Wahlen in der Ukraine sind laut Selenskyj entgegen Spekulationen nur bei einem Waffenstillstand denkbar. Lawrow nennt Beziehung von Putin zu Trump exzellent. Das Liveblog
Aktualisiert am 11. Februar 2026, 20:38 Uhr
Selenskyj dementiert Berichte über Bekanntgabe eines Wahltermins
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einem Bericht der Financial Times über eine bevorstehende Präsidentschaftswahl und ein Referendum über ein Friedensabkommen widersprochen. Wahlen seien nur nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands möglich, sagte Selenskyj, und wenn "all die notwendigen Sicherheitsgarantien in Kraft sind".
„Das ist ganz einfach umzusetzen: Stellt einen Waffenstillstand her und es gibt Wahlen.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der UkraineZudem sei ein Ende des Krieges bis zum Sommer nur dann zu erreichen, wenn die USA den Druck auf Russland erhöhten. Verhandlungen in Russland selbst schließe er aus. Selenskyjs Ansicht nach sollten die Europäer und die USA gemeinsam mit Russland verhandeln.
Weil die Amtszeit des ukrainischen Präsidenten turnusgemäß im Mai 2024 ausgelaufen wäre, stellt Russland Selenskyjs Legitimität als Staatsoberhaupt infrage. Wegen des am 24. Februar 2022 begonnenen russischen Angriffskriegs auf das Land gilt in der Ukraine jedoch das Kriegsrecht, unter dem Wahlen ausgesetzt sind. Selenskyj hatte bereits mehrfach mitgeteilt, nach Kriegsende Wahlen abhalten zu wollen.
Lawrow nennt Beziehung zwischen Trump und Putin "exzellent"
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin "exzellent" genannt. Ihre gegenseitige Sympathie und ihr Respekt füreinander hätten dazu beigetragen, sich bei ihrem Treffen im US-Bundesstaat Alaska im vergangenen August in bestimmten Fragen zu einigen, behauptete Lawrow.
Bezogen auf die US-Ansprüche auf Grönland, sagte er, dass diese Russland nicht betreffen würden. "Im Falle einer Militarisierung Grönlands und der Schaffung militärischer Kapazitäten dort, die gegen Russland gerichtet sind, werden wir entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen, auch militärtechnischer Art", sagte er jedoch.
Lawrow sagte zudem, dass Russland noch keinen "strategischen Dialog" mit der Regierung Trumps aufgenommen habe. "Wir sind jederzeit offen für solch einen Dialog."
Widersprüchliche Medienberichte über angebliche Wahlen in der Ukraine
Ein Bericht der Financial Times (FT) hat Spekulationen über eine baldige Präsidentschaftswahl in der Ukraine ausgelöst. Wie die Zeitung aus nicht näher genannten ukrainischen und westlichen Quellen erfuhr, soll sich die Ukraine darauf vorbereiten, bereits am 15. Mai die Wahl abzuhalten.
Parallel dazu solle ein Referendum über ein mögliches Waffenstillstandsabkommen mit Russland abgehalten werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe vor, diese Pläne am 24. Februar – dem vierten Jahrestag der russischen Invasion – publik zu machen.
Demnach soll die US-Regierung Druck auf die Ukraine ausüben, beide Abstimmungen Mitte Mai abzuhalten. Zuvor hatte Selenskyj gesagt, die USA würden ein Ende der Kämpfe bis spätestens Ende Juni fordern. Bis dahin müssten alle entsprechenden Vereinbarungen unterzeichnet sein.
Andere Medien berichteten wiederum unter Berufung auf Quellen im ukrainischen Präsidentenbüro, dass es keine entsprechenden Pläne gebe. So berichtet der Kyiv Independent, ein Vertreter des Präsidentenbüros habe die Angaben aus dem FT-Bericht zurückgewiesen. "Wenn die Russen jeden Tag Menschen töten, wie können wir in den kommenden Wochen Wahlen ankündigen oder ernsthaft erwägen?", sagte der Beamte demnach. "Niemand ist gegen Wahlen, aber es muss Sicherheiten geben."
"Ohne Sicherheiten keine Ankündigungen", zitierte auch das Nachrichtenportal RBK-Ukrajina eine Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten. Ähnliche Antworten erhielt auch ein Korrespondent der ARD auf Nachfrage beim Präsidentenbüro.
Die ukrainische Verfassung und das Kriegsrechtsgesetz schließen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen während des laufenden Krieges aus. Selenskyj hatte sich zuletzt für Gesetzesänderungen offen gezeigt, nachdem US-Präsident Donald Trump sich der russischen Forderung nach Wahlen in der Ukraine angeschlossen hatte. Zugleich stellte Selenskyj klar, dass eine Wahl nur abgehalten werden könne, wenn die USA für deren Sicherheit garantierten – was als ausgeschlossen gilt.
Neben rechtlichen Einwänden argumentiert die ukrainische Regierung vor allem mit logistischen Schwierigkeiten und der Frage der Sicherheit – etwa dazu, wie eine demokratische Wahl abgehalten werden könne, wenn Wahlkabinen Luftangriffen ausgesetzt seien und sich Millionen Menschen als Flüchtlinge außer Landes oder in russisch besetztem Gebiet befänden, und wie Hunderttausende Soldaten an der Front abstimmen sollen.

Wadephul fordert Einhaltung von Sanktionen von zentralasiatischen Ländern
Außenminister Johann Wadephul hat die Länder Zentralasiens aufgefordert, an der Seite der Europäischen Union die Ukraine zu unterstützen. "Versuche, diese Sanktionen zu umgehen, stützen den russischen Angriffskrieg und bedrohen damit direkt die Sicherheitsinteressen der Europäischen Union", sagte Wadephul in Berlin vor einem Treffen mit den Außenministern aus Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Usbekistan und Kasachstan.
Er habe deshalb die Außenminister der Länder gebeten, ihre Bemühungen im Kampf gegen die Sanktionsumgehungen zu intensivieren und sich eng mit der EU abzustimmen, sagte Wadephul.

Ukrainisches Militär beschießt Lukoil-Raffinerie in russischem Wolgograd
Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht zum Mittwoch die Ölraffinerie des Konzerns Lukoil in der südrussischen Oblast Wolgograd mit Drohnen beschossen und getroffen. Der Angriff habe ein Feuer auf dem Gelände der Anlage verursacht, teilt der ukrainische Generalstab mit. Diese Angaben lassen sich im Moment nicht unabhängig überprüfen.

EU-Parlament stimmt 90-Milliarden-Darlehen für Ukraine zu
Das Europäische Parlament hat Pläne für ein Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro an die Ukraine abgesegnet. Das Geld soll über zwei Jahre hinweg zur Verfügung gestellt werden. Zwei Drittel davon sind für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen. Jetzt muss noch der Rat der Mitgliedsstaaten zustimmen, was allerdings als Formalie gilt.
Russische Einheiten rücken bei Kostjantyniwka vor
Im Südosten der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka in der Region Donezk haben russische Streitkräfte Gelände eingenommen. Das teilte das Institute for the Study of War (ISW) in seinem täglichen Lagebericht mit. Demnach rückten die russischen Truppen ins Zentrum von Pleschtschijiwka und nordwestlich von Iwanopillja vor. Kostjantyniwka ist Teil des ukrainischen Verteidigungsgürtels in der Region Donezk.
Mehr dazu lesen Sie hier:

Wolodymyr Selenskyj kündigt Änderungen bei der Flugabwehr an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will Änderungen bei der Organisation der Flugabwehr vornehmen. Ihm zufolge sollen die Arbeitsweisen einiger Teams "komplett umstrukturiert" werden. Von diesen Umstrukturierungen sind Abfangjäger, mobile Feuergruppen und der gesamte Komplex der lokalen Flugabwehr betroffen. Diese Entscheidung sei bei einer Beratung mit der Militärführung getroffen worden, teilte Selenskyj weiter in seiner abendlichen Videobotschaft mit.
EU-Verteidigungsminister beraten über neue Ukrainehilfen
Die Verteidigungsminister der 27 EU-Staaten sprechen am heutigen Mittwoch in Brüssel über ihre künftige militärische Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. Das Treffen ist für 16.30 Uhr angesetzt.
Ein Schwerpunkt soll nach Angaben des EU-Ministerrates die Zusammenarbeit bei technologischer Innovation sein. Außerdem geht es um mögliche Sicherheitsgarantien der EU im Falle einer Waffenruhe.
Mann und drei Kinder bei russischem Angriff getötet
Bei einem russischen Angriff in einer Stadt westlich von Charkiw sind nach Behördenangaben vier Menschen getötet worden. Unter den Toten seien drei kleine Kinder, teilte Regionalgouverneur Oleh Synjehubow mit. Die drei Kinder seien zusammen mit einem 34-jährigen Mann in einem Haus in der Stadt Bohoduchiw als Folge des Angriffs ums Leben gekommen. Eine 74-jährige Frau wurde bei dem Vorfall verletzt.

EU erarbeitet Forderungskatalog an Moskau
Die Europäische Union erarbeitet derzeit eine Liste von Forderungen, die Russland für einen dauerhaften Frieden in der Ukraine erfüllen soll. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland mangelndes Interesse an ernsthaften Friedensverhandlungen vor und verweist auf die anhaltenden Angriffe auf die Ukraine. Daher sei mit der Ausarbeitung eines nachhaltigen Friedensplans begonnen worden, der Moskau zum Handeln zwingen solle.
Der Entwurf der EU-Vorschläge soll in den kommenden Tagen vorliegen und von den Mitgliedstaaten in der Sitzung der EU-Außenminister am 23. Februar erörtert werden. In Brüssel erklärte sie, dass die EU auch Bedingungen stellen würde. Dazu könnten Forderungen nach einer Rückgabe möglicherweise Tausender aus der Ukraine entführter Kinder und eine Begrenzung der Größe der russischen Streitkräfte nach Kriegsende gehören.
Die EU arbeitet außerdem an einem Verbot, mit dem Reparaturen und andere Dienstleistungen für Schiffe, die russisches Öl transportieren, unterbunden werden sollen. Kallas hofft, die G7-Staaten bei den Gesprächen auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende zu überzeugen.

Menschen in Kyjiw zeigen Resilienz
Im bisher härtesten Winter seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine lässt Putin gezielt die Infrastruktur bombardieren. "Das sind keine taktischen Kampfhandlungen, es ist Terror gegen Zivilisten", schreibt mein Kollege Christian Vooren.
Zum einen gehe Putins Strategie auf, denn die Menschen in Kyjiw leiden unter den Angriffen. Gleichzeitig zeigten sie jedoch Resilienz – obwohl größere Hilfen von den USA und Europa erst einmal nicht absehbar seien.
Den ganzen Text lesen Sie hier:
FSB meldet 150.000 Hinweise aus der Bevölkerung im vergangenen Jahr
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat 2025 nach eigenen Angaben fast 150.000 Hinweise aus der Bevölkerung zu verdächtigen Aktivitäten erhalten. Darunter seien Tausende Meldungen zu mutmaßlichem Fehlverhalten im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine.
Insgesamt habe es mehr als 15.000 "nützliche" beziehungsweise "für Ermittlungen relevante Informationen" gegeben, teilte der FSB mit. Die Hinweise hätten unter anderem zur Strafverfolgung von 18 Verdächtigen aufgrund von Vorwürfen des Terrorismus, der Sabotage oder der Beteiligung daran, angeblich im Auftrag der Ukraine, geführt. Das sind Strafbestände, die mit jahre- und teils jahrzehntelanger Haft geahndet werden können.
Seit Kriegsbeginn hat Russland mehrere neue Delikte eingeführt oder Strafen für bestehende Delikte verstärkt. Zu gängigen Vorwürfen im Zusammenhang mit Kritik an dem Krieg gehören die sogenannte "Diskreditierung" der russischen Streitkräfte, das Verbreiten von "Falschinformationen" sowie die "Rechtfertigung von Terrorismus". Nach Beginn des Krieges wurde in Russland ein starker Anstieg an Denunziationen verzeichnet. Beobachter sprechen von einem Niveau gegenseitiger Schuldzuweisungen unter Bürgern wie zuletzt zu Sowjetzeiten.

Mehr als 95.000 Menschen in Region Odessa fehlt Strom
Nach dem russischen Angriff auf die südukrainische Region Odessa haben dort laut Angaben der örtlichen Behörden 95.000 Menschen keinen Strom. Besonders betroffen sei der Ort Kilija, teilte Militärgouverneur Oleh Kiper mit. Dort hätten mehr als 200 Gebäude mit insgesamt 9.000 Bewohnerinnen und Bewohnern keinen Strom, die auch für die Heizung auf Elektrizität angewiesen seien.
Kiper zufolge sind Hilfen für seine Region bereits unterwegs, darunter sieben Hochleistungsgeneratoren sowie Heizgeräte und Feldküchen. Es würden zehn Hilfsstellen für Betroffene eingerichtet, wo sie sich aufwärmen und Elektrogeräte aufladen könnten.
Kallas fordert europäische Koordination bei möglichen Gesprächen mit Russland
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat eine Koordination auf europäischer Ebene bezüglich der Gespräche mit der russischen Führung gefordert. "Lassen Sie uns erst besprechen, worüber wir mit den Russen sprechen wollen, bevor wir darüber sprechen, wer mit den Russen spricht", sagte sie.
Um "glaubwürdig" zu sein, müssten die Europäer sich darauf einigen, "worüber all diese Leute mit den Russen sprechen", sagte Kallas. "Wir werden in den kommenden Tagen Ideen entwickeln, was wir sehen wollen, um einen langfristigen und nachhaltigen Frieden zu erreichen". Eine entsprechende Liste werde dann an die EU-Mitgliedstaaten gesandt.

vor 3 Stunden
2





English (US) ·