Die Kosten der US-Strafzölle bleiben einer Studie zufolge nicht an ausländischen Exporteuren hängen. 96 Prozent tragen Importeure und Verbraucher in den USA.
19. Januar 2026, 12:16 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, als
Die US-Strafzölle belasten nicht die ausländischen Exporteure, sondern die amerikanische Wirtschaft selbst. Die Kosten tragen fast vollständig Importeure und Verbraucher in den USA, zeigt eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel).
Die Wirtschaftsforscher analysierten mehr als 25 Millionen Lieferdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen. Dabei seien die Ergebnisse eindeutig: Die US-Zolleinnahmen stiegen im vergangenen Jahr um rund 200 Milliarden US-Dollar. Doch nur etwa vier Prozent der Zolllast trugen ausländische Exporteure, während 96 Prozent an US-Käufer weitergegeben wurden. Gleichzeitig brach das Handelsvolumen ein, ohne dass die Exportpreise sanken.
"Die Zölle sind ein Eigentor", sagte Julian Hinz, Forschungsdirektor am IfW und Mitautor der Studie. "Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos." Die Zölle verteuerten importierte Waren wie eine Konsumsteuer und verringerten zugleich Vielfalt und Menge der verfügbaren Güter.
Zudem untersuchte die Studie die Zollerhöhungen gegen Brasilien und Indien im August 2025. Dabei stiegen die Zölle für Brasilien auf 50 Prozent und für Indien von 25 auf 50 Prozent. Der IfW-Studie zufolge senkten ausländische Exporteure ihre Preise nicht, um die zusätzlichen Zölle abzufedern.
Exporteure lieferten weniger, nicht billiger
Ein Vergleich indischer Exporte in die USA mit Lieferungen nach Europa oder Kanada zeige zudem ein klares Muster. "Exportwert und -menge nach Amerika sanken deutlich, um bis zu 24 Prozent. Aber die Stückpreise – die Preise, die indische Exporteure verlangen – blieben unverändert", sagte Hinz. "Sie lieferten weniger, nicht billiger."
Den Wirtschaftsforschern zufolge müssen US-Unternehmen langfristig mit sinkenden Margen und Verbraucher mit höheren Preisen rechnen. Gleichzeitig verkauften exportorientierte Länder mit Schwerpunkt USA weniger und stünden unter Druck, neue Märkte zu erschließen. "Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle", sagte Hinz.

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