Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg. Zu den Ergebnissen aus allen Wahlkreisen der Landtagswahl in Baden-Württemberg gelangen Sie hier.
Wichtige Updates
Hochrechnungen zur Landtagswahl
Die wichtigsten Texte zur Landtagswahl in Baden-Württemberg
Grün-schwarze Koalition gilt als wahrscheinlich
Özdemir: "Was für ein Wahlkampf"
Prognose zur Landtagswahl
Vorläufiges Endergebnis: Grüne gewinnen die Wahl knapp vor der CDU
Im Wahlkreis Böblingen hat das letzte Wahllokal seine Ergebnisse gemeldet. Damit sind laut Statistischem Landesamt alle 11 570 Wahlgebiete ausgezählt. Die Grünen kommen demnach auf 30,2 Prozent, knapp vor der CDU, die bei 29,7 Prozent landet. Drittstärkste Kraft wird die AfD (18,8 Prozent). Die SPD erhält 5,5 Prozent der Stimmen und schafft gerade noch den Sprung ins Parlament. FDP und Linke (jeweils 4,4 Prozent) bleiben unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die sonstigen Parteien erhalten insgesamt 7,0 Prozent.
Baden-Württemberg wird damit aller Voraussicht nach weiterhin von einem schwarz-grünen Bündnis regiert – mit Cem Özdemir als Ministerpräsident, der signalisierte, mit der CDU zusammenarbeiten zu wollen. Deren Kandidat, Manuel Hagel, hatte dem Grünen trotz des knappen Rennens schon relativ früh zum Wahlsieg gratuliert und seine Niederlage eingeräumt. "Es liegt nicht an uns, eine Landesregierung zu bilden. Den Auftrag haben am heutigen Abend andere erhalten", sagte er. Özdemir erklärte sich spätabends auf der Wahlparty zum Sieger: "Wir haben die Wahl gewonnen", sagte er. Als er 2024 seinen Hut in den Ring geworfen habe, hätte nicht viele daran geglaubt, dass so ein Tag wie heute kommen könne. Nun sei er gekommen.
AfD holt Direktmandat in Mannheim
Die AfD hat im Wahlkreis Mannheim I das Direktmandat erzielt. Bernhard Pepperl erhielt 22,3 Prozent der Erststimmen, wie auf der Internetseite des Statistischen Landesamts zu sehen war. Knapp dahinter landete mit 21,7 Prozent der Stimmen Lennart Christ von der CDU. Beim Zweitstimmenergebnis landete die AfD in dem Wahlkreis mit 21,7 Prozent allerdings deutlich hinter den Grünen mit 27,6 Prozent. Die CDU kommt den Daten zufolge auf einen Anteil von 20,0 Prozent. Stärkste Kraft gemessen an den Zweitstimmen wurde die AfD hingegen in ihrer Hochburg Pforzheim: Mit 26,4 Prozent lag sie den Angaben nach vor der CDU mit 25,9 Prozent. Wahlkreissieger nach Erststimmen wurde allerdings CDU-Kandidat Andreas Renner (31,0 Prozent) vor AfD-Mann Alexsei Zimmer (26,8). Noch höher war das Zweitstimmenergebnis der AfD im südbadischen Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen. Hier bekam die Partei, die der Verfassungsschutz Baden-Württemberg als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, einen Anteil von 26,7 Prozent. Damit liegt sie aber deutlich hinter der CDU mit 33,5 Prozent.
Hochrechnungen zur Landtagswahl
Hochrechnung ZDF/ Forschungsgruppe Wahlen (Stand 21.45 Uhr):
Grüne: 30,3 %
CDU: 29,7 %
AfD: 18,8 %
SPD: 5,5 %
FDP: 4,4 %
Linke: 4,4 %
Sonstige: 6,9 %
Hochrechnung ARD/ Infratest (Stand 22.55 Uhr):
Grüne: 30,3 %
CDU: 29,7 %
AfD: 18,7 %
SPD: 5,5 %
FDP: 4,4 %
Linke: 4,4 %
Sonstige: 7,0 %
Özdemir holt in seinem Wahlkreis 47,9 Prozent
Im Wahlreis von Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir, Stuttgart II, sind bereits alle Stimmen ausgezählt. Der Grüne gewinnt dort mit 47,9 Prozent der Erststimmen das Direktmandat vor dem CDU-Kandidaten Klaus Nopper mit 25,0 Prozent.
Die Ergebnisse der weiteren Wahlkreise können Sie hier verfolgen:
Landtagswahlen zusammenlegen? CDU, SPD, Grüne offen für Idee
CDU, SPD und Grüne begrüßen die Idee, alle Landtagswahlen in Deutschland auf einen Termin zu legen. Auf die Frage, ob man die Wahlen in allen Bundesländern zusammenlegen sollte, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in der ARD: „Fände ich super, so eine Midterm-Wahl wie in Amerika.“ Er wies allerdings darauf hin, dass dies schwierig umzusetzen sei. Auch SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf begrüßte den Vorschlag. Grünen-Bundeschef Felix Banaszak sagte: „Alles, was dazu beiträgt, dass die bundespolitischen Debatten etwas weniger wahnsinnig ablaufen als wir es in den letzten Jahren häufig hatten, wäre sicherlich richtig.“ Auch er wies allerdings auf praktische Bedenken hin. AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel lehnte den Vorschlag ab.
Hintergrund der diskutierten Idee ist die Sorge, dass Deutschland wegen der unterschiedlichen Termine für Landtagswahlen in einer Art Dauer-Wahlkampf ist und Reformen deshalb verschleppt werden könnten. Eine Alternative wäre, alle Landtagswahlen am gleichen Termin abzuhalten. Die Umsetzung dürfte allerdings nicht ganz einfach sein, etwa weil Legislaturperioden unter Umständen verkürzt werden müssten.
Hagel lehnt AfD-Angebot zu Bündnis ab
CDU-Landeschef Manuel Hagel hat ausgeschlossen, sich mit Hilfe der AfD zum Regierungschef in Baden-Württemberg küren zu lassen. „Für mich ist kein Amt der Welt so wichtig, dass ich mich mit Stimmen der AfD dort hineinwählen lasse“, sagte der CDU-Spitzenkandidat im SWR. „Es kommt für mich nicht infrage, dass ich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt werden würde, auch wenn's die rechnerische Möglichkeit gibt.“
Nach Hochrechnungen von ARD und ZDF könnte neben einem Bündnis aus Grünen und CDU auch eines von CDU und AfD eine Mehrheit im Landtag haben. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier sagte im SWR, eigentlich gebe es in Baden-Württemberg eine bürgerlich-konservative Mehrheit. „Herr Hagel, das Angebot steht: Die AfD ist eine bürgerlich-konservative Partei. Vielleicht schaffen wir's ja auch irgendwann mal auf 'en Espresso.“
Grün-schwarze Koalition gilt als wahrscheinlich
Baden-Württemberg wird derzeit von einer grün-schwarzen Koalition regiert. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass beide Partner auch nach der Wahl wieder zusammenarbeiten werden – laut aktuellen Hochrechnungen wieder unter einem grünen Ministerpräsidenten. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir rief die CDU zu einer neuen Zusammenarbeit auf. Auf den Erfolgen der gemeinsamen Regierungsjahre solle man aufbauen, sagte er. Es gehe nicht um „rein grün oder rein schwarz", sondern um Baden-Württemberg. „Wenn ich dieses Land führe, dann führe ich es in der Mitte und nicht nach Parteibuch", sagte Özdemir im ZDF. „Wir regieren hier anders wie in Berlin, wo man sich wie die Kesselflecker streitet."
Auch CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sieht den Regierungsbildungsauftrag bei Özdemirs Partei. Der Ball liege nun bei den Grünen im Spielfeld, sagte Hagel. Auf die Frage, ob er nun Vize-Ministerpräsident werde, sagte er: „Wir als CDU werden sehr sortiert mit klarem Kopf und klarem Kurs am Montag im CDU-Landvorstand und am Dienstag in der CDU-Landtagsfraktion das weitere Vorgehen beraten.“
Chancen für FDP und Linke schwinden, SPD kann langsam aufatmen
Laut den letzten Umfragen durften FDP und Linke noch auf einen Einzug in den Stuttgarter Landtag hoffen. Doch die jüngsten Hochrechnungen von Forschungsgruppe Wahlen und Infratest sind für beide Parteien ernüchternd. Demnach kommen sie auf 4,4 beziehungsweise 4,3 Prozent und schaffen wohl nicht den Sprung ins Parlament. FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke hat bereits seinen Rücktritt vom Landesvorsitz angekündigt. Die SPD kann die Totalkatastrophe wohl vermeiden und wird auf knapp mehr als fünf Prozent kommen. Im neuen Landtag wären Stand 19.30 Uhr nur vier Parteien vertreten.
Frohnmaier: Baden-Württemberg will konservative Mehrheit
AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier sieht in dem Ergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg einen klaren Wählerwunsch hin zu einem politischen Kurswechsel. „Eines ist doch jetzt bei dieser Wahl ganz deutlich geworden: Baden-Württemberg will eigentlich eine konservative Mehrheit“, sagte er im ZDF. „Die CDU und die AfD hätten gemeinsam genug Stimmen für diese konservative Politik.“ Die Wähler hätten zum Ausdruck gebracht, keine grüne Politik zu wollen, sagte der Co-Landeschef seiner Partei. „Manuel Hagel und die CDU hätte(n) jetzt alle Möglichkeiten zu sagen: Es ist Zeit für eine Veränderung und Schluss mit grüner Politik“, erklärte Frohnmaier.
Die AfD hat ihr Ergebnis der Landtagswahl 2021 laut den Hochrechnungen von ARD und ZDF fast verdoppelt und kommt demnach auf knapp 18 Prozent. Dass die CDU mit der Partei koaliert, gilt aber als ausgeschlossen.
Auch der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla hat sich „sehr zufrieden" mit dem Abschneiden seiner Partei in Baden-Württemberg gezeigt. Es handele sich um einen „Riesenerfolg" sagte er mit Blick auf die 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF. „Wir sind der Gewinner des Abends", sagte Chrupalla. „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei."
Auch die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel zeigt sich zufrieden mit dem Abschneiden ihrer Partei bei der Landtagswahl. „Das läuft auf eine Verdoppelung unseres Ergebnisses hinaus, und damit können wir sehr zufrieden sein“, sagte sie in der ARD.
Kretschmann: „Ich bin froh, dass ich jetzt aufhören darf"
Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann übergibt nach eigenen Worten ein gut bestelltes Haus an seinen Parteifreund Cem Özdemir. „Ich bin froh, dass ich jetzt aufhören darf", sagte er in der ARD. „Und wenn man solch einen talentierten Nachfolger hat, der so viel Erfahrung, Weitsicht und Umsicht hat, dann geht man auch gerne aus dem Amt."
Wer hat wen gewählt?
Den ersten Hochrechnungen des ZDF zufolge zeigen sich soziodemografische Trends bei den Landtagswahlen.
Demnach ergab sich etwa, dass von den 16- bis 24-Jährigen 28 Prozent die Grünen, 18 Prozent die AfD und 17 Prozent die CDU gewählt haben. 14 Prozent der jüngsten Wählerschaft geben den Hochrechnungen zufolge der Linken ihre Stimme, jeweils sieben Prozent der SPD und FDP.
Von den Frauen wählten laut ZDF-Hochrechnungen 34 Prozent die Grünen, 29 Prozent die CDU und 15 Prozent die AfD. Der SPD gaben sechs Prozent der Frauen ihre Stimme, der Linken fünf und der FDP vier Prozent. Männer hätten hingegen zu 31 Prozent der CDU ihre Stimme gegeben, zu 29 Prozent der Grünen und zu 21 Prozent der AfD. Die SPD und FDP wählten jeweils fünf Prozent der Männer, die Linke vier Prozent.
Die Grünen erhalten über alle Altersgruppen hinweg ähnlich viele Stimmen, etwa jeder Dritte hat sie gewählt. Ganz anders bei der CDU: Die Partei wählten den Hochrechnungen zufolge etwa nur 17 Prozent der unter 30-Jährigen, aber 39 Prozent der über 60-Jährigen. Der AfD gaben 19 Prozent der unter 30-Jährigen ihre Stimme, 24 Prozent der 30- bis 44-Jährigen, 20 Prozent der 45- bis 59-Jährigen und 13 Prozent der über 60-Jährigen.
Ein großer Unterschied zeigt sich bei dem Wahlverhalten nach Bildung. Die Grünen bekamen laut der Hochrechnungen beispielsweise 19 Prozent ihrer Stimmen von Menschen mit Hauptschulabschluss und 45 Prozent von Akademikern, während die AfD 25 Prozent der Stimmen von Menschen mit Hauptschulabschluss und zehn Prozent von Akademikern bekamen.
SPD-Kandidat Stoch zieht Konsequenzen - Klingbeil enttäuscht
Für die SPD ist dieser Wahlabend ein sehr düsterer. Das Ergebnis der Sozialdemokraten hat sich den aktuellen Hochrechnungen nach im Vergleich zur letzten Landtagswahl halbiert. Spitzenkandidat der Partei bei dieser Wahl war Andreas Stoch. Er zieht offenbar Konsequenzen aus den schlechten Zahlen und hat seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef angekündigt. Das sagte SPD-Generalsekretär Sascha Binder der Deutschen Presse-Agentur. Stoch bestätigte kurz darauf in der ARD, „dass ich daran mitwirken werde, dass wir in der Fraktion eine neue Spitze wählen". Es sein ein sehr schwerer Tag für seine Partei.
SPD-Bundeschef Lars Klingbeil zeigt sich sehr enttäuscht von dem Ergebnis. „Das ist ein total bitterer Abend", sagte er im ZDF zum historisch schlechten Abschneiden seiner Partei im Südwesten von um die fünf Prozent. Die SPD habe für ein anderes Ergebnis gekämpft. „Wir haben allerdings in den letzten Wochen eine wahnsinnige Dynamik erlebt. Es ging nur noch um die Frage: Cem Özdemir oder Manuel Hagel, wer soll Ministerpräsident werden?" Das habe am Ende auch die SPD Stimmen gekostet.
Linke: „Noch nie so stark in Baden-Württemberg"
Die Linke hat sich nach den Prognosen zum Ausgang der Landtagswahl zufrieden mit ihrem Ergebnis gezeigt. Laut Hochrechnungen hat die Linke zugelegt, den Einzug in den Landtag aber verpasst. Parteichef Jan van Aken sagte in der ARD, Briefwahlstimmen seien noch nicht berücksichtigt, so dass sich das Ergebnis für die Linke noch verbessern könne. "So stark war die Linke noch nie in Baden-Württemberg." CDU-Kandidat Manuel Hagel sei "so eine Pfeife gewesen", dass viele Wählerinnen und Wähler alles tun wollten, um diesen Mann zu verhindern. Das habe die anderen Parteien zwei, drei Prozentpunkte gekostet.
Die Linke konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Landtagswahl 2021 (2,1 %) etwa verdoppeln. Die Partei war mit einem weiblichen Trio angetreten: Amelie Vollmer, Mersedeh Ghazaei und Kim Sophie Bohnen, alle unter 30 Jahre alt.











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