Krieg in der Ukraine: Russland meldet Einnahme von Kostjantyniwka, Ukraine dementiert

vor 1 Tag 1

Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Ukraine attackiert russische Ölanlagen bei Sankt Petersburg

Mutmaßliche Unterstützung Russlands: Auswärtiges Amt bittet Chinas Botschafter zu dringlichem Gespräch 

Ukraine soll bei Nato-Gipfel Milliardenversprechen erhalten

Ukraine attackiert zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der Krim

Zahl der Todesopfer nach Großangriff auf Kiew auf 30 gestiegen 

Ukraine attackiert russische Ölanlagen bei Sankt Petersburg

Die Ukraine hat erneut russische Ölanlagen an der Ostsee bei Sankt Petersburg mit Drohnen angegriffen. Der Gouverneur des Umlands der Metropole, Alexander Drosdenko, berichtete, dass 67 feindliche Drohnen abgeschossen worden seien. Dafür gab es keine unabhängige Bestätigung, es deutet aber auf einen größeren Angriff hin, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Im Hafen von Wyssozk am Finnischen Meerbusen seien Teile von Drohnen abgestürzt, sagte Drosdenko der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. In Wyssozk gibt es ein großes Terminal zur Ölverladung.

Zudem scheint auch der Ölhafen von Sankt Petersburg selbst getroffen worden zu sein, wie Videos in russischen wie ukrainischen Telegramkanälen nahelegen. Von der Führung der Millionenstadt gab es dazu keine Angaben.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte nur Angriffe auf das Umland von Sankt Petersburg, aber nicht auf das Stadtgebiet. Landesweit seien über Nacht 389 ukrainische Kampfdrohnen abgefangen worden, hieß es.

Zuletzt hatte die Ukraine Anfang Juni Tanks im Ölhafen von Sankt Petersburg in Brand geschossen, als dort das Internationale Wirtschaftsforum von Kremlchef Wladimir Putin beginnen sollte. Die Stadt liegt mehr als 1000 Kilometer von der Ukraine entfernt.

Luzia Geier

Ukraine: Mindestens zehn Tote bei russischen Angriffen auf Sumy und den Süden

Bei dem russischen Angriff mit einer Gleitbombe auf das Zentrum der nordukrainischen Stadt Sumy sind am Freitagabend nach offiziellen Angaben mindestens vier Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien ein fünfjähriges Kind und dessen Mutter, teilte der regionale Gouverneur Oleh Hryhorow auf Telegram mit. Zudem seien 27 Menschen verletzt worden. Die Bombe sei in einem belebten Viertel mit einem Hochhaus und Geschäften eingeschlagen. Präsident Wolodimir Selenskij veröffentlichte Bilder der Zerstörung und forderte die Verbündeten der Ukraine auf, den Druck auf Russland zu erhöhen.

Im Südosten der Ukraine starben bei mehr als 50 Angriffen mit Drohnen, Artillerie und Bomben drei Menschen in der Region Dnipropetrowsk, darunter zwei in der Nähe von Nikopol. Die Stadt liegt am Fluss Dnipro, gegenüber dem von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja. In der Stadt Saporischschja selbst kamen nach Angaben des dortigen Gouverneurs Iwan Fedorow bei weiteren Angriffen zwei Menschen ums Leben, 21 wurden verletzt.

Juri Auel

Russland spricht über Eroberung von Kostjantyniwka, Ukraine lediglich von schweren Kämpfen rund um die Stadt

Kremlchef Wladimir Putin hat nach offizieller russischer Darstellung die Eroberung der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk durch seine Truppen gefeiert. Die Industriestadt sei unter hohen Verlusten für die ukrainischen Verteidiger erobert worden, wurde Putin von seinem Sprecher Dmitrij Peskow zitiert.

Von ukrainischer Seite gab es zu den Siegesmeldungen aus Moskau keinen Kommentar. Zuletzt hatten ukrainische Militärs eine schwierige Lage in der bereits schwer zerstörten Stadt eingeräumt. Der ukrainische Generalstab in Kiew sprach am Abend in seinem Lagebericht lediglich von schweren Kämpfen rund um Kostjantyniwka.

Putin käme nun seinem Ziel näher, den Donbass komplett unter russische Verwaltung zu bringen, behauptete Moskau. Von den größeren Städten im Gebiet Donezk blieben dann nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle. 

Juri Auel

Ukraine meldet Zerstörung von Brücke auf russisch besetzter Krim - Stromausfälle berichtet

Die ukrainischen Streitkräfte haben auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim eine Reihe von Zielen angegriffen und nach eigenen Angaben schwer getroffen. Wichtigstes Ziel sei eine Brücke im Gebiet Krasnogwardejsk im Zentrum der Krim gewesen, die nach Angaben des Generalstabs in Kiew vollständig zerstört worden ist. Damit sei die Versorgung der Fronten im Osten der Ukraine mit Nachschub deutlich erschwert worden.

Daneben seien Radaranlagen sowie eine Anlage zur elektronischen Aufklärung bei Sewastopol von Drohnen angegriffen worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite war zunächst nicht möglich. 

Auch Energieinfrastruktur wurde offenbar attackiert. „Derzeit sind mehr als zehn Bezirke ganz oder teilweise ohne Strom“, wurde der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow von der Agentur Tass zitiert. „Der Feind greift das Stromnetz der Halbinsel täglich mit Drohnen an.“ Die Lage sei schwierig. Er machte keine Angaben darüber, wie viele Menschen von den Stromabschaltungen betroffen seien.

Bisher haben die russischen Streitkräfte mit Attacken immer wieder für massive Stromausfälle in der Ukraine gesorgt. Vor allem im Winter wurde die Zivilbevölkerung damit schwer unter Druck gesetzt. Aktuell richten sich ukrainische Angriffe vermehrt gegen militärische Ziele auf der Krim. Allerdings gerät auch die Energie-Infrastruktur ins Visier ukrainischer Drohnen. 

Juri Auel

Mutmaßliche Unterstützung Russlands: Auswärtiges Amt bittet Chinas Botschafter zu dringlichem Gespräch 

Der chinesische Botschafter Deng Hongbo ​ist zu einem „dringlichen Gespräch“ ins Auswärtige Amt gebeten worden. Anlass für die diplomatische Maßnahme am Donnerstag seien Berichte gewesen, dass russische Soldaten in China durch die Volksbefreiungsarmee ausgebildet würden. „Das ist ​sehr besorgniserregend, denn grundsätzlich gilt das, was wir schon häufig klar gesagt haben: Russland ⁠ist die größte Bedrohung unserer euro-atlantischen Sicherheit“, hieß es aus dem Außenministerium.

Alles, was Russland in die Lage versetze, ​seinen Angriffskrieg gegen ​die Ukraine weiterzuführen, sei auch eine Bedrohung für ‌Deutschland. „Chinas entscheidende und wachsende Unterstützung für Russlands ‌brutalen Angriffskrieg betrifft daher direkt unsere Sicherheit“, hieß es. Man habe der chinesischen Seite erneut sehr deutlich gemacht, wie groß die Sorge ​sei, dass ​China Russland dabei unterstütze. Die Bitte ​um ein „dringliches Gespräch“ ist nicht identisch mit der „Einbestellung“ eines Botschafters, die eine deutlich schärfere diplomatische Eskalationsstufe bedeutet.

Die Bundesregierung und die EU werfen China seit Jahren ‌vor, Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Die Regierung in Peking hat dies ‌stets zurückgewiesen. Etliche chinesische Firmen, ‌denen die Lieferung kriegsrelevanter Teile nach Russland nachgewiesen wurde, ​stehen auf westlichen Sanktionslisten. Auch im 20. EU-Sanktionspaket wurden erneut chinesische Personen und Unternehmen sanktioniert, ​die Russland aus Sicht der EU im Angriffskrieg unterstützen. ‌Insgesamt sind bereits mehr als 100 Personen und Unternehmen aus China im Rahmen der EU-Russland-Sanktionen gelistet. 

Leon Wenz

Tote bei Drohnenangriff auf besetzte Stadt 

In der von russischen Truppen besetzten Stadt Tokmak im Südosten der Ukraine sind bei einem ukrainischen Drohnenangriff nach Behördenangaben mindestens fünf Menschen getötet worden. Weitere 18 seien verletzt worden, teilte der von Moskau eingesetzte Chef des Gebietes Saporischschja, Jewgeni Balizki, bei Telegram mit. Die Attacke galt demnach einem Infrastrukturobjekt. Getroffen worden sei ein städtischer Markt, schrieb er. Diese Informationen können nicht unabhängig überprüft werden.

Das ukrainische Militär greift seit mehreren Wochen systematisch russische Nachschubrouten hinter der Front an. Ukrainische Behördenvertreter hatten daher als Vorsichtsmaßnahme Zivilisten zur Flucht aus den russisch kontrollierten Gebieten aufgefordert. Tokmak liegt rund 25 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Ukraine attackiert zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der Krim

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim angegriffen. Ziel seien mindestens sieben Kampfflugzeuge sowie Drohnendepots gewesen, teilte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU auf Telegram mit. Betroffen waren demnach die ​Stützpunkte Hwardijske und Saki. Letzterer sei in dieser Woche bereits zum zweiten Mal attackiert worden. Die dort stationierten Flugzeuge seien beschädigt oder zerstört worden, hieß es ⁠vom SBU. Eine russische Stellungnahme lag bisher nicht vor.

Russland meldet Tote in Grenzregionen

Nach Angaben aus Russland wurden in der Nacht bei ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffen auf russische Grenzregionen mindestens zwei Menschen getötet. Zudem wurden laut Behörden mehrere Industrieanlagen beschädigt. In der etwa ​40 Kilometer von der Grenze entfernten Stadt Belgorod sei eine Frau in ihrem Auto durch Splitterverletzungen ums Leben gekommen, teilte Bürgermeister ⁠Valentin Demidow mit. Die Wasser- und Stromversorgung sei beeinträchtigt. Der Nachrichtensender Westi berichtet unter Berufung auf Behörden, dass nach Raketenangriffen auf Belgorod und die Umgebung ein Industriebetrieb in Brand geraten ​sei. 

In ​der Grenzregion Brjansk wurde laut Gouverneur Jegor Kowaltschuk ein Mann ‌bei einem Angriff mit einer Kamikaze-Drohne getötet. In der Region Smolensk ‌geriet nach Angaben der Verwaltung eine Industrieanlage nach einem Drohnenangriff in Brand.

Luzia Geier

Ukraine: Vier Tote bei russischen Angriffen

Bei neuen russischen ​Luftangriffen auf die Ukraine sind Behördenangaben zufolge vier Menschen getötet worden. In der nordöstlichen Grenzregion Sumy seien beim Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus ​in der Nacht zwei Frauen, ein älterer Mann und ein Kleinkind im Alter ⁠von unter zwei Jahren ums Leben gekommen, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleh Hryhorow, auf Telegram ​mit. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. ‌Zudem wurden in der zentralukrainischen Stadt Krywyj ‌Rih laut den Behörden sieben Menschen verletzt. Dort schlug eine russische Rakete in ein dicht besiedeltes Wohngebiet ​ein, wie der ​Chef des örtlichen Verteidigungsrates, Oleksandr Wilkul, ​erklärte.

Julia Bergmann

Zahl der Todesopfer nach Großangriff auf Kiew auf 30 gestiegen 

Nach dem schweren russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ​am Donnerstag ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 30 gestiegen. Drei ⁠weitere Leichen seien aus den Trümmern geborgen worden, teilte der ukrainische Katastrophenschutz mit. Zudem wurden den Behörden zufolge mehr als ​90 ​Menschen verletzt. 

Laut dem Leiter der Kiewer Militärverwaltung, ‌Tymur Tkatschenko, suchen Rettungskräfte in den ‌Trümmern weiter nach Vermissten, weshalb die Opferzahl noch steigen könnte. Russland hatte in den frühen Morgenstunden am Donnerstag ​Hunderte Drohnen und ​Dutzende Raketen auf Kiew abgefeuert. Dabei ​wurden rund 130 Gebäude beschädigt. Es war der folgenschwerste Angriff auf die ukrainische Hauptstadt in diesem Jahr.

Christoph Heinlein

Tote und Verletzte im Südosten der Ukraine 

In der Ukraine sind bei verschiedenen russischen Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk im Verlauf des Tages nach Behördenangaben zwei Menschen getötet worden. Insgesamt seien neun weitere verletzt worden, schrieb der Militärgouverneur der Region, Oleksandr Hanscha, bei Telegram. Russland attackierte demnach die Kreise Dnipro, Nikopol und Synelnykowe und setzte dabei Drohnen, Artillerie Gleitbomben und eine Rakete ein. Am Tag nach einem massiven nächtlichen Angriff mit mindestens 25 Toten allein in der ukrainischen Hauptstadt Kiew setzte Moskau seine Attacken damit fort.

In Saporischschja ebenfalls im Südosten der Ukraine wurden Militärgouverneur Iwan Fedorow zufolge sieben Menschen bei einem russischen Drohnenangriff in der zweiten Tageshälfte verletzt. Bei vier davon handele es sich um Minderjährige im Alter von sechs bis 16 Jahren.

Russische Besatzungsbehörden meldeten unterdessen in der besetzten Stadt Lyssytschansk im ostukrainischen Gebiet Luhansk Verletzte. Demnach wurden zwölf Menschen bei einem Drohneneinschlag in einen Bus verletzt. Von ukrainischer Seite gab es hierzu bisher keine Informationen. 

Christoph Heinlein

Selenskij will eigene Produktion für „Patriot“-Raketen

Nach dem massiven russischen Angriff mit mehr als 20 Toten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew drängt Präsident Wolodimir Selenskij auf eine eigene Produktionsstätte für Patriot-Raketen. Um wirklich Leben schützen zu können, brauche die Ukraine eine eigene Produktion, sagte Selenskij in einer abendlichen Videobotschaft. Er sprach von einer europäischen Produktion in der Ukraine oder mit Partnern gemeinsam und stellte den USA in diesem Fall auch Unterstützung bei Einsätzen in Aussicht. Selenskij hofft darauf, dass die USA der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen in Lizenz erlauben.

Der Westen hatte der Ukraine für die Flugabwehr Waffen wie US-amerikanische Patriot-Systeme oder die deutschen Iris-T-Komplexe geliefert. Doch die Raketen für solche Flugabwehrsysteme sind teuer und rar. Durch den von US-Präsident Donald Trump begonnenen Iran-Krieg ist das Defizit an solchen Raketen noch größer geworden.

Das ukrainische Verteidigungsministerium bezeichnete die Abwehr ballistischer Raketen in einer Mitteilung aufgrund des Mangels an Raketen für die Patriot-Systeme als zentrale Herausforderung. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow habe sich bereits an fast 40 Partnerländer der Ukraine gewandt, und um die Lieferung von Patriot-Raketen aus deren Beständen noch in diesem Monat im Austausch gegen vereinbarte künftige Lieferungen gebeten.

Leon Wenz

EU geht gegen russische Schattenflotte vor – Kamerun reagiert

Wegen eines ​härteren Vorgehens der EU gegen die russische Schattenflotte streicht Kamerun 39 Tanker aus seinem Schiffsregister. Die Regierung teilte mit, ihre Flagge werde missbräuchlich verwendet. Moskau verurteilt das Vorgehen der EU.

Brüssel bereitet für Mitte Juli weitere Sanktionen vor, die sich gegen die Schattenflotte richten. Die EU-Marinemission IRINI kann seit Anfang Juni Schiffe im Mittelmeer anhalten und durchsuchen, die im Verdacht stehen, unter Umgehung von Sanktionen russisches Öl zu transportieren. Russland nutzt für die Transporte eine sogenannte „Schattenflotte“ aus älteren Schiffen, die oft unter der Flagge anderer Staaten wie Kamerun fahren, um ihre Herkunft zu verschleiern.

Seit Schweden alte Öltanker aus Russland jagt, nehmen diese vermehrt die deutsche Ostsee-Route:

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