Kongress des MVFP: Ein Verband ringt mit sich selbst

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Die Handfächer am Eingang des Allianzforums in Berlin wirken wahre Wunder. Als der jährliche Verbandskongress des Medienverbands der Freien Presse (MVFP) am Dienstagnachmittag beginnt, scheint die dicke Luft der letzten Wochen plötzlich wie weggewedelt. Vormittags bei der Vorstandswahl solle es durchaus emotional geworden sein, heißt es hinter vorgehaltener Hand, am Empfangsbuffet ist davon jedoch kaum etwas zu spüren. Friedlich plätschert der Small Talk vor sich hin. Den Elefanten im Raum kann man nur erahnen.

Nur als Lars Joachim Rose in seiner Begrüßungsrede an die Kompromissbereitschaft und den Zusammenhalt im Verein appelliert, schimmern die jüngsten Querelen im MVFP durch. 2022 aus dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger hervorgegangen, vertritt der MVFP die Interessen von rund 350 Verlagen wie Hubert Burda Media oder Axel Springer SE mit insgesamt mehr als 7000 Titeln. Rose, der 56-jährige Verleger der Mediengruppe Klambt, wurde am Dienstagfrüh einstimmig an die Spitze des Verbands gewählt.

Die Geschlossenheit der Entscheidung ist keine Neuigkeit, die Zusammensetzung der Delegierten indes schon. Vertreter der Funke Mediengruppe fehlten bei der nicht öffentlichen Abstimmung, auch beim anschließenden Kongress war niemand aus dem Unternehmen zugegen. Ein Vorgeschmack für die Zukunft: Funke hat die Mitgliedschaft gekündigt und tritt zum 30. Juni 2027 aus dem MVFP aus.

Die Suche nach einem Nachfolger sei nicht transparent abgelaufen

Grund sind die Streitigkeiten um jene Nachbesetzung des Vorstandspostens. Der scheidende Philipp Welte hätte eigentlich gern weitergemacht, doch nach seinem Rücktritt von seinem Amt bei Burda im Dezember 2025 erfüllte er nicht mehr die formalen Satzungskriterien des MVFP. In den Monaten danach fand sich anscheinend auch kein vergleichbarer Posten. Welte galt als selbstbewusster Vorsitzender, der die Verbandsinteressen mit Leidenschaft und Verve vertrat. Auch auf dem Podium des Medienforums merkte man, wie sehr ihm die Arbeit am Herzen gelegen haben muss. Er beschwor in seiner Rede immer wieder die Bedeutung der Presse für die gesamte Demokratie.

Auf Anfrage beklagte die Funke Mediengruppe, dass die Suche nach einem Nachfolger angeblich nicht transparent abgelaufen sei. Auch fehle es an einer Grundsatzdebatte, in welche Richtung sich der Verein entwickeln solle. Der frisch gekürte Rose widersprach beim Medienforum den Vorwürfen. Unstimmigkeiten seien ein normaler Teil des Auswahlprozesses, sagte er der F.A.Z. Zudem strebe man „einen organisatorischen Kassensturz“ für den Herbst an. Bereits seit dem vergangenen Jahr laufe ein interner Prozess, um die Verbandsstrukturen zu überprüfen und zu reformieren. Da Funke ein einflussreiches Unternehmen in der Branche sei – und einer der größten Beitragszahler des MVFP –, schmerze ihn der Verlust, so Rose. Er hoffe, Funke durch gute Arbeit von einer Rückkehr zum Verband überzeugen zu können.

Die Mitgliedschaft von Ringier steht ebenfalls auf der Kippe. Nachdem Chefin Ladina Heimgarter Ende des Jahres den Vorstand des MVFP verlässt, berät der Schweizer Verlag aktuell über die Zukunft im Verband.

Keine guten Rahmenbedingungen für den Jahreskongress einer Branche, durch deren zerpflückte Reihen im Berliner Allianzforum ein Hauch von Bedeutungsverlust wehte. Zu Gast war kein Bundespolitiker oder Regierungsmitglied, dafür immerhin Nathanael Liminski (CDU), Chef der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen. Dieser vertrat zwar glaubhaft seine Liebe zur freien Presse, sein Handlungsspielraum dürfte jedoch eher gering ausfallen.

Immer wieder wurde auf den verschiedenen Panels deutlich, dass die Verlagsbranche gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Künstlichen Intelligenz hinterherhechelt, während Big-Tech-Unternehmen wie Meta, Alphabet oder Amazon die Rahmenbedingungen setzen. Dem MVFP ist zu wünschen, dass zumindest die internen Zwistigkeiten ein Ende nehmen.

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