Laut Verteidigungsminister Katz will Israel "große Gebiete" im Gazastreifen erobern und besetzen. Die Palästinenser rief er auf, sich gegen die Hamas zu wehren.
Aktualisiert am 2. April 2025, 15:15 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP, AP
Israel will seinen Militäreinsatz im Gazastreifen deutlich ausweiten und große Gebiete des Küstenstreifens besetzen. Das sagte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. Ziel sei es, "das Gebiet von Terroristen und terroristischer Infrastruktur zu säubern". "Große Gebiete" des Gazastreifens sollten erobert und zu "israelischen Sicherheitszonen" werden, hieß es in einer Mitteilung des Ministers. Nähere Angaben dazu, wie viel Territorium Israel besetzen will, machte er nicht.
Medienberichten zufolge entsandte das Militär für die Ausweitung der Einsätze im Süden des Gazastreifens eine weitere Einheit. Bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen wurde derweil palästinensischen Angaben zufolge eine Klinik des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA getroffen, in der Vertriebene untergebracht worden seien. Mindestens 19 Menschen, darunter neun Minderjährige und zwei Frauen, seien bei dem Vorfall in Dschabalia getötet und sechs weitere verletzt worden, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Demnach hielten sich im Bereich der Klinik Binnenvertriebene auf.
Die israelische Armee sprach hingegen von einem Angriff auf Hamas-Terroristen. Diese hätten sich in einem Kommandozentrum aufgehalten, "das zur Koordinierung von Terroraktivitäten und als zentraler Treffpunkt der Terrororganisation diente". Von dort aus seien Terroranschläge auf israelische Ziele geplant worden. Man habe vor dem Angriff Maßnahmen getroffen, um Zivilisten zu schonen.
Auch bei mehreren israelischen Luftangriffen auf die Stadt Khan Junis im Süden des Gazastreifens sind nach Angaben von Krankenhausangestellten 17 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien fünf Frauen, eine von ihnen schwanger, und zwei Kinder, teilten Krankenhausvertreter in Chan Junis mit. Außerdem seien drei Männer aus einer Familie sowie der Besitzer eines bombardierten Hauses getötet worden.
Proteste im Gazastreifen gegen die Hamas
"Ich rufe die Einwohner Gazas dazu auf, jetzt für die Vertreibung der Hamas und die Rückführung aller Geiseln aktiv zu werden", hieß es in der Mitteilung von Katz. "Dies ist der einzige Weg, den Krieg zu beenden." Katz hatte bereits zuvor gedroht, Israel werde Teile des Gazastreifens dauerhaft einnehmen. Je länger sich die Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren. Zuletzt hatte es im Gazastreifen Proteste gegen den Krieg und die Herrschaft der Terrororganisation Hamas gegeben.
In den vergangenen Tagen hatte die israelische Armee die Bewohner der Stadt Rafah und benachbarter Orte aufgefordert, von dort zu fliehen. Nach vielen Monaten des Krieges war am 19. Januar im Gazastreifen eine Waffenruhe in Kraft getreten. Viele Vertriebene innerhalb des Gebiets kehrten daraufhin in ihre Heimatorte zurück.
Nachdem keine Einigung mit der Hamas auf eine Verlängerung der Feuerpause erzielt worden war, nahm Israel die Angriffe Mitte März wieder auf und startete eine erneute Bodenoffensive.