Die Apple Card hat eine neue ausgebende Bank: Statt Goldman Sachs wird die Kreditkarte des iPhone-Konzerns nun bald von der US-Großbank JPMorgan Chase vermarktet und betreut. Der Partnerwechsel zog sich über mehrere Jahre: Goldman Sachs wollte das Angebot schon länger loswerden, zumal es zu Milliardendefiziten geführt haben soll. Das Wall Street Journal hat in der vergangenen Woche verschiedene neue Details zum Hintergrund des Hin und Her um das Finanzprodukt veröffentlicht. Es zeigt sich, dass dabei niemand wirklich gut aussah, Apple aber letztlich das bekam, was das Unternehmen wollte.
Vertrag nochmals verlängert
Goldman wird sich komplett aus dem Privatkundenkreditgeschäft zurückziehen, heißt es. Es sei „ein Kapitel, das [sie] vergessen wollen“. Insgesamt ging es um rund 20 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Kreditkartenschulden, die JPMorgannach und nach übernehmen wird. Die volle Summe ist nicht zu leisten, Goldman gab einen Nachlass, um mögliche Ausfälle für JPMorgan zu kompensieren. Ob es überhaupt zu einem Deal kommen würde, soll bis zum Schluss unklar gewesen sein. Das Thema wurde noch im Dezember auf höchster Ebene – Goldman-Chef David Solomon und JPMorgan-Boss Jamie Dimon – ausdiskutiert. Analysten hielten die Länge der Verhandlungen zuletzt für peinlich. Goldman sei doch der führende „Dealmaker“ der Branche.
Apple soll es gelungen sein, „ungewöhnliche“ Bedingungen von Goldman erhalten zu haben, als das Kreditkarten-Programm, das nach wie vor nur in den USA verfügbar ist, 2019 startete. Andere Banken hätten abgewunken. So soll die Apple Card „praktisch jedem“ Kunden angeboten worden sein, was zu einer höheren Anzahl an Kreditausfällen sowie sogenannten Subprime-Klienten – also solche mit geringer Kreditwürdigkeit – führte. Hinzu kamen keine Gebühren selbst bei verspäteten Zahlungen und die Umstellung auf eine monatliche Laufzeit, ungewöhnlich in der Branche. Letzteres führte dann dazu, dass Abrechnungen teilweise nicht korrekt oder verspätet herausgingen, was Apple und Goldman Ärger mit US-Behörden einbrachte, bis hin zu dicken Strafzahlungen. Interessanterweise gab es noch 2022 eine Erweiterung der Partnerschaft bis 2029. Goldman hatte sich also länger als nötig an Apple gebunden.
Mastercard bleibt Partner
Nun soll der Umstieg im Rahmen einer Übergangsphase zwischen 12 und 15 Monaten erfolgen. Apple vermarktete seinen Dienst bei JPMorgan in Form einer stolzen Präsentation. Man wolle die beste Kreditkarte anbieten und erreiche nahezu jeden US-Haushalt. Zahlen wurden kaum genannt. JPMorgan soll sich vor allem von Apples Marke angezogen gefühlt haben.
Interessiert waren laut dem Bericht zwischenzeitlich auch American Express und Barclays, wo man mit der Private-Equity-Firma KKR bieten wollte. Der Kartendienstleister bleibt unterdessen weiterhin Mastercard, weder Amex noch Visa konnten sich durchsetzen. Der große US-Kreditkartenausgeber Capital One wollte sich nicht entscheiden. Nach wie vor bleibt unklar, ob JPMorgan die Apple Card endlich auch nach Europa bringen wird.
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(bsc)












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