für die Verbrechen des Nationalsozialismus, für Menschenverachtung, Antisemitismus und die Zerstörung der Demokratie«, sagt von Angern. »Wer den Hitlergruß zeigt, verhöhnt die Opfer des NS-Regimes und beschädigt die Demokratie.«

Ähnlich reagierte die Spitzenkandidatin der Grünen in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz: »Martin Reichardt muss von seinen Ämtern zurücktreten. Ein Hitlergruß ist kein Ausrutscher und kein schlechter Scherz. Wer sich als Parteivorsitzender und Bundestagsabgeordneter derart verhält, ist für politische Ämter in Deutschland untragbar.«

Auch Sven Schulze, CDU-Landesvorsitzender und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, sagte, ein Hitlergruß sei »ein Bekenntnis, kein Ausrutscher«. »Wer so etwas zeigt, hat in einem Parlament nichts verloren. Und wer das relativiert, schweigt oder aussitzt, macht sich klar mitschuldig. Wer daneben steht und grinst, zeigt seine eigene Gesinnung auf erschreckende Art und Weise«, so Schulze.

Schulze nahm auch den AfD-Kandidaten für die Wahl in Sachsen-Anhalt in die Pflicht: »Ulrich Siegmund, Kandidat dieser Partei, will hier Ministerpräsident werden. Dann soll er heute zeigen, ob er Führung kann: Ausschluss, Rücktritt, klare Kante.« Weiter sagte Schulze: »Alle anständigen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes werden eine klare Antwort auf die Frage haben, ob sie solche Gesten in Zukunft hier bei uns dulden wollen oder nicht. Ich sage laut und deutlich: Ich dulde das nicht. Und ich werde das niemals dulden.«

Der Hitlergruß mit dem linken Arm ist in Deutschland genauso strafbar wie mit dem rechten Arm, wie das Oberlandesgericht Hamm im Jahr 2024 in einem Beschluss klargestellt hat. Er stelle eine verbotene nationalsozialistische Grußform dar, solche Kennzeichen sollten aus dem Bild des politischen Lebens grundsätzlich verbannt werden, begründete das Gericht.

Die AfD Sachsen-Anhalt möchte im Juli zu einem Landesparteitag zusammenkommen. Dann ist auch die Wahl des Landesvorstands geplant. Reichardt ist seit 2018 Landesvorsitzender und will erneut für das Amt kandidieren. In Sachsen-Anhalt wird die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

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