Krieg in der Ukraine: Verletzte nach Angriffen in der Ukraine – Schäden durch Drohnentrümmer in Rumänien

vor 3 Stunden 1

Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Merz schlägt engere Anbindung der Ukraine an EU vor

EU öffnet die Tür für Ukraine-Beitrittsverhandlungen

Nach Orbán-Abwahl: EU will mit Ukraine über Beitritt reden

Budapest: Russisches Öl wieder auf dem Weg nach Ungarn

Selenskij als Gast auf dem EU-Gipfel

Christoph Heinlein

Verletzte nach russischen Angriffen in der Ukraine – Schäden durch Drohnentrümmer in Rumänien

Russland hat in der Nacht eine neue Angriffswelle gegen ukrainische Städte gestartet. Neben 619 Drohnen und 30 ballistischen Raketen kamen nach Angaben der ukrainischen Luftabwehr auch Marschflugkörper zum Einsatz. In beinahe allen Landesteilen wurde Luftalarm ausgelöst und die Bevölkerung aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Aus Charkiw und Dnipro wurden schwere Explosionen gemeldet, auch die Hauptstadt Kiew und eine Reihe anderer Städte wurden angegriffen. Allein in Dnipro seien mindestens 14 Zivilisten verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mit.

Nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe hatten russische Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 kurz nach Mitternacht Ortszeit aus großer Distanz über dem Kaspischen Meer die Marschflugkörper abgefeuert. Mit deren Annäherung an die Ukraine starteten die russischen Militärs noch Drohnen und ballistische Raketen, um die ukrainische Flugabwehr mit diesem Waffenmix zu überlasten. Wie die Luftwaffe auf dem Nachrichtenportal Telegram ⁠mitteilt, konnte sie 580 Drohnen und 30 Raketen abschießen oder anderweitig unschädlich machen.

Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums gingen auch in der rumänischen Stadt Galati im Südosten des Landes Trümmerteile einer Drohne nieder. Dabei wurden ein Nebengebäude und ein Strommast beschädigt. Seit Beginn der russischen Angriffe auf die ‌ukrainische Infrastruktur jenseits der Donau fallen immer mal wieder Drohnenteile auf rumänisches Gebiet. Es ist jedoch das erste ​Mal, dass dabei ​Sachschäden entstanden sind. 

Philipp Saul

Merz schlägt engere Anbindung der Ukraine an EU vor

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat beim EU-Gipfel in Zypern eine engere Anbindung der Ukraine an die Europäische Union vorgeschlagen. Er nannte die Teilnahme an Europäischen Räten, im Europäischen Parlament oder in der Kommission ohne Stimmrecht als Beispiele.

„Wichtig ist, dass diese Heranführung jetzt diese Beitrittsverhandlungen auch beschleunigen soll, als Brücke in eine spätere Vollmitgliedschaft. Ich habe für meine Vorschläge von den Kolleginnen und Kollegen im Europäischen Rat viel Unterstützung erhalten“, sagte Merz in Nikosia.

Es sei allen klar, dass ein sofortiger Beitritt der Ukraine in die Europäische Union natürlich nicht möglich sei, so Merz. Sein Vorschlag sei, einen Prozess zu beginnen mit einer Heranführungsstrategie der Ukraine an die Europäische Union, „an deren Ende natürlich auch die volle Mitgliedschaft stehen soll“. Merz sagte: „Aber wir brauchen dahin Zwischenschritte.“ 

Kiew entlässt Kommandeure wegen verfälschter Lageberichte   

Der ukrainische Generalstab hat zwei hochrangige Offiziere wegen verfälschter Lageberichte aus dem Frontgebiet in der Region Charkiw ihres Postens enthoben. Das bisherige Kommando habe „die reale Lage verschleiert, eine Reihe von Stellungen ging verloren und es wurden Fehler bei der Versorgung von Soldaten begangen“, teilte der Generalstab in sozialen Netzwerken mit.

Den Angaben nach handelt es sich um Frontabschnitte östlich des Flusses Oskil bei der Stadt Kupjansk. Mit Booten und Transportdrohnen werde dort die Versorgung der ukrainischen Einheiten sichergestellt, die durch „systematische Luft- und Raketenangriffe des Gegners“ auf die Flussübergänge erschwert sei. Gegen die ehemalige Führung der 14. Sonderbrigade seien dienstliche Ermittlungen eingeleitet worden.

Tags zuvor hatte die Tochter eines Militärangehörigen mit der Veröffentlichung von Bildern ausgemergelter Soldaten auf die erschwerte Versorgungslage aufmerksam gemacht. „Die Jungs sind ohne Essen und Wasser! Die Kämpfer werden vor Hunger ohnmächtig, trinken Regenwasser“, schrieb sie bei Threads. Das Verteidigungsministerium in Kiew reagierte umgehend.

Das Gebiet um die Städte Kupjansk und der über den Oskil liegenden Nachbarstadt Kupjansk-Wuslowyj ist seit Monaten hart umkämpft. Der Kreml hatte bereits die Eroberung von Kupjansk für sich beansprucht, was unter anderem durch Aufnahmen des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij am Ortseingang widerlegt wurde.

Julia Bergmann

Ukraine: Zwei Tote bei russischem Drohnenangriff auf Odessa 

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa sind nach ukrainischen Angaben in ⁠der Nacht zwei Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Bei den Todesopfern handele es sich um ein 75-jähriges Ehepaar, teilt ​der ​Leiter der lokalen Militärverwaltung, Serhij Lyssak, auf dem ‌Kurznachrichtendienst Telegram mit. Rettungsdiensten zufolge wurden mehrere ‌mehrstöckige Gebäude zerstört oder beschädigt und gerieten in Brand. 

Russland droht andauernde Wirtschaftsflaute 

Russlands Wirtschaft schwächelt deutlich: In den ersten zwei Monaten des Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt um 1,8 Prozent zurückgegangen – obwohl die Zentralbank noch kürzlich ein Plus von 1,6 Prozent für das erste Quartal prognostiziert hatte. Putin forderte auf einer Regierungssitzung Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft. Der Niedergang ist in fast allen Sektoren spürbar: verarbeitendes Gewerbe, Güterverkehr, Industrieproduktion und Bausektor stecken in der Krise. 

Ursache ist der Krieg gegen die Ukraine. Sanktionen schneiden Russland von Technologien und ausländischen Investitionen ab, der hohe Leitzins von 15 Prozent würgt die Investitionstätigkeit ab. Das Kriegswirtschaftsmodell, das das Wachstum in den ersten drei Kriegsjahren noch antrieb, hat sich inzwischen überholt: Der Boom in den Waffenfabriken kann die Krise im zivilen Sektor nicht mehr überdecken.

Zusätzlich belasten strukturelle Mängel, Fachkräftemangel und neue Steuern – darunter höhere Gewinn- und Mehrwertsteuer – die Wirtschaft. Die Inflation liegt offiziell bei etwas mehr als fünf Prozent, doch Produkte des täglichen Bedarfs haben sich überproportional verteuert. Für das Wirtschaftswachstum insgesamt erwarten Experten kaum positive Auswirkungen: Der erstarkende Rubel und hohe Kreditkosten verhinderten, dass die russische Wirtschaft wieder deutlich an Fahrt gewinne. 

EU öffnet die Tür für Ukraine-Beitrittsverhandlungen

Beim EU-Gipfel in Zypern haben Staats- und Regierungschefs signalisiert, dass die Voraussetzungen für den Beginn der ersten Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine erfüllt sind. Die Gespräche könnten in den kommenden Wochen und Monaten beginnen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg aus EU-Kreisen. 

Ein konkretes Beitrittsdatum bleibt jedoch offen. Selenskij besteht auf einer vollwertigen Mitgliedschaft und lehnt Vorschläge für einen schnelleren, aber rechtlich schwächeren „assoziierten Mitgliedsstatus“ ab, den unter anderem Deutschland und Frankreich ins Spiel gebracht hatten. „Die Ukraine braucht keine symbolische EU-Mitgliedschaft“, sagte er vor dem Gipfel. 

Es gibt keine Alternative zur vollen Mitgliedschaft der Ukraine.

Estlands Premierminister Kristen Michal

Viele Mitgliedstaaten zeigen wenig Bereitschaft, den Prozess zu beschleunigen – Bedenken gibt es vor allem wegen möglicher Auswirkungen auf den EU-Haushalt sowie den Agrar- und Transportsektor. Litauens Präsident Gitanas Nauseda nannte 2030 als „Zieldatum“, Estlands Premierminister Kristen Michal hingegen betonte: „Es gibt keine Alternative zur vollen Mitgliedschaft der Ukraine.“ 

Katja Guttmann

Nach Orbán-Abwahl: EU will mit Ukraine über Beitritt reden

Jetzt, wo der ungarische Regierungschef Viktor Orbán nicht mehr blockiert, soll die erste Runde von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine gestartet werden. Es sei nun an der Zeit, den nächsten Schritt vorzubereiten, sagte EU-Ratspräsident António Costa zum Auftakt eines informellen EU-Gipfels in Zypern. 

Der Start der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine war bereits im Sommer 2024 beschlossen worden. Die Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts wurde dann allerdings von Ungarn mit einem Veto blockiert. Orbán begründete seine Blockade mit angeblichen großen Gefahren für die EU durch einen Beitritt der Ukraine. Er behauptete beispielsweise, dass die EU dadurch in einen Krieg mit Russland gezogen werde.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bekräftigte in Zypern, die Ukraine wolle so schnell wie möglich der EU beitreten. Seine Regierung hatte sich selbst das Ziel gesetzt, die Verhandlungen dazu bis Ende 2028 abzuschließen. Ob sich das umsetzen lässt, ist allerdings völlig unklar. Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wurden beispielsweise bereits 2005 gestartet. Sie liegen allerdings vollständig auf Eis – nach Rückschritten des Landes in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechten. 

Der Prozess der Beitrittsverhandlungen ist in sechs Themenbereiche mit insgesamt 32 Abschnitten eingeteilt, die auch Cluster beziehungsweise Kapitel genannt werden. Eröffnet und geschlossen werden können sie nur durch einstimmige Entscheidungen der Mitgliedstaaten. Die Ukraine sei bereit dafür, Cluster zu eröffnen, sagte Selenskij. 

Juri Auel

Selenskij als Gast auf dem EU-Gipfel

Überschattet von den diversen Krisenherden auf der Welt kommen Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag zu einem Gipfel auf Zypern zusammen. Bei einem Abendessen im Küstenort Agia Napa sollen am ersten Tag die drängendsten geopolitischen Herausforderungen diskutiert werden.

An dem Gespräch soll auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij teilnehmen. Er dürfte darauf dringen, dass die EU den Druck auf Russland weiter erhöht, und zugleich den Wunsch Kiews nach einem EU-Beitritt bekräftigen. 

Am Mittwoch hatte die ungarische Regierung ihre monatelange Blockade des geplanten milliardenschweren EU-Paktes für die Ukraine aufgegeben. Das Darlehen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro scheint in greifbarer Nähe: Wenn bis heute Nachmittag kein Land Widerspruch einlegt, ist der Kredit bewilligt. Außerdem sollen auf dem Gipfel neue Russland-Sanktionen auf den Weg gebracht werden. Das Paket zielt darauf ab, Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl weiter zu reduzieren. 

Julia Daniel

EU beschließt neue Russland-Sanktionen 

Die EU hat neue Russland-Sanktionen beschlossen und den Weg für ein 90 Milliarden schweres Unterstützungsdarlehen für die Ukraine freigemacht. Einen Tag nach dem Ende der Blockade des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gab die zyprische EU-Ratspräsidentschaft den erfolgreichen Abschluss der formellen Entscheidungsverfahren für die beiden Projekte bekannt. Damit können die neuen Sanktionen in Kraft gesetzt und die Auszahlung der ersten Darlehensbeträge an die Ukraine geplant werden.

Für die Ukraine ist vor allem das Geld wichtig. Es soll dem Land die Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen die russischen Invasionstruppen ermöglichen und es vor einer Staatspleite bewahren. Das neue Sanktionspaket zielt unterdessen besonders darauf ab, Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl weiter zu reduzieren. Zudem sollen weitere Finanzinstitute vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten und zusätzliche Handelsbeschränkungen erlassen werden. Das Paket war zuvor von Ungarn sowie der Slowakei blockiert worden.

Um Orbán und den slowakischen Regierungschef Robert Fico zur Aufgabe ihrer Vetos zu bewegen, hatte die Ukraine am Dienstag die Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba-Pipeline ermöglicht. Über diese wird russisches Öl über das ukrainische Staatsgebiet nach Ungarn und in die Slowakei geliefert.

Julia Bergmann

Tote und Verletzte nach russischem Angriff auf Dnipro 

Bei einem nächtlichen russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Industriestadt Dnipro sind nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Weitere zehn Personen, darunter zwei Kinder, seien verletzt, teilte Gouverneur Oleksandr Hanscha auf Telegram mit. Die Opfer lebten demnach in einem 13-stöckigen Wohnhaus. Das Gebäude brannte nach dem Drohneneinschlag auf mehreren Etagen aus.

Insgesamt sei die Region rund zwanzigmal attackiert worden, schrieb Hanscha. Neben der Gebietshauptstadt Dnipro traf es demnach auch den Landkreis Nikopol, wo eine 64-Jährige verletzt wurde, und die Großstadt Krywyj Rih. Dort sei ein Infrastrukturobjekt bei einem Brand beschädigt worden.

Russische Ölanlagen erneut im Fokus ukrainischer Angriffe

Die Ukraine hat in der Nacht erneut mit Drohnen Ölanlagen tief im Hinterland Russlands attackiert. In Nowokyjbyschew sei bei einem Angriff auf ein Industrieobjekt ein Mensch ums Leben gekommen, schrieb der Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw Fedorischtschew, auf Telegram. Zwei weitere Personen wurden demnach verletzt. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Objekt um eine zum Ölkonzern Rosneft gehörende Chemiefabrik.

Nach Angaben Fedorischtschews fielen Drohnentrümmer zudem auf ein Wohnhaus in Samara. Ein Passant sei durch die herabfallenden Teile verletzt worden, schrieb er.

In der ebenfalls an der Wolga gelegenen Nachbarregion Nischni Nowgorod wurde nach Angaben des Internetportals Astra nahe der Stadt Kstowo eine Ölpumpstation getroffen und in Brand gesetzt. Diese gehöre zu den größten Knotenpunkten des russischen Pipelinebetreibers Transneft in der Region, schrieb Astra. Über mögliche Opfer ist nichts bekannt. Die russischen Behörden haben den Vorfall bislang nicht bestätigt.

Slowakei bezieht wieder Öl über Druschba-Pipeline

Die Slowakei bezieht nach Angaben ​des Wirtschaftsministeriums wieder ​Rohöl über die Druschba-Pipeline. Der ‌Ölfluss sei um zwei ‌Uhr in der Nacht wieder aufgenommen worden, teilte das Ministerium in ​Bratislava ​mit. Er war seit Januar ​unterbrochen. Nach ukrainischen Angaben war die Pipeline damals bei einem russischen Angriff getroffen ‌worden.

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