Jubelnder Manuel Neuer nach Abpfiff
Foto:Heiko Becker / REUTERS
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1:13: Zweimal schon standen sich der FC Bayern und Leipzig in dieser Saison gegenüber, die Ergebnisse: 6:0 und 5:1. Diesmal wollte sich RB nicht abschießen lassen. Die gute Nachricht aus Leipziger Sicht: Die Gäste hielten das DFB-Pokalviertelfinale in München mehr als eine Stunde lang offen. Die schlechte: Verloren haben sie trotzdem. Immerhin liest sich das Resultat zur Abwechslung nicht vernichtend. Die insgesamt 1:13 Tore, die Leipzig in drei Partien gegen die Bayern zustande brachte, zeigen aber nur zu klar die Kluft zwischen Deutschlands bestem Team und einem seiner größten Konkurrenten.
Ergebnis: 2:0 (0:0) haben die Bayern gewonnen. Sie stehen damit im Pokal-Halbfinale, RB ist raus.
Ende einer bemerkenswerten Serie: Als die Bayern letztmals im Halbfinale des Pokals standen, verteidigten in der Abwehr David Alaba neben Jérôme Boateng, an der Seite coachte Hansi Flick. Das war 2020. Danach folgten: ein Sensations-Aus bei Zweitligist Holstein Kiel (mit Trainer Ole Werner, der nun RB coacht); ein 0:5 gegen Mönchengladbach unter Julian Nagelsmann; ein später K.-o. gegen Freiburg und ein unerklärliches Aus bei Drittligist Saarbrücken, jeweils unter Thomas Tuchel, und zuletzt die Niederlage gegen Leverkusen samt früher Rote Karte für Manuel Neuer. In einem K.-o.-Wettbewerb kann man mal unglücklich ausscheiden. Dass sich die Bayern aber fünf Mal in Folge vorzeitig verabschiedeten, wird in München nicht als Kleinigkeit abgetan. Deshalb hätte ein Aus gegen RB womöglich eine Unruhe gebracht.
Ein Knall zum Start: Yan Diomande, 19, gilt als einer der begehrtesten in Deutschland spielenden Fußballer. Warum angeblich etliche internationale Klubs an dem Leipziger Außenstürmer interessiert sein sollen, zeigte er früh in diesem Spiel. Mit dem Ball am Fuß fand er sich von drei Bayern-Profis umzingelt. Diomande dribbelte trotzdem vorwärts, ohne Angst oder Sorge, da waren nur Mut und Spielwitz. So brachte er den Ball zu Mitspieler Christoph Baumgartner, der mit einem Drehschuss Manuel Neuer im Münchner Tor überwand (4. Minute). Leipzig jubelte, aber Leipzig jubelte kurz: Baumgartner stand im Abseits, der Knall zum Auftakt verpuffte.
Trickreich und flink: Yan Diomande
Foto: Picture Point / Roger Petzsche / Picture Point LE / IMAGOBayerns Antwort: Die Münchner schienen überrascht von den forsch pressenden Gästen, sie benötigten ein paar Minuten, um in dieses Spiel zu finden. Dann begann die Bayern-Dominanz. Mit vielen Pässen drängten sie RB vors eigene Tor, wurden dann gefährlich. Luis Díaz schoss nach einem Eckball über das Tor (18.), Aleksandar Pavlović kam aus der Distanz per Aufsetzer nicht an Leipzigs Torwart Maarten Vandevoordt vorbei (45.+5), aber vor allem stand Harry Kane im Mittelpunkt.
Erst Flipper, dann cool: Es begann mit einer Großchance. Kane verlud im Strafraum einen Verteidiger, schoss aufs Tor, und dann wurde es flipperhaft. Kanes Schuss parierte Torwart Péter Gulácsi, der Ball prallte ans Bein eines Teamkollegen und sprang in Richtung Tor, aber nicht hinein, denn vor der Linie rettete Leipzigs Castello Lukeba (12.). Es folgten: ein Kane-Dropkick über das Tor (21.), ein Kopfball nach einer Ecke, der fabelhaft pariert wurde (45.+5). Und schließlich die Erlösung vom Punkt: Ein Kane-Strafstoß führte zum 1:0, kurz darauf war die Partie entschieden (64.).
Noch im Fallen reklamiert: Josip Stanišić
Foto: Alexandra Beier / AFPFoul! Elfmeter? Josip Stanišić schob sein Bein zwischen die des Leipzigers wie einen Ast zwischen Fahrradspeichen. Als Antonio Nusa dann fiel, tat Bayerns Stanišić, als hätte sich jener eine freche Schwalbe geleistet. Dabei war das Foul unstrittig. Zum Glück für Stanišić hatte es aber wohl so gerade eben vor dem Strafraum stattgefunden, auch wenn Nusa dort hineinfiel. So meldete sich der VAR nicht bei Schiedsrichter Daniel Siebert. Das war nach einer knappen halben Stunde. In Hälfte zwei war es Stanišić, der am Boden lag und reklamierte, er tat das noch im Sinkflug. Diesmal gab es nach einem leichteren Kontakt einen Strafstoß; der Münchner war von RB-Torwart Vandevoordt touchiert worden. Stanišić feierte den Pfiff wie einen Treffer. Er wusste ja schließlich, wer den Elfmeter ausführen würde.
Münchner Luxusbank: Drei Minuten nach Kanes Tor legte Luis Díaz nach, RB beschränkte sich danach auf Schadensbegrenzung, und so bot sich Bayerns Trainer Vincent Kompany die Möglichkeit, Minuten an seine Spieler zu verteilen wie Bonbons für Kinder. Konrad Laimer kam auf seine zweite Einwechslung nach längerer Verletzungsauszeit; Leon Goretzka durfte erstmals nach dem angekündigten Abschied aus München spielen, auch Rekonvaleszent Jamal Musiala erhielt Minuten. Bayerns Bank ist inzwischen so gut gefüllt, dass manch Star sogar keinen Platz mehr fand. Am Sonntag gegen Hoffenheim traf es Abwehrspieler Kim Min-jae, diesmal Stürmer Nicolas Jackson.
So geht’s weiter: In der Bundesliga müssen die Bayern am Samstag zu Werder Bremen, Leipzig empfängt am Sonntag den VfL Wolfsburg. Und im Pokal? Da wird das Halbfinale am 22. Februar ausgelost. Neben den Bayern haben sich Leverkusen, Stuttgart und Freiburg qualifiziert.

vor 2 Stunden
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