Nach Schüssen auf israelische Soldaten hat Israel Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen. Im Westjordanland erschossen Soldaten einen 14-Jährigen. Das Liveblog
Aktualisiert am 16. Januar 2026, 15:53 Uhr
- Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 führt Israel einen Krieg im Gazastreifen.
- Am 10. Oktober 2025 ist dort eine Waffenruhe in Kraft getreten. Zuvor hatten sich Israel und die Hamas darauf geeinigt, die erste Phase eines von der US-Regierung vorgeschlagenen 20-Punkte-Plans umzusetzen.
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- Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters.
Israel erschießt 14-Jährigen im Westjordanland
Israelische Soldaten haben nach Angaben der Armee einen Palästinenser im Westjordanland erschossen, der mit Steinen auf sie geworfen hatte. Nach palästinensischen Angaben handelt es sich um einen 14-jährigen Jungen. Die Soldaten hätten noch Warnschüsse abgegeben, um die Person zu vertreiben, die mit einem Stein auf sie zugestürmt sei, teilen die Streitkräfte mit.
Im vergangenen Jahr wurden im Westjordanland deutlich mehr Gewalttaten verzeichnet. So haben Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser stark zugenommen, während die Armee die Einschränkungen für Palästinenser verschärft hat.
Israel greift Ziele im Gazastreifen an
Die israelische Armee hat trotz Waffenruhe nach eigenen Angaben Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen. Vorangegangen sei ein Angriff bewaffneter Palästinenser auf israelische Soldaten. Israels Militär habe Kommandeure der Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Dschihad (PIJ) ins Visier genommen, teilte die Armee mit. Sie machte zunächst keine Angaben zu möglichen Opfern.
Aus medizinischen Kreisen im Gazastreifen hieß es, mindestens neun Menschen seien bei den Angriffen am Donnerstagabend getötet worden, darunter ein Kommandeur der Hamas sowie ein Kommandeur des bewaffneten Arms des PIJ. Den Angaben zufolge gab es auch mehrere Verletzte.
Bewaffnete hatten laut Israels Armee am Dienstag in einem von Israel kontrolliertem Gebiet in Rafah im Süden des Küstenstreifens israelische Soldaten angegriffen. In solchen Fällen hatte Israels Armee bereits zuvor wieder größere Angriffe ausgeführt, sich danach aber wieder an die Waffenruhe gehalten. Inzwischen haben die israelischen Bombardements im Gazastreifen Anwohnern zufolge wieder aufgehört.
BBC berichtet von verschobener Rückzugslinie – Israel widerspricht
Im Rahmen der vereinbarten Waffenruhe mit der Hamas hat sich die israelische Armee hinter die sogenannte Gelbe Linie zurückgezogen. Einem Bericht der britischen Rundfunkanstalt BBC zufolge hat Israel diese Rückzugslinie ins Landesinnere verschoben und so das von ihr kontrollierte Gebiet vergrößert. Die Armee wies die Darstellung auf Anfrage zurück.
Die Gelbe Linie erhielt ihren Namen, weil das israelische Militär die Rückzugslinie mit gelb markierten Betonelementen und Schildern kennzeichnet. Laut der BBC zeigen Satellitenbilder, dass das Militär diese Markierungen versetzt hat, und zwar an insgesamt 16 Positionen. Im Schnitt seien die Markierungen fast 300 Meter tiefer in das Palästinensergebiet verlegt worden.
Auch die Terrororganisation Hamas hatte Israel bereits beschuldigt, die Linie verschoben zu haben. Die israelische Armee hingegen wirft Hamas-Mitgliedern vor, die Rückzugslinie immer wieder zu überschreiten und damit gegen das Waffenruhe-Abkommen zu verstoßen. Derzeit kontrolliert das israelische Militär etwas mehr als die Hälfte des schwer zerstörten Küstengebiets.

US-Präsident Trump unterstützt "Technokratenregierung" im Gazastreifen
US-Präsident Donald Trump hat seine Unterstützung für die Übergangsregierung palästinensischer Fachleute für den Gazastreifen zum Ausdruck gebracht. "Als Vorsitzender des Friedensrates stehe ich hinter der neu ernannten palästinensischen Technokratenregierung", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die neue Führung solle den Gazastreifen "während des Übergangs" regieren. Die palästinensischen Anführer hätten sich unerschütterlich einer friedlichen Zukunft verschrieben, hieß es in dem Post.
Der "Friedensrat" soll als Kontrollgremium der Übergangsregierung dienen. Nach Angaben Trumps hat sich das Gremium, dem er vorsteht, nun formiert. Die Namen der Mitglieder würden bald bekanntgegeben, schrieb der US-Präsident. Vor kurzem waren die Mitglieder der Übergangsregierung benannt worden. Es handelt sich um 14 Palästinenser, die keine Verbindung zur islamistischen Hamas haben sollen. Sie sollen alle Aufgaben und Verantwortungen in dem in zwei Kriegsjahren weitgehend zerstörten Gazastreifen übernehmen.
Israel greift erneut Ziele im Libanon an
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben mehrere Ziele im Libanon angegriffen. Im Süden des Nachbarlandes habe die Armee auf mehrere Waffenlager sowie auf weitere Infrastruktur der Hisbollah-Miliz gezielt, teilte das Militär mit. In einem weiteren Angriff wurde demnach ein unterirdisches Waffenlager getroffen. Berichte über mögliche Tote oder Verletzte gab es zunächst nicht.
Libanesischen Sicherheitsquellen zufolge führte die israelische Luftwaffe mindestens zwei Luftschläge aus. Anwohner benachbarter Gegenden berichteten von lauten Explosionen, die ihre Häuser erschüttert hätten. Das israelische Militär verwies in seiner Mitteilung auf Aktivitäten der Hisbollah an den genannten Orten, die eine Verletzung der zwischen Israel und dem Libanon vereinbarten Waffenruhe darstellten.
Palästinensische Übergangsregierung trifft sich in Kairo
Die neue Übergangsregierung palästinensischer Fachleute für den Gazastreifen hat sich erstmals unter US-ägyptischer Schirmherrschaft in Kairo getroffen. Das berichtete das regierungsnahe ägyptische Medium Al-Qahera News. Israelischen Angaben zufolge soll der Bulgare Nikolaj Mladenow voraussichtlich Vorsitzender des internationalen Friedensrats für den Gazastreifen werden. Dieser Rat soll die Übergangsregierung beaufsichtigen.
Die Übergangsregierung palästinensischer Technokraten soll Angaben aus Verhandlungskreisen zufolge auch mit dem früheren UN-Nahost-Gesandten Mladenow das weitere Vorgehen nach Beginn der zweiten Phase des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump klären. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Auf das Treffen in Kairo sollen mehrere weitere vorbereitende Zusammenkünfte folgen. Dabei soll es um die künftige Verwaltung des Gazastreifens sowie den Wiederaufbau des Küstengebiets gehen. Technokraten sind Regierungsmitglieder, die ihre Ämter aufgrund fachlicher Qualifikation und beruflicher Erfahrung und nicht wegen parteipolitischer Zugehörigkeit übernehmen. Nach palästinensischen Angaben besteht die Übergangsregierung aus 14 Mitgliedern, darunter ist eine Frau. Sie stammen teils aus dem Gazastreifen, teils aus dem Westjordanland.

Netanjahu hält zweite Phase des Friedensplans für symbolisch
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die zweite Phase des Friedensplans für Gaza als größtenteils symbolisch bezeichnet. Die Ankündigung des palästinensischen Regierungskomitees sei eher eine Deklaration als ein Zeichen von Fortschritt, sagte Netanjahu während eines Treffens mit den Eltern der israelischen Geisel Ran Gvili. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hatte die Ankündigung als Fortschritt bezeichnet.
Die Eltern von Gvili, einem israelischen Polizeibeamten, forderten Netanjahu dazu auf, nicht zur nächsten Phase der Waffenruhe überzugehen, solange die sterblichen Überreste ihres Sohnes nicht zurück in Israel sind. Netanjahu versicherte ihnen, die Rückkehr habe für ihn weiter hohe Priorität.

Hamas bereit zur Machtübergabe an Technokratengremium
Die Hamas stimmt einer Übergabe der Regierungsgeschäfte im Gazastreifen an ein palästinensisches Gremium von Technokraten zu. Man sei bereit, die Verantwortung an das Gremium zu übergeben, sagte ein Vertreter der Terrororganisation. Steve Witkoff, Sondergesandter der USA für den Nahen Osten, sagte, damit werde eine Übergangsregierung eingesetzt, die einen Prozess der Entwaffnung und des Wiederaufbaus in Gaza beginnen solle.
Zuvor hatte der ägyptische Außenminister bekannt gegeben, Hamas und Palästinensische Autonomiebehörde hätten sich auf 15 Mitglieder des Gremiums geeinigt.

Katar als Vermittler begrüßt zweite Phase des Gaza-Friedensplans
Die US-Ankündigung des Beginns der nächsten Phase des Gaza-Friedensplans ordnet Katar als positiv ein. Das Emirat, das im Konflikt wiederholt als Vermittler aufgetreten ist, hofft, dass sich dadurch die humanitäre Lage verbessere, teilte Außenamtssprecher Madschid al-Ansari mit. Humanitäre Hilfe müsse uneingeschränkt möglich sein, um ein menschenwürdiges Leben zu gewährleisten. Zusätzlich muss laut Al-Ansari ein rascher Wiederaufbau vorangetrieben werden. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, weiterhin einen dauerhaften Waffenstillstand zu unterstützen.
Übergangsverwaltung für Gaza soll aus 15 Mitgliedern bestehen
Die Hamas und die palästinensische Autonomiebehörde haben sich nach Angaben der ägyptischen Regierung auf die Zusammensetzung einer Übergangsverwaltung für den Gazastreifen geeinigt. Alle Beteiligten hätten eine Einigung über die 15 Mitglieder des Gremiums getroffen, sagte der ägyptische Außenminister Badr Abdelatti nach Gesprächen in Kairo.
Angeführt werden soll das Gremium von dem ehemaligen stellvertretenden Minister der Palästinensischen Autonomiebehörde, Ali Schaath, wie aus einer gemeinsamen Erklärung der Vermittler Ägypten, Türkei und Katar hervorging. Weitere Namen gaben die Vermittlerstaaten nicht bekannt.
Großbritannien rät Bürgern von Reisen nach Israel ab
Die Regierung in London warnt britische Staatsbürger angesichts der angespannten Lage in der Region vor nicht notwendigen Reisen nach Israel. Wohl mit Blick auf die Lage im Iran teilte das Außenministerium mit, eine Eskalation könne das Reisen unmöglich machen und andere nicht vorhergesehene Folgen haben. Für Teile Israels und die Palästinensischen Autonomiegebiete gelte weiter eine komplette Reisewarnung, die höchste Warnstufe des Ministeriums.
USA verkünden nächste Phase des Friedensplans
Die Umsetzung des Gaza-Friedensplans geht nach US-Angaben in die zweite Phase. Darin werde man sich "von der Waffenruhe hin zu Demilitarisierung, technokratischer Verwaltung und Wiederaufbau" des Gazastreifens bewegen, teilte der US-Sondergesandte Steve Witkoff auf X mit.
Der US-Plan sieht eine Verwaltung des Gebiets unter palästinensischer Beteiligung und eine vollständige Demilitarisierung des Gebiets vor. "Die USA erwarten von der Hamas, dass sie ihren Pflichten vollständig nachkommt", schrieb Witkoff. Das gilt auch für die Vereinbarung, die sterblichen Überreste der letzten Geisel an Israel zu überstellen. "Ein Versagen dabei, dies zu tun, wird ernsthafte Konsequenzen haben", drohte Witkoff.
Die Hamas und Israel äußerten sich zunächst nicht dazu. Die Waffenruhe auf Basis eines 20-Punkte-Plans der USA gilt seit Anfang Oktober. Zu den größten Hürden bei ihrer Umsetzung gehören die geplante Entwaffnung der Hamas, ein Abzug der israelischen Armee aus dem Gebiet und die Entsendung einer internationalen Sicherheitstruppe.

Palästinensergruppen verhandeln über zweite Phase des Friedensplans
Vertreter der Hamas sind in Kairo zu Gesprächen über die Zukunft des Gazastreifens zusammengekommen. Die Hamas und weitere Palästinensergruppen hätten ihre Verhandlungen darüber begonnen, teilte der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News mit. Dabei gehe es um die Vorbereitungen zur zweiten Phase des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump.
Teil der Vorbereitungen für die zweite Phase ist, ein Gremium aus palästinensischen Technokraten zu schaffen. Diese sollen das Gebiet vorübergehend verwalten. Laut Angaben der Hamas soll Spitzenfunktionär Chalil al-Haja die Delegation anführen. Es gehe um den Abschluss der ersten Phase, darunter der vollständige Abzug israelischer Truppen aus dem Küstengebiet.
Auf weitere Namen für das geplante Technokraten-Komitee habe sich die Hamas geeinigt, teilten ägyptische Sicherheitskreise mit. 12 von 15 Namen stünden fest. Die Kreise erwarten, dass Trump den Beginn der zweiten Phase im Friedensplan noch heute ankündigen könnte.

Tote bei Winterstürmen im Gazastreifen
Das winterliche Wetter, insbesondere starke Windböen, setzt den Menschen im Gazastreifen zu, die vielfach noch in Zeltlagern ausharren. So stürzte eine acht Meter hohe Mauer durch den Wind auf provisorische Zelte von Kriegsvertriebenen, wie das Schifa-Krankenhaus berichtete. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet, weitere fünf wurden verletzt. Auf ähnliche Weise starb eine Frau im westlichen Teil der Stadt Gaza, als Trümmer auf ihr Zelt fielen.
Das UN-Nothilfebüro OCHA berichtet zudem, dass Hunderte Zelte und andere behelfsmäßige Unterkünfte weggeweht oder stark beschädigt wurden. Hilfsorganisationen warnen davor, dass der Bevölkerung im von Trümmern übersäten Küstengebiet geeignete Unterkünfte fehlen, um den wiederkehrenden Winterstürmen standzuhalten.

Unicef wirft Israel mangelnden Schutz von Kindern in Gaza vor
Nach Angaben der Kinderhilfsorganisation Unicef sind seit Beginn des Waffenstillstands Anfang Oktober mehr als 100 Kinder im Gazastreifen gestorben. Wie Sprecher James Elder bei einer Pressekonferenz der Vereinten Nationen mitteilte, sind viele der Opfer durch militärische Angriffe wie Luftschläge, Drohnen- und Quadrocopter-Angriffe, Panzerbeschuss und Schusswaffengebrauch gestorben. Einige Kinder starben durch explodierende Kriegsrückstände.
Elder sagte, das Überleben für Kinder in Gaza bleibe weiterhin unsicher. Zwar hätten Bombardierungen und Schießereien seit dem Waffenstillstand nachgelassen, doch sie seien nicht völlig zum Erliegen gekommen. Die tatsächliche Zahl getöteter Kinder liege vermutlich höher, da die Unicef-Daten nur Fälle erfassen, zu denen ausreichende Informationen vorliegen.

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