Die Platzverhältnisse auf der Alm waren nach der Pokal-Sensation ein Thema. Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro monierte, dass der Platz - zum Nachteil von Bayer 04 - nicht gewässert worden sei. Eine zweifelhafte Kritik, die die Bielefelder Verantwortlichen cool konterten.

Unterschiedlicher Meinung: Mitch Kniat, Michael Mutzel und Fernando Carro (v.li.). imago images (2)
Damit hatten sie nicht gerechnet. Nicht mit diesem Ergebnis. Nicht mit diesem Spielverlauf - und auch nicht mit diesen Platzverhältnissen. So setzte Fernando Carro nach der hochverdienten 1:2-Niederlage im DFB-Pokal-Halbfinale in Bielefeld zum großen Wehklagen an - weil Arminia den Rasen vor dem Spiel nicht gewässert hatte.
"Ich habe mich schon vor dem Spiel geärgert, dass nicht gewässert wurde. Das muss ich dem Rettig sagen", motzte der 60-Jährige in der Mixed Zone. Auch wenn der CEO die Leistung seiner Mannschaft kritisch einordnete ("Die Erwartung war, dass wir heute die beste Leistung abliefern, aber wir haben keine Leistung abgeliefert"), verrannte sich der Spanier in dem Platz-Thema.
Da muss der DFB eine Strafe machen. Das geht nicht. Das kann man nicht akzeptieren.
"Es war ein kollektives Versagen", urteilte Carro zu Recht hart, wobei sich nicht nur die Leverkusener Profis, sondern auch Trainer Xabi Alonso angesprochen fühlen durften, und motzte dann: "Trotzdem ärgert es mich, dass der Platz nicht gewässert wurde. Das ist eine Regularien-Sache. Da muss der DFB eine Strafe machen. Das geht nicht. Das kann man nicht akzeptieren."
Zwischen zweifelhaft und peinlich
Carros Kritik bewegte sich im Bereich zwischen zweifelhaft und peinlich. Hatte es Bayer 04 doch zum einen wegen des nicht idealen, weil teilweise holprigen Platzes doch ohnehin gar nicht erst versucht, Kombinationsfußball zu spielen, sondern quasi nur auf lange Bälle gesetzt, sodass auch ein gewässerter Rasen, auf dem der Ball schneller läuft, auch nicht geholfen hätte. Zum anderen bewegte sich Arminia im Rahmen der Regularien, wie Sportchef Michael Mutzel nachher erklärte.
Dass vor der Partie die Rasensprenger nicht zum Einsatz kamen, sei zudem keine Besonderheit gewesen. "Wir machen das in keinem Ligaspiel", sagte Mutzel, "dann haben wir gesagt: Warum sollen wir das heute machen? Dann haben wir ja einen Nachteil, wenn wir den Platz wässern."
Das Vorgehen war sogar mit der DFB-Seite abgestimmt, wie Arminias sportlicher Macher erzählte. "Wir haben vor dem Spiel mit dem Schiedsrichter darüber gesprochen. Wenn der Platz morgens gewässert wurde, dann muss man ihn nicht mehr wässern. Es reicht am Kalendertag."
Wir hätten uns auch einen freien Tag mehr gewünscht.
Arminia-Trainer Mitch Kniat ("Das sind unsere Regeln hier") nahm die Kritik Carros gelassen auf und setzte nach der Pressekonferenz in einer kleinen Runde mit den Journalisten noch einen coolen Konter. "Wir hätten uns auch einen freien Tag mehr gewünscht", sagte der 39-Jährige und spielte damit darauf an, dass Bayer 04 schon am Wochenende zuvor bereits Freitag sein Punktspiel bestreiten konnte, Arminia aber am Samstag ran musste. Aufgrund des extrem kraftaufwendigen Spielstils seiner Mannschaft definitiv ein Nachteil - von dem am Dienstagabend aber nichts zu sehen war.
Arminia kämpfte erfolgreich mit allen - legalen - Mitteln, um die Sensation zu schaffen. Für diese hatten wahrscheinlich DSC-Fans in der Nacht vor dem Spiel gegen 2.30 Uhr in der Früh auch zu verbotenen Maßnahmen gegriffen und vor dem Leverkusener Mannschaftshotel auf dem Johannisberg Böller und Raketen gezündet, sodass das etwa eineinhalbminütige Feuerwerk auch die Spieler der Werkself aus dem Schlaf gerissen hatte. Einen ausgeschlafenen Eindruck machten die Bayer-Profis am Abend wirklich nicht.
Stephan von Nocks