Pakistan hat in der Nacht zum Freitag militärische Einrichtungen in afghanischen Großstädten angegriffen. Das teilten pakistanische Vertreter und Taliban-Vertreter mit. Ein Zeuge der Angriffe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in der Hauptstadt Kabul seien Explosionen und Sirenen zu hören. Sicherheitskreisen in Pakistan zufolge hat es Luft- und Bodenangriffe gegen Posten, Hauptquartiere und Munitionsdepots der Taliban entlang der Grenze gegeben. Beide Seiten meldeten schwere Verluste. Die von ihnen genannten Zahlen gehen jedoch stark auseinander und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Es ist die schwerste Eskalation zwischen den Nachbarländern seit Monaten.
Bereits am vergangenen Wochenende hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen, am Mittwochabend schlugen die Taliban mit einer umfassenden Offensive auf militärische Stellungen zurück, teilte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, auf dem Kurznachrichtendienst X mit.
Pakistans Präsident Asif Ali Zardari bezeichnete die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte als umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen, schrieb er auf X.
Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen
Laut der pakistanischen Regierung wurden 133 Kämpfer der afghanischen Taliban getötet und mehr als 200 verletzt. Taliban-Sprecher Mudschahid sprach dagegen von 55 getöteten pakistanischen Soldaten und acht getöteten Taliban-Kämpfern. Zudem seien 13 Zivilisten verletzt worden.
Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut UN-Angaben starben damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen. Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Die Nachbarländer teilen sich eine etwa 2400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als „Durand-Linie“ bekannten Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.












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