Aus Arbeitnehmersicht ist es eine Erkenntnis, die aufatmen lässt: Firmen, die Künstliche Intelligenz nutzen, um durch Automatisierung Stellen einzusparen, sind damit weniger erfolgreich als Firmen, die KI verwenden, um ihre menschliche Expertise zu verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt das Global AI Jobs Barometer 2026 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Für die Untersuchung wurden mehr als eine Milliarde Stellenanzeigen in 27 Ländern und Regionen sowie Arbeitsmarkt-, Unternehmensfinanz- und Berufsdaten ausgewertet.
„Die Unternehmen, die den größten Nutzen aus KI ziehen, setzen diese ein, um menschliches Fachwissen zu verstärken, Innovationen zu beschleunigen und völlig neue Wertquellen zu erschließen. Dadurch bauen sie ihren Vorsprung in Sachen Produktivität und Wachstum gegenüber Unternehmen aus, die sich in erster Linie auf Automatisierung konzentrieren“, erklärt Joe Atkinson, Global Chief AI Officer bei PwC. Sprich: Zumindest in spezialisierten Branchen ist ein KI-Kahlschlag in der Belegschaft wirtschaftlich wenig sinnvoll. Dass KI häufig auch als Vorwand für Entlassungen dient, zeigt eine Analyse zur wachsenden Kluft zwischen Beschäftigten, die KI als Werkzeug nutzen, und jenen, die von ihr gesteuert werden.
Der Untersuchung zufolge wachsen Unternehmen mit dem stärksten KI-Einsatz beim Personalbestand schneller (plus 52 Prozent) als KI-ferne Unternehmen (plus 36 Prozent). Sie verzeichnen laut PwC zudem ein deutlich höheres Produktivitätswachstum (34 Prozent im Vergleich zu 2018) gegenüber KI-fernen Unternehmen (24 Prozent).
Veränderungen für Berufseinsteiger
Dennoch bleiben Arbeitnehmer auch dort nicht von KI-bedingten Veränderungen verschont, die weit über den reinen Gebrauch von Tools hinausgehen. Dies bekämen gerade Berufseinsteiger zu spüren. Während bislang galt, dass sie erst Routine aufbauen sollen, bis sie mehr Verantwortung übernehmen, könne man sich diesen „Luxus“ heute nicht mehr leisten. Urteilsvermögen, Führung und persönliche Interaktion seien schon beim Einstieg gefragt. Klassische Einstiegspositionen seien indessen auf dem Rückzug. Laut einer Mercer-Studie planen viele CEOs weltweit, in den nächsten zwei Jahren gezielt Stellen abzubauen – besonders Einstiegspositionen sind betroffen.
Und KI-Kenntnisse sind gefragt: Das Wachstum KI-spezifischer Stellen übertreffe inzwischen das aller anderen Jobkategorien – ein Befund, der gängige Vorstellungen von KI als reinem Jobkiller widerlegt. Die Zahl der KI-Jobs habe sich gegenüber dem Jahr 2024 fast verdoppelt und Stellenangebote mit spezifischen KI-Anforderungen wie Prompt Engineering oder Machine Learning wachsen laut Studie achtmal schneller als der Gesamtarbeitsmarkt. Dennoch fühlen sich zum Beispiel nur 21 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fit genug, KI-Tools wirksam einzusetzen. Wer KI-Kenntnisse hat, verdiene zudem auch mehr. Besonders gefragt sind KI-Experten in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation.
Die Botschaft der Studie ist jedenfalls klar: KI als Ersatz für Menschen lohnt sich weniger als KI als Werkzeug für Menschen. Auf der SXSW London diskutierten Experten ähnlich: KI revolutioniere die Arbeit nicht, sondern verändere sie nur – und Entlassungswellen seien oft kein Beweis für echte Produktivitätsgewinne durch KI.
(mki)









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