Krankschreibung: Kassenärzte-Chef springt Friedrich Merz bei

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Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand der Deutschen – und die Kassenärztliche Bundesversicherung stärkt ihm für diese Aussagen den Rücken. Der Vorsitzende Andreas Gassen sagte dem »Tagesspiegel»: »Merz hat völlig recht: Deutschland hat im internationalen Vergleich einen sehr hohen Krankenstand.« Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lade »natürlich» zum Missbrauch ein. »Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht«, sagte Gassen.

Merz hatte am Freitag gesagt, die Beschäftigten in Deutschland kämen im Schnitt auf 14,5 Krankentage. »Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?« Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte der CDU-Chef. Die telefonische Krankschreibung nannte er als Beispiel. Diese gilt seit 2021, die Union dringt auf eine Abschaffung.

Auch Gassen sagte zum Thema Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU, auch: Krankschreibung) weiter: »Die Telefon‑AU gehört abgeschafft, und die Pflicht zur AU in den ersten drei Tagen gleich mit.« Gassen sprach von »Bagatell-AUs«, die jährlich rund 27 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte verursachten, »die medizinisch unnötig sind und dann wegfielen.

Die Krankenkasse AOK geht allerdings demgegenüber davon aus, dass die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung nicht dazu führt, dass sich Menschen häufiger krankschreiben lassen. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte hätten dies nur in einem Bruchteil der Fälle abgerechnet.

Einen Einfluss auf die Zahlen kann der Kasse zufolge dagegen die Einführung der elektronischen Krankmeldung haben. Sie führe laut aktuellen Analysen zu einer vollständigeren Erfassung der Fehlzeiten.

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