Der Prozess dauerte mehrere Jahre – und endet nun mit einem Freispruch: Zwei Dutzend Helferinnen und Helfer, die an Flüchtlingsrettungsaktionen in Griechenland beteiligt waren, sind vom Vorwurf der Schleusung von Migranten freigesprochen worden.
Das Verfahren fand auf der ägäischen Insel Lesbos statt; angeklagt waren insgesamt 24 Männer und Frauen. Ihnen wurde unter anderem Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, die die illegale Einreise von Migranten ermöglichte, sowie Geldwäsche vorgeworfen. Die Angeklagten waren mit dem Emergency Response Center International (ERCI) verbunden, einer gemeinnützigen Such- und Rettungsorganisation, die von 2016 bis 2018 auf Lesbos tätig war.
Angeklagt war auch ein Deutscher
Griechenland, insbesondere Inseln wie Lesbos, stand seit Beginn des Flüchtlingszustroms 2015 besonders im Fokus, da hier viele der Hilfesuchenden eintrafen. Nichtregierungsorganisationen kümmerten sich um die Ankommenden. Unter ihnen war Sarah Mardini, selbst aus Syrien geflüchtet, die 2015 mehrere Flüchtlinge rettete, indem sie deren sinkendes Schlauchboot ans Ufer zog. Auch Sean Binder, ein deutscher Staatsbürger, half ab 2017 ehrenamtlich beim ERCI mit. Mardini und Binder wurden 2018 verhaftet und verbrachten über 100 Tage in Untersuchungshaft.
Das Gericht wies nun alle Anklagepunkte ab, ein Urteil, das Verteidiger Zacharias Kesses als »mutig« bezeichnete, und gleichzeitig als »bittersüße Erleichterung«. Obwohl die Anschuldigungen unbegründet gewesen seien, sagte Kesses, habe das griechische Justizsystem die Aufklärung des Falls verzögert, was dazu geführt habe, dass Hunderte ihre humanitären Hilfstätigkeiten eingestellt hätten. »Es dauerte 2897 Tage, bis Gerechtigkeit geübt und die falsche Darstellung der Behörden widerlegt wurde. Der größte Fall von Kriminalisierung humanitärer Hilfe basierte auf einem unmenschlichen Vorgehen«, sagte Kesses gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

vor 3 Tage
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